Auf das Wetter des gesamten Jahres 2010 blickt unser Schönhauser Wetterbeobachter Franz Böttcher aus Schönhausen zurück.

Schönhausen. Für uns begann das Jahr mit viel Schnee und brachte vom 30. Dezember 2009 bis zum 26. Februar 2010 eine geschlossene Schneedecke. Unter den Rehbeständen sind zahlreiche kranke und schwache Tiere infolge der natürlichen Selektion verendet. Und fast die gesamte Population der Schleiereulen wurde in unserer Region ein Opfer dieses Schneewinters. Eine Bauernregel sagt: "Wächst das Gras im Januar, wächst es schlecht das ganze Jahr." Doch der Januar brachte uns langanhaltende Kälte mit 27 Eistagen, an denen auch die Tageswerte unter null Grad geblieben sind. Mit 17 Grad Frost hatten wir am 26. Januar nicht nur die tiefsten Temperaturen des Monats, sondern auch den kältesten Tag des Jahres. Die Niederschlagsmenge kam im Januar auf 31 Liter pro Quadratmeter und ist ausschließlich als Schnee gefallen. Die Elbe hatte leichtes Treibeis und am 31. Januar einen Wasserstand von 2,96 Meter.

"Februar mit Sonnenschein und Vogelsang macht dem Bauern Angst und Bang", besagt eine weitere Regel. Mit dem Februar ging auch die längste Dauerfrost- und Schneeperiode, die wir seit Jahren hatten, zu Ende. Insgesamt fielen 25 Millimeter Niederschlag, überwiegend als Schnee. Es gab 23 Frostnächte und 13 Eistage mit Dauerfrost, wobei wir am Morgen des 17. Februar mit zehn Grad minus die kälteste Nacht des Monats hatten. Die Elbe ist angestiegen und hatte am 28. Februar einen Wasserstand von 4,26 Meter.

"Ein feuchter März ist des Bauern Schmerz." Im März gab es noch zehn Frostnächte und mit neun Grad minus war es am Morgen des 9. März am kältesten. Die wärmsten Tage mit 23 Grad plus hatten wir am 25. und 26. März und die Niederschlagsmenge kam auf 24 Millimeter. Aufgrund des langen Schneewinters waren die Äcker zum Teil noch nass und die Befahrbarkeit begrenzt. Skeptiker prophezeiten hinsichtlich der lange geschlossenen Schneedecke und der damit verkürzten Vegetationstage schlechtere Ernteerträge, womit sie auch nicht ganz falsch lagen. Die Elbe ist im März das zweite Mal über die Ufer getreten und hatte am 31. März einen Stand von 5,33 Meter.

"Heller Mondschein im April gibt beim Wein und Obst nicht viel", ist für den April 2010 voll zutreffend. Trotz sehr vieler Sonnentage lagen die Tagestemperaturen niedrig, was zur Folge hatte, dass es bei uns kaum Äpfel noch Birnen gab. Nur zweimal hatten wir leichten Nachtfrost. Am kältesten war es mit minus zwei Grad am Morgen des 2. April, während es am 28. April mit 24 Grad plus am wärmsten war. Es fielen nur drei Millimeter Niederschlag, doch aufgrund der langen Winterfeuchtigkeit konnte diese Trockenperiode von den Herbstsaaten gerade noch ohne größere Schäden überstanden werden. Die Elbe floss wieder normal und hatte am 30. April einen Wasserstand von 3,03 Meter.

"Regen im Mai bringt Wohlstand und Heu." Doch der Mai 2010 war kühl und verregnet. Die Tageswerte lagen nur zwischen 7 und 22 Grad, die tiefsten Nachttemperaturen gab es am 5. Mai mit null Grad. Die Niederschlagsmenge kam auf 126 Liter, was zur Folge hatte, dass die Befahrbarkeit der Grünlandflächen nicht überall gegeben war, was das Einbringen des Grases zum Silieren stark erschwerte. Die Elbe hatte am 30. Mai einen Wasserstand von 3,78 Meter.

"Wie soll der Juni sein? Schön warm mit Regen und Sonnenschein." Wir hatten zwar die Wärme, die Niederschläge waren aber nur auf das erste Drittel verteilt und erreichten im Juni eine Gesamtmenge von 32 Litern. Noch wuchs eine gute Ernte heran, doch der Mais hat stark unter der kalten Witterung im Frühjahr gelitten und musste noch viel aufholen. Eine Trockenperiode mit viel Sonne ab dem 12. Juni schloss sich an und ließ die Ertragseinschätzungen der Ernte ein wenig zurückgehen. Mit 32 Grad war der 29. Juni der wärmste Tag des Monats. Die Elbe hatte am 30. Juni einen Wasserstand von 2,80 Meter, während sie am Anfang des Monats mit 5,12 Meter viele Flächen unter Wasser setzte.

(2. Teil am Montag)