Die Köhlertradition in der Colbitz-Letzlinger Heide feierten am Sonnabend hunderte Gäste im Dollenser Wald. Im Jahre 2004 hatte die Gemeinde gemeinsam mit dem Bundesforstamt Dolle und Hobbyköhler Klaus Benze das jahrhundertealte Handwerk der Köhlerei wieder belebt.

Dolle. Nach mehr als 40-jähriger Unterbrechung schwelen seither die Meiler wieder im Heidewald - in Dolle zumindest einmal im Jahr, wenn das Köhlerfest vor der Tür steht. Jedes Jahr wird der Zuspruch größer. In diesem Jahr ließ es sich selbst Innenminister Holger Stahlknecht nicht nehmen, einmal vorbeizuschauen.

In einer Woche wird die Holzkohle verkauft

Bürgermeister Sigurd Heimann hatte Stahlknecht eingeladen, und wenn der Wald ruft, ist der passionierte Jäger gern mit von Partie. Kurz vor dem Entzünden des Meilers mit heißer Glut frotzelte Stahlknecht: "Dass es unter einem heiß wird und man bei einem falschen Schritt abstürzen kann, kenne ich aus der Politik."

Am Sonnabend umrahmten die Angeraner Blasmusikanten unter Leitung von Fritz Bindemann die feierliche Zeremonie. Jagdhornbläser spielten am Meiler auf, bevor Heidekönigin Josephine I. mit den Ehrengästen den Meiler bestieg. Hoch oben entzündete Köhler Klaus Benze die 25 Raummeter Holz im Inneren des Meilers. Günter Knüppel vom Bundesforstamt erinnerte Bürgermeister Sigurd Heimann daran, dass er nun eine Woche lang für das Wohl der Köhler sorge müsse und die Verantwortung für den Meiler trage.

Erfüllt Heimann seine Aufgabe, wird am kommenden Sonnabend ab 12 Uhr die Holzkohle verkauft. In Zehn-Kilo-Säcken abgepackt, wird die handgemachte Ware dann an die Grillmeister gebracht.

Bis 1962 war Klaus Benzes Vater Reinhold der letzte Köhler in Dolle gewesen. Bis zu acht Benzsche Meiler versorgten damals vorrangig Gießereien und Industriebetriebe. Klaus Benze hat die Familien-tradition nie losgelassen.

Nach dem ersten Meiler in den Wäldern bei Letzlingen im Juni 2004 hatte das Bundesforstamt Letzlinger Heide auch in Dolle mit der Wiederbelebung der traditionellen Holzkohleherstellung in Dolle begonnen. Aus Buchenholz der benachbarten Bundesforstflächen baut Benze jedes Jahr den Meiler auf. Acht Tage lang wird er gemeinsam mit seinem Helfer Wolfgang Nielebock aus Letzlingen den Schwelprozess beobachten und die dazu notwenigen Begleitarbeiten durchführen. Das Innere des Meilers wird dabei bis zu 380 Grad heiß. Interessierte Besucher können gern in der kommenden Woche den beiden Köhlern über die Schulter schauen. Über mangelnde Nachfrage brauchten sich die Meister der Holzkohle in den vergangenen Jahren nicht zu beschweren.