Schon 2006 starteten Erzieherinnen der Etinger Kindertagesstätte im Rahmen eines ländlichen Erlebniskindergartens das Projekt "Kind und Pferd". Die Mädchen und Jungen der Kita "Mühlenstrolche" erleben das Pferd als Wesen, das fühlt und empfindet, mit dem sie kommunizieren können, zu dem sich eine tiefe Freundschaft aufbauen kann.

Etingen. Am Dienstagnachmittag zeigten die "Strolche" beim fünften Schaureiten ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern, was sie im Umgang mit den großen Tieren gelernt haben.

"Ich möchte auf Lilly reiten. Nein, Angst habe ich nicht", sagte die zweijährige Melina Schlee und zeigte auf die brave Stute. "Ich möchte auch reiten, ich auch ...", riefen die Kinder durcheinander. Doch bevor die Knirpse nacheinander auf dem Pferderücken sitzen durften, gab es noch viel zu tun. Katja Kapps, Erzieherin des Kindereinrichtung, und Sari Schulz, die Mutter von Louis, wiederholten mit den Kleinen immer wieder die Regeln, die es unbedingt zu beachten gilt. Auch der vierjährige Paul Rühe kennt keine Angst vor großen Tieren, denn alle zwei Wochen sitzt auch er beim Training im Sattel.

Mit fachlicher Unterstützung von Katja Kapps und Sari Schulz, die auch in ihrer Freizeit Kinder in Voltigiergruppen im Etinger Reitverein trainieren, nahmen auch schon die Jüngsten erste Kontakte zu den Pferden auf. "Die Kinder sollen in der ersten Phase ein Bewusstsein für das Tier als Lebewesen entwickeln. Wir wollen Berührungsängste zu den doch sehr großen Tieren abbauen und so das Selbstbewusstsein der Kinder fördern", erklärte Katja Kapps.

"Wir haben die Kinder beim Training in altersgemischte Gruppen aufgeteilt. Ziel ist es in der zweiten Phase, dass die Kinder, die älter als drei Jahre sind, körperliche Kontakte mit dem Voltigierpferd und dann erste Reitversuche starten", sagte Kita-Leiterin Helga Vogel und ergänzte: "Das Durchlaufen in den einzelnen Phasen ist vom Entwicklungsstand des Kindes, dem Verstehen und dem Befolgen von Regeln und Anweisungen abhängig."

Obwohl Hanna Bayerke noch nicht ganz drei Lenze zählt, darf sie schon auf Lillys Rücken. Freihändig - das hat sie sich von den älteren Kindern abgeguckt - drehte sie eine Runde zum Erstaunen des Publikums.

Alle tragen gemeinsam Verantwortung für die Pferde. Auch untereinander, zwischen den "Pferdekids", festigen sich die Freundschaften. Es gilt auch, füreinander Verantwortung zu tragen, aufeinander zu achten, einander zu helfen und voneinander zu lernen. "Damit wird das soziales Taktgefühl gefördert", weiß Katja Kapps. "Nein, Pferdemist an den Schuhen, das ist nicht schlimm. Die Kinder haben ja extra Gummistiefel an", sagte Nicole Hermann, die Mutter von Julius und Amelie.

"Es ist herrlich zu erleben, wie die Kinder Vertrauen zum Pferd aufgebaut haben. Außerdem werden im Umgang mit Tieren die Konzentration, die gesunde Intuition und das soziale Taktgefühl gefördert", betonte die Leiterin und bedankte sich bei Hans-Günter Kapps, dem Vorsitzender des Etinger Reitvereins, der den Kindern Pferd und Halle zur Verfügung stellt. Auch andere tierische Begegnungen, wie zum Beispiel die Besuche in der Naturparkverwaltung Drömling und in der Kälberzucht der Agrargenossenschaft Etingen, sind inzwischen fester Bestand des Angebotes der Kita geworden. Außerdem wohnen auch Meerschweinchen auf dem Gelände der Kindereinrichtung.