Die Zensuren miserabel, das Konto mit Fehltagen voll - es gibt Schüler, für die ist der Abschluss aus verschiedensten Gründen in weite Ferne gerückt. Seit 2008 gibt es an der Wolmirstedter Leibniz-Sekundarschule mit dem "Produktiven Lernen" ein Modell, das diese Jugendlichen auf den richtigen Weg zum Schulabschluss zurück holt - und sie bis dorthin begleitet.

Haldensleben/Wolmirstedt. Gerade hat Chris Müller unter dem wachsamen Blick seines Chefs die Bereifung des Hinterrades erneuert. Nun darf der 15-Jährige dieses auch wieder ans Fahrrad montieren. Helge Danker, Inhaber eines Fahrradgeschäftes in der Haldensleber Innenstadt, ist von dem Geschick seines Schützlings angetan. Und auch Chris hat Spaß an der praktischen Arbeit.

Genau so, wie es Chris Müller und Helge Danker in der Praxis leben, ist die theoretische Idealvorstellung hinter dem Schulmodell des "Produktiven Lernens" (PL). Seit 2008 bietet die Leibniz-Sekundarschule in Wolmirstedt an, als "Problemschüler" verschrieene Jugendliche in zwei Jahren zu einem Abschluss zu führen. Das Bestehen der Hauptschulprüfung ist das Minimal-, die mittlere Reife an der Realschule das Normalziel und ein Lehrstellenvertrag das Optimum, das immer wieder erreicht wird.

Die Ausbildung in dieser Spezialklasse teilt sich auf zwei Lernorte - die Schule und selbstgewählte Praxisbetriebe. Statt Schuljahren gibt es Trimester, anstelle von Noten wird mit Punkten bewertet. Und das Modell birgt Erfolge. "Im vergangenen Jahr hatten wir 14 Schüler, 6 davon haben den Hauptschulabschluss, 7 sogar den erweiterten Hauptschulabschluss geschafft. Davon sind 2 im Anschluss zur Realschule weiter gegangen", bilanziert Michael Bergmeier, einer der vier für das Projekt zuständigen Pädagogen. Er freut sich besonders, dass vier der Schüler eine Lehrstelle gefunden haben.

Die Betriebe für den praktischen Teil der Ausbildung suchen sich die Schüler selber. Seit vergangenem Jahr ist auch Bernhard Hieber mit dabei. Der Inhaber der gleichnamigen Hard- und Softwarefirma bildet schon seit Jahren Lehrlinge zum Fachinformatiker für Systemintegration aus. Dass er jetzt einen Praktikanten beschäftigt, den er vielleicht nur aufgrund von Zeugnissen nicht genommen hätte, sieht Hieber "als mein Sozialprojekt. Ich bin von der Idee begeistert, dass man Schüler wieder an den normalen Bildungsweg heranführt. Das ist ja auch die Chance auf einen Neuanfang für den Jugendlichen, wenn er das denn auch will", nennt Hieber seine Beweggründe, sich als Praktikumsbetrieb zur Verfügung zu stellen.

Beide Lernorte sind eng verzahnt, um eine gute Ausbildung zu garantieren. Die Firmen stellen Mentoren, die den Schüler nicht nur betreuen und anleiten, sondern diesen auch bewerten. Ziel der Schüler sollte natürlich nicht nur sein, ein spannendes Praktikum zu absolvieren. "Wenn sie da einschlagen wie eine Bombe, ist das auch ein guter Ansatzpunkt, dass es am Ende vielleicht zum Abschluss eines Ausbildungsvertrages kommt", nennt Pädagoge Bergmeier den Optimalfall.

Weil die Leibniz-Schule als einzige im Landkreis das "Produktive Lernen" anbietet, kommen die Teilnehmer sowohl aus dem alten Nord- sowie aus dem früheren Südkreis. Mit dem neuen Schuljahr beginnt auch Ende August dieses Jahres wieder eine neue Gruppe von Schülern mit der zweijährigen Lehrzeit.

Deren Eltern können sich morgen Abend, genau wie die Jugendlichen selbst, vor Ort in Wolmirstedt über die Inhalte dieser Ausbildung informieren. Um 19 Uhr beginnt an der Leibniz-Sekundarschule in der Wolmirstedter Gipfelstraße ein Informationsabend für alle Interessierten.

Wer zu diesem Termin nicht erscheinen kann, hat auch die Möglichkeit, weitere Informationen unter den Telefonnummern (039201)29206 (Schulsekretariat) oder (0160) 8045274 (Michael Bergmeier) einholen.

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