Eine in der Welt einmalige Raubtiervorführung ist seit gestern beim Gastspiel des "Circus William" in Irxleben zu sehen. Zwei weiße Löwen und zwei weiße Tiger in einer Dressur - das ist nirgends sonst zu erleben.

Irxleben. Seit 1889, in siebenter Generation, führt die in Müncheberg (Brandenburg) ansässige Familie Wille ihren Zirkus. Die vier Brüder Manuel, Markus, Manolito und Roberto sowie Schwester Maria halten zusammen wie Pech und Schwefel, sind Zirkusleute mit Leib und Seele. Unumstrittene Hauptattraktion ist die Raubkatzendressur von Manuel Wille. Schon als kleiner Junge hat er Vater Heinz Wille bei der Tierdressur zugeschaut. Bis heute hält seine Leidenschaft für Raubkatzen an. "Mich fasziniert ihre Stärke und ihre angeborene Aggressivität, besonders bei den Löwen, die ja in freier Natur als Rudelführer immer Stärke demonstrieren. Das gilt ,es zu bändigen - ohne Gewalt. Es zu schaffen, ein solches Kraftpaket auch lieb in den Arm nehmen zu können, das ist unvergleichlich", berichtete der junge Mann mit den muskelbepackten Oberarmen und dem sanften Blick. Seine beiden weißen Löwen, das Männchen Sambesi und die Löwin Naomi, hat er aus Amerika geholt. Zusammen mit dem weißen Tigerpärchen Bombay und Sabo und vier anderen Löwen und sibirischen Tigern stellen sie eine einzigartige Mischung in der Zirkuswelt dar. "Nur der Zirkus Krone hat auch weiße Löwen, aber keine weißen Tiger", erzählt der "Vater" der acht Raubkatzen. Die meisten seiner Schützlinge hat er schon von Kindesbeinen an dressiert. "Junge Raubkatzen brauchen nur ein Drittel der Zeit für die Grundausbildung im Vergleich zu älteren Tieren, die etwa aus einem anderen Zirkus oder einem Zoo kommen."

Anderthalb Jahre emsige Arbeit sind nötig, um einem Löwen die wichtigsten Dinge für eine Vorführung beizubringen. Und es gibt wieder Neues zu erlenen und zu trainieren. Jungtiere lernen am besten mit Belohnung, natürlich mit Fleisch. Eine Peitsche hat Manuel Löwe zwar auch mal in der Hand. "Die ist aber nicht zum Schlagen, sondern ist Distanzhalter und eine Art Taktstock bei der Dressur. Die Zeiten, in denen Raubkatzendressuren etwas von aggressiven Gladiatorenkämpfen hatten, sind längst vorbei. So etwas will heute keiner sehen. Die Besucher wollen eher erleben, dass solch ein mächtiges Tier auch ganz zärtlich sein kann." Wie zärtlich, das zeigte gestern der Dompteur bei einem Gang in das großzügige Freiluftgehege der Raubkatzen. Mit einem saftigen Stück Fleisch ließ sich Sambesi animieren, die Männe kämmen zu lassen und kuschelte mit seinem Ziehvater ausgiebig. Löwengattin Naomi streckte sich im Gras nieder und ließ sich von Manuel Wille den Bauch heftig kraulen.

Neben den Raubkatzen erwartet die Besucher des Circus William eine erlesene Auswahl an Darbietungen: Artisten rauschen mit dem US-Todesrad durch die Manege. Der tschechische Gastclown Antonio ulkt mit dem Wiliams-Hausclown Charlie herum. Pferdressuren mit Arabern, Friesen und Dalmatiner-Ponys, ein Fakir mit Schlangen und Schildkröten, eine Westernshow, Hochseilakrobatik und eine exotische Tierdressur mit Kamelen, Lamas, Zebras und Antilopen versprechen Einiges. Vogelspinnen, Riesenschlangen und mächtige Echsen ergänzen das Programm.

Täglich von 10 bis 12 Uhr öffnet die Tierschau. Wohltuend sind die weiträumigen sauberen Gehege. "Wenn ich ein Restaurant betrete, will ich auch ein gutes Gefühl haben, und das haben wir und die Besucher immer", verspricht Wille.