Die Elbeflut kostete zahlreiche Wildtiere das Leben. Im Volksstimme-Gespräch hatte sich Kreisjägermeister Günter Scheffler im Juli besorgt über das Reh- und das Niederwild geäußert. Wie es jetzt ein halbes Jahr später aussieht, wollte Anke Schleusner-Reinfeldt von dem Scharlibber wissen.

Volksstimme: Als das Wasser im Sommer zurückgegangen war, schätzten Sie, dass etwa 80 Prozent des Rehwildes auf den Überflutungsflächen verendet ist. Bestätigte sich diese Vermutung?

Günter Scheffler:Ja, leider, es bleibt bei diesen Zahlen. Im Wald ist das Rehwild nach wie vor da, aber eben nicht mehr auf der Freifläche. Das Wasser kam zu schnell und meist von mehreren Seiten, so dass sich die Rehe, zumeist mit Nachwuchs, nicht retten konnten.

Volksstimme: Hat sich der Bestand inzwischen etwas erholt?

Scheffler: Das wird er hoffentlich im Mai/Juni, wenn die Ricken Nachwuchs kriegen. Ich hoffe, dass es zahlreiche Zwillingsgeburten geben wird - denn die Natur gleicht vieles aus. Dennoch wird es drei bis vier Jahre dauern, bis wir wieder den ursprünglichen Zustand haben. Beim Niederwild, wie den Hasen oder Fasanen,die auch im großen Umfang verendet sind, geht es nicht so schnell.

Volksstimme: Wird wieder gejagt?

Scheffler: Rehwild im Flutgebiet nach wie vor nicht, auch im kommenden Jahr wohl nicht, vor allem bei weiblichem Rehwild ist größte Zurückhaltung geboten. Im Wald haben einige Jagden stattgefunden, aber auch nur mit mäßigem Erfolg, so dass es für die Jäger kein gutes Jahr war.

Volksstimme: Kann man den Verlust in Zahlen ausdrücken?

Scheffler: Ein Reh wiegt durchschnittlich 13 Kilo, rund vier Euro bekommt man für den Verkauf. Meine Pächtergemeinschaft Klietz/Scharlibbe beispielsweise schießt laut Plan 60 Stück pro Jagdjahr. Jetzt waren es nur acht, macht also einen Verlust von über 2000 Euro allein bei uns aus.

Volksstimme: Wann ziehen Sie konkrete Bilanz?

Scheffler: Ende Januar beginnt die Schonzeit bei Wild, lediglich Wildschweine dürfen noch bejagt werden. Die Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Havelberg findet am 29. März in Klietz statt. Integriert bleibt die traditionelle Trophäenschau der Hegeringe, weil das im Wald lebende Rot- und Muffelwild ja kaum betroffen war.