Haldensleben (il). Anlässlich des 66. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus hat die Linke gestern in Haldensleben der Opfer von Faschismus und Krieg gedacht. Am Mahnmal der Opfer des Faschismus am Alten Friedhof sowie am Ehrenfriedhof der Sowjetsoldaten legten die Börde-Linken Gebinde nieder und gedachten der Opfer. Stadtratsvorsitzender und Linken-Landtagsabgeordneter Guido Henke erinnerte in seinen Worten nicht nur an die Toten der KZ-Todesmärsche durch den ehemaligen Landkreis, sondern ging auch auf aktuelle Themen und Probleme ein. So kritisierte er unter anderem, dass es keine öffentliche Reflexion gebe. An einem Tag wie dem gestrigen gebe es keine öffentliche Gedenkkultur. Auch das bürgerschaftliche Gedenken sei nicht da. Dies zeigte sich auch daran, dass die Genossen weitgehend unter sich blieben. "Wir müssen uns gegen das Abstumpfen im Gedenken wehren", sagte Guido Henke und wollte wissen: "Wie kommt die jüngere Generation mit diesem Tag in Berührung?". Zwar würden sich Jugendliche am Mahnmal treffen, aber ob sie auch wüssten, was es damit auf sich hat, ob sie sich damit auseinandersetzen würden, das sei fraglich.

Guido Henke warf zudem die drängende Frage auf, wie es sein könne, dass in einer Stadt wie Haldensleben, der es vergleichsweise sehr gut gehe, die Neonazis bei der jüngsten Landtagswahl so viele Stimmen bekommen konnten. Hier klaffe Realität und Empfinden offenbar auseinander. Und dennoch gebe es keine Auseinandersetzung mit diesem Problem.

Ein weiterer Punkt, den Guido Henke gestern ansprach, war ebenso aktuell: Nach der Befreiung vom Faschismus hatte die Welt Lehren gezogen, sich Regularien auferlegt. Doch diese Lehren schienen angesichts des Krieges in Libyen und der gezielten Tötung von Osama bin Laden in Vergessenheit geraten zu sein. "Mit welcher Legitimation kann ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika einen Einsatz in einem fremden Land durchführen? Wer hat die Lizenz zum Töten? Niemand!", sagte Henke. "1945 waren die Menschen offensichtlich klüger. Jetzt fallen wir in vorzeitliches Denken zurück. Das darf man nicht hinnehmen", warnte Henke.