Die Schwangerschaftsberatungsstelle Haldensleben der Arbeiterwohlfahrt (AWO) feiert ihr 20-jähriges Bestehen, ist quasi erwachsen geworden. Doch die drei Frauen, die dort als Beraterinnen arbeiten, kümmern sich nicht um die Mitte, sondern um den Anfang des Lebens: nämlich die Geburt und die Zeit davor.

Haldensleben. Eigentlich könnten Heimtraut Bergmann und ihre Mitarbeiterinnen jeden Monat Geburtstag feiern. Schließlich haben sie täglich mit Schwangeren zu tun, die sich auf der Suche nach Rat und Hilfe an die Beraterinnen der Arbeiterwohlfahrt wenden. Und das mittlerweile seit 20 Jahren am Standort Haldensleben. Dass man dort zu einer festen Größe geworden ist, zeigte die große Schar an Gästen, die zum Gratulieren gekommen waren. Darunter Vertreter von Stadt und Landkreis, der AWO, des Sana Ohre-Klinikums und Gynäkologen.

Angefangen hat alles im Januar 1991, als Gesundheitsfürsorgerin Heimtraut Bergmann im Gesundheitsamt Haldensleben eine Schwangerschaftsberatung aufbaute. Und das anfänglich in kommunaler Trägerschaft. Schon damals suchte man den engen Kontakt zu niedergelassenen Gynäkologen und den zuständigen Ämtern. "Ohne ein großes Netzwerk und zuverlässige Partner könnten wir nicht arbeiten", so die Beratungsstellenleiterin. Drei Monate nach Gründung wurde die Beratungsstelle vom Ministerium für Soziales und Gesundheit anerkannt - und auch finanziell gefördert.

Die Bandbreite der Fragen, mit denen Schwangere zu den Beraterinnen kommen, ist vielfältig. Ob es um die Hilfe bei der Beantragung von finanzieller Unterstützung der Erstaus- stattung geht, es Konflikte gibt, weil der Nachwuchs ungewollt ist, oder ob es "nur" um das richtige Verhalten in den neun Monaten geht: "Wir sind vor, während und nach der Schwangerschaft die zentrale Anlaufstelle für werdende und gewordene Mütter", erklärte Yvette Veckenstedt.

Die Leiterin der Magdeburger Schwangerschaftsberatungsstelle erklärte bei der Feier des 20-jährigen Bestehens, welche wichtige Rolle das Beratungsangebot im Rahmen der so genannten "frühen Hilfen" hat.

Dabei geht es vor allem darum, Kindeswohlgefährdung schon im Vorfeld auszuschließen und den Müttern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Denn eine Schwangerschaft löst nicht immer nur Freude aus. Solch ein neuer Lebensabschnitt könne Mütter und Väter auch überfordern. Nicht immer nur sind es laut Yvette Veckenstedt Frauen aus bildungsfernen Schichten, die Hilfe brauchen und Beratung suchen. "Wir erreichen Frauen aus allen sozialen Schichten." Auch Akademikerinnen würden zur Beratung kommen, zum Beispiel, weil sie hohen Leistungsdruck durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie empfänden.

Die hohe fachliche Kompetenz durch die langjährige Erfahrung der Mitarbeiterinnen, deren gute Vernetzung und vor allem die Schweigepflicht seien Argumente, die werdende Mütter überzeugen, in die Schützenstraße 48 zu kommen. Dort, im Nebengebäude des früheren Ministeriums für Staatssicherheit, sitzt die Schwangerenberatung schon seit fast genau zehn Jahren. Nachdem man 1996 von der AWO in Trägerschaft übernommen worden war, zog die Beratungsstelle erst in die Magdeburger Straße und später an ihren jetzigen Standort. Seit Januar 2005 gibt es auch eine Außenstelle in der Wolmirstedter Kindertagesstätte "Pusteblume".

Denn der Beratungsbedarf sei nach wie vor hoch. Auch das Kursangebot mit Babymassage, Fitness- und Spielgruppe würde sehr gut angenommen. Passend dazu hatte Bürgermeister Norbert Eichler sein Geschenk abgestimmt. Er erschien zum Jubiläum mit ein paar Krabbelrollen als Geschenk.