Ein Kamerateam vom Zweiten Deutschen Fernsehen dreht seit gestern in Haldensleben. In der Sendung "Kulturzeit" soll die Kreisstadt als positives Beispiel dafür stehen, wie man in einer Kleinstadt trotz geringer Bevölkerungszahlen ein umfassendes Kulturangebot auf die Beine stellen kann.

Haldensleben. Der Stolz auf "seine" Stadt war Norbert Eichler gestern anzumerken. Nachdem ihn das ZDF-Team für die Dreharbeiten mit einem Mikrofon ausgestattet hatte, konnte der Bürgermeister vor laufender Kamera ins Schwärmen geraten. Redakteurin Katja Eichhorn wollte von dem Stadtoberhaupt wissen, wie man es schafft, in einer Kleinstadt ein umfangreiches Kulturangebot auf die Beine zu stellen. "Wir wollen in der Sendung ¿Kulturzeit\' auf 3sat thematisieren, wie Kultur in der Kleinstadt agiert. Und die Stadt Haldensleben wurde uns vom Deutschen Kulturrat als Positivbeispiel empfohlen. Deshalb sind wir jetzt hier", erklärte die Journalistin den Anlass der zweitägigen Dreharbeiten.

Die fanden nicht nur auf dem Marktplatz statt, wo man das Interview mit Eichler aufzeichnete, sondern eben auch an den Kulturstätten selbst. "Wir fahren auch noch nach Hundbisburg zum Schloss, in die Kulturfabrik, zu Georgs Hof und ins Jugendfreizeitzentrum ¿Der Club\' in der Hafenstraße", zählte Katja Eichhorn ihre Stationen auf. Bei diesen Stationen wird auch deutlich, dass Kultur in Haldensleben nicht nur Sache der Kommune ist, sondern auch von Vereinen und privaten Trägern.

Im Gespräch mit der Fernsehjournalistin erklärte Eichler, dass er es nicht nur im Bereich Kultur mit Bertold Brecht halte: "Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein!" Nein, man müsse ihn eben auch unterhalten - und das hat man in Haldensleben erkannt. "Dass man an der Kultur spart, ist ein klassisches deutsches Phänomen", erklärte der Bürgermeister gestern gegenüber der Volksstimme. Er selbst habe sich bei Haldenslebens polnischer Partnerstadt etwas abgeschaut. "Die hatten es viel schwerer mit der Wende. Bei uns gab es einen zweiten deutschen Staat - in Polen mussten sie es aus eigener Kraft schaffen. Doch egal, wie groß die finanziellen Nöte waren, nie hätte man dort daran gedacht, zum Beispiel das Kulturhaus zu schließen", so Eichler. "Und da hab ich mir gedacht: Was die können, müssten wir doch auch schaffen."

Nicht immer sei es für das Stadtoberhaupt leicht gewesen, diese Gedanken auch den politischen Gremien zu vermitteln. Im Zuge der Beratung des Haushaltes für 2011 wurden auch die Ausgaben für das Schloss thematisiert und kritisch hinterfragt. Dabei sei das Schloss ein Alleinstellungsmerkmal, das man fördern und nutzen sollte.

Denn Kultur ist nach Meinung Eichlers eben auch ein wichtiger (weicher) Standortfaktor für Investoren. "Manche Unternehmer mussten merken, dass man Menschen nicht einfach so umsiedeln kann." Männer könne man zwar oft mit mehr Geld oder Aufstiegschancen locken, aber zu den Männern gehören auch oft Frauen und Kinder. Und die würde man eben auch durch ein breites Angebot von Kultur und Sport begeistern.

Als eine der tollen Errungenschaften der Stadt nannte Eichler das Turmtheater. "Ich war immer neidisch auf Zielitz mit dem Holzhaustheater, sowas hatten wir als viel größere Gemeinde nicht." Nun, wo die Laienspielgruppe existiert, würden deren Auftritte aber auch sehr gut angenommen.

Wann Haldensleben im Fernsehen zu sehen ist, stand gestern noch nicht genau fest, wird aber noch bekanntgegeben.