Ein großes Plakat mit dem Hinweis, dass Bürgermeister Bodo Ladwig "60" wird, flatterte am 30. Dezember am Zaun seines Grundstückes an der B107 in Fischbeck. Angebracht hatte es Kai-Uwe Manzke - ein Freund, den Bodo Ladwig gewonnen hat.

Fischbeck l Großen Wirbel um seinen 60. Geburtstag wollte Bodo Ladwig nicht machen. Doch letztlich kam er nicht umhin, ein paar Hände mehr als üblich zu schütteln. Denn im zurückliegenden halben Jahr ist sein Bekanntheitsgrad und der seines Wohnortes Fischbeck deutlich gestiegen - wohl fast jeder weiß, dass am 10. Juni in dem kleinen Elbedorf der Deich gebrochen ist. Hinter dem Bürgermeister liegen nervenaufreibende, arbeitsreiche Wochen, in denen er mehrfach an seine Belastungsgrenze gestoßen ist. Und es wird nicht einfacher - im Gegenteil: Der Wiederaufbau auch auf kommunaler Ebene beginnt jetzt. Doch Bodo Ladwigs Wegbegleiter wissen: "Auch das wird er meistern", erklärt Klaus Wittmüß. Er ist Mitglied im Rat der Gemeinde Wust-Fischbeck und stand dem Bürgermeister während der gesamten Zeit der Flut zusammen mit weiteren Fischbeckern eng zur Seite. "Bodo hat unheimlich viel Nervenstärke bewiesen! Mit Verbündeten an seiner Seite ist es dem örtlichen Katastrophenstab gelungen, nach und nach Ordnung herzustellen. Bodo hat immer einen kühlen Kopf behalten und nie die Nerven verloren, auch wenn man ihm das hätte nicht verdenken können. Selbst wenn wir tagten, hat alle zwei Minuten sein Telefon geklingelt. Eine Vorbereitung auf die mögliche Katastrophe seitens des Landkreises hat es nicht gegeben, wir waren auf uns allein gestellt und mussten nach bestem Wissen und Gewissen handeln."

Diesem Lob schließt sich auch Wehrleiter André Köppe an. "Wir wussten und wissen auch für die Zukunft: Bodo holt das Beste heraus! Er hat stets ein offenes Ohr, auch wenn er selbst ja zu den stark Geschädigten gehört und auch seiner Arbeit nachgehen muss."

Mit dem Ballon die Elbe entlang

Zu Bodo Ladwigs positiven Erfahrungen während der Flut gehörte das Kennenlernen von Helfer Kai-Uwe Manzke, den er als seine rechte Hand bezeichnete und der etliche Wochen als Koordinator vor Ort war. Auch wenn der Brandenburger nun wieder zu Hause ist, reißt der Kontakt zu Fischbeck nicht ab und beide wollen die gewonnene Freundschaft nicht missen.

Zu den besonderen Geschenken, die es zum Jubiläum gab, gehört ein Ballonflug. Im Sommer, wenn die Elbwiesen grün sind, wird Bodo Ladwig zusammen mit Familienmitgliedern in Fischbeck starten, "der Wind treibt uns hoffentlich die Elbe entlang". Da ihm nach den arbeitsreichen Monaten alle Gratulanten wieder mehr Zeit für sich selbst wünschen, gab es auch entsprechende Geschenke. Seine drei Schwestern schenkten Bodo Ladwig und seiner Frau einen Urlaub im großen Familienkreis. Noch im Januar gibt es ein paar Tage Auszeit. Denn dann muss der Bürgermeister vor Ort sein, wenn die Sanierungen der kommunalen Gebäude beginnen. Mit dem Entkernen des Dorfgemeinschaftshauses inklusive Feuerwehr-Gerätehaus in Kabelitz durch eine Schönhauser Baufirma geht es bereits am Dienstag kommender Woche los.