Von Mäusen sangen gestern die Mädchen und Jungen in der neuen integrativen Kindertagesstätte "Ratz & Rübe" - von der Dachdeckermaus, der Glaser- und Tischlermaus bis zur Malermaus, die "streicht die Wände käsegelb". Mit der offiziellen Einweihung der Kita, in der 30 Kinder, 13 davon im Krippenbereich, betreut werden können, erhielt die Lebenshilfe als Träger auch die endgültige Betriebserlaubnis.

Haldensleben. Horst Hüther, Geschäftsführer der Lebenshilfe Ostfalen gGmbH, erinnerte sich noch gut daran, als 2006 die neu gebaute integrative Kindereinrichtung "Rappelkiste" an der Magdeburger Straße eingeweiht wurde. Kinder aus dieser Kita gestalteten gestern das Programm für die Einweihung von "Ratz & Rübe".

Die damalige Kindereinrichtung an der Köhlerstraße musste aufgegeben werden, weil sie den Bedingungen nicht mehr genügte, und in der Lebenshilfe wurde schon darüber nachgedacht, den Erbbaupachtvertrag mit der Stadt Haldensleben zu kündigen. Doch es kam anders. Zunächst entstand hier für 112000 Euro eine Frühfördereinrichtung in der einen Hälfte des Gebäudes, danach in der zweiten Hälfte für 450000 Euro ein Domizil für eine Außenwohngruppe. "Beides hat die Lebenshilfe ohne Zuschüsse gebaut", betonte Horst Hüther.

2009 konnte der Bedarf an integrativen Kinderkrippenplätzen nicht mehr gedeckt werden.

Die Nachfrage stieg stetig, und so fasste die Lebenshilfe den Neubau einer Einrichtung direkt neben der Frühförderungseinrichtung ins Auge. Die Räumlichkeiten der Frühförderung können für die Einrichtung mit genutzt werden. So gibt es hinreichend therapeutische Räume.

982000 Euro hat die neue Kindertagesstätte "Ratz & Rübe" gekostet. Das Land habe den Bau mit 175000 Euro gefördert, die Stadt Haldensleben habe 20000 Euro dazugegegeben, und die Lebenshilfe habe 787000 Euro investiert, rechnete Horst Hüther vor. Zusammen mit der Frühförderung seien so 1,3 Millionen Euro in die frühkindliche Bildung investiert worden.

In Haldensleben entsteht derzeit noch eine Werkstatt der Lebenshilfe für seelisch Behinderte. "Da werden wir uns vielleicht im Herbst zur Einweihung wiedersehen", lud der Geschäftsführer schon mal ein.

Die integrative Kindertagesstätte "Ratz & Rübe" arbeitet seit ein paar Monaten mit einer vorläufigen Betriebserlaubnis. Inzwischen sind auch die Außenanlagen fertig. Wegen des zeitig einsetzenden Winters hatte es Verzögerungen gegegeben. Joachim Hoeft, Dezernent der Kreisverwaltung, war gestern nicht nur zum Gratulieren gekommen, er brachte auch die endgültige Betriebserlaubnis mit, die er Horst Hüther und der Leiterin der integrativen Einrichtungen Krimhild Grahn mit den Worten überreichte: "Wir sind stolz auf die Lebenshilfe und ihre ganz besonderen Einrichtungen."

"Wir sind stolz auf die Lebenshilfe und ihre Einrichtungen"

Hüther revanchierte sich mit einem großen Lob für die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis - dem ersten, dem zweiten und dem dritten, führte er mit Blick auf die Kreisfusionen an - und ebenso mit der Stadt Haldensleben.

Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler war mit drei Kartons Bausteinen für die Kinder in der neuen Einrichtung gekommen. "Wir brauchen Vielfalt an Trägern und sozialen Netzwerken", würdigte er den großen Einsatz der Lebenshilfe in der Kreisstadt. "Für alle Menschen muss ein Platz da sein."

In der integrativen Kindertagesstätte "Ratz & Rübe" ist Platz für 30 Kinder, sechs davon brauchen aufgrund ihrer Behinderung mehr Zuwendung als ihre Altersgenossen. Der Bedarf ist sehr groß, weiß Krimhild Grahn. Dazu kommt der Bedarf an Hortplätzen für den Nachmittag für sechs Kinder. Mit den Räumlichkeiten der Frühförderung könnte dafür eine Lösung gefunden werden, so hofft sie im Interesse der Kinder und Eltern.

"Ich habe 1984 hier mal angefangen", erinnerte sich Krimhild Grahn mit Blick auf ihren Berufseinstieg in der damaligen Kindereinrichtung an der Köhlerstraße. Sie sei froh über diese schöne neue Einrichtung, und diese Freude teilen nicht nur Kinder und Eltern, sondern gestern auch die Gäste.

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