Ein mit keinem anderen Jahr vergleichbares 2013 liegt hinter den Gemeinden im Elbe-Havel-Land. Die Bürgermeister blicken im Gespräch mit Anke Schleusner-Reinfeldt zurück auf die letzten zwölf Monate und reden über die Pläne für das neue Jahr. Heute: Jürgen Masch aus Klietz.

Volksstimme: Sie hatten sich im letzten Jahr beim Sturz auf schneeglattem Weg den Fuß mehrfach gebrochen und waren gesundheitlich eingeschränkt. Wie geht es Ihnen?

Jürgen Masch: Besser, aber zufrieden bin ich nicht. Ich habe immer noch Schmerzen im Fuß und muss alle drei Wochen ins Krankenhaus nach Hannover. Ich soll mir Ruhe gönnen, aber das ist leichter gesagt als getan.

Volksstimme: Selten wird ein Stellvertreter so gefordert wie Eberhard Wienmeister, der Sie in den Wochen der Flut, als Sie im Krankenhaus liegen mussten, vertreten hat. Sie konnten sich jederzeit auf ihn verlassen?

Jürgen Masch: Auf jeden Fall! Im Krankenbett zu liegen und nicht vor Ort sein zu können, fiel mir schwer. Aber ich wusste, dass ein gutes Team vor Ort im Einsatz ist. Telefonisch bin ich immer auf dem Laufenden gehalten worden und ich habe auch selbst Telefonate unter anderem mit dem Krisenstab geführt. Auch die Gemeindesekretärin Juliane Buhk hat in dieser Zeit ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Volksstimme: Wie hat die Gemeinde die Folgen der Flut in Klietz, Scharlibbe und Neuermark-Lübars bewältigt?

Jürgen Masch: Die Spuren sind soweit beseitigt. Am alten Bahnhof sieht es noch wüst aus, aber das ist Privat-Gelände. Am Naturlehrpfad um den See ist auch noch einiges zu tun, aber durch verschiedene Arbeitseinsätze wurde auch schon viel geschafft. Nun warten wir darauf, dass das Geld aus Magdeburg für die Wiederaufbaumaßnahmen fließt.

Volksstimme: Wie sieht es im privaten Bereich aus?

Jürgen Masch: Da ist noch einiges im Argen. Gerade in unmittelbarer Seenähe trocknen die Keller nur schwer. Und in Scharlibbe müssen zwei Ehepaare wohl noch ein paar Wochen im Container wohnen, weil die Sanierung ihrer Häuser nicht wie erhofft voran geht.

Volksstimme: Welche kommunalen Wiederaufbaumaßnahmen werden in diesem Jahr umgesetzt?

Jürgen Masch: Ich hoffe, dass wir die Badestelle bis zur Saison herrichten können, allerdings wird es knapp. Denn es ist einiges zu tun. Unter anderem planen wir den Bau eines Umkleide- und Sanitärgebäudes, eine Ballspielfläche, Liegewiese und auch eine Wasserrutsche. Mit der Spende, die wir für das Schullandheim bekommen haben, soll eine Solaranlage für Warmwasser auf dem Dach installiert werden. So haben wir im Sommer warmes Duschwasser und müssen nicht die Heizanlage hochfahren. Das spart Betriebskosten. Am Naturlehrpfad soll dieses Jahr auch noch einiges passieren. Und dann müssen wir die feuchten Gemeindewohnungen in der Neuermarker Fährstraße sanieren. Mal sehen, ob wir auch schon die Turnhalle, wo der zweite Teil des Sanitärtraktes noch zu erneuern ist, in Angriff nehmen können.

Volksstimme: Das Geld, das die Kommune mühsam für den Ausbau des Radweges nach Neuermark-Lübars bereits 2013 zusammengekratzt hatte, kann nun gespart werden, weil ja auch dieses Vorhaben zu 100 Prozent finanziert wird ...

Jürgen Masch: Ja, auch dieser Bereich hatte unter Wasser gestanden. Den Plattenweg haben wir zwar hergerichtet, aber befriedigend ist der Zustand nicht. Ich hoffe, dass wir gleich im Frühling loslegen können.

Volksstimme: Wie sieht es denn generell mit der finanzielle Lage Ihrer Gemeinde, die ja seit 2011 in Konsolidierung ist, aus?

Jürgen Masch: Wir sind dabei, das Defizit abzubauen und ich bin zuversichtlich, dass wir es wie geplant bis 2019 schaffen.

Volksstimme: Gibt es Pläne außerhalb der Wiederaufbaumaßnahmen nach der Flut?

Jürgen Masch: Da müssen wir erst einmal den Haushalt der Verbandsgemeinde abwarten und dann sehen, wie viel Geld noch zur Verfügung steht. Mit den Flutsanierungen haben wir genug zu tun, so dass wir die Eigenmittel sparen können für 2015.

Volksstimme: Das Heizhaus, das die Schule, den Kindergarten und einen Teil der Neubauwohnungen versorgt, soll zukunftsträchtig modernisiert werden?

Jürgen Masch: Ja. Wir wollen anstatt mit Öl mit Holzhackschnitzeln heizen. Das entlastet auf Dauer die Gemeindekasse und auch die Bürger. Als wir das Heizhaus Anfang der 90-er Jahre auf Öl umgerüstet haben, kostete der Liter 29 Pfennige, inzwischen sind wir bei 90 Cent angekommen.

Volksstimme: Die Seesiedlung hat durch den See, der im Juni über die Ufer getreten war, Schäden erlitten und kann nun eher als erwartet saniert werden?

Jürgen Masch: Wenn das Land unseren Plänen zustimmt, geht es los, vielleicht ja noch dieses Jahr, wohl eher 2015. Das hängt auch vom Wasserverband ab, weil das gesamte alte Abwassernetz neu verlegt werden muss, führt es doch größtenteils über Privatland, was geändert werden muss. Wir als Gemeinde hätten uns den Straßenbau so schnell nicht leisten können, selbst wenn es Fördermittel gegeben hätte. Durch die Flutsanierung haben wir nun gar keine Kosten - vorausgesetzt, das Land stimmt zu.

Volksstimme: Wie sicher fühlen Sie sich hinter dem Deich und was muss für den Hochwasserschutz getan werden?

Jürgen Masch: Die kritischen Stellen sind ja zum Glück erst einmal gesichert. Nun müssen den Worten Taten folgen. Nach dem letzten kritischen Hochwasser 2002 hatte sich ja leider so gut wie nichts getan. Die Deichrückverlegung muss am gesamten Flusslauf erfolgen. Aber die alten Deiche müssen stehenbleiben und nur bei extremem Hochwasser dürfen sie geöffnet werden, damit die Fläche bis zum neuen rückverlegten Deich geflutet werden kann. Denn für die Landwirtschaft werden diese fruchtbaren Äcker und Wiesen gebraucht, sie dürfen nicht ständig unter Wasser stehen, sondern nur im Extremfall.

Volksstimme: Ein zweites großes Thema 2013 war nach dem Deichbruch die Diskussion um die Schulschließungen. Sie ärgert besonders, dass die Scharlibber Kinder nach Sandau sollen?

Jürgen Masch: Und da werde ich auch keine Ruhe geben. Ich verstehe nicht, warum die Sandauer Schule vier Kilometer vor den Toren der Stadt Havelberg unbedingt erhalten

bleiben muss. Die Scharlibber Kinder müssen weiterhin in Klietz unterrichtet werden. Warum die Mehrheit der Ratsmitglieder so entschieden hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich hoffe, dass die Schollener Kinder, die ja ab kommenden Jahr nach Klietz kommen sollen, nicht ins Brandenburgische abwandern.

Volksstimme: Ein zentraler Schulstandort in Klietz ist Ihnen am liebsten?

Jürgen Masch: Natürlich! Denn hier müssen wir nicht mehr investieren, weil Platz da ist. Allerdings hoffe ich, dass die Schülerzahlen stets für zwei Grundschulen im Elbe-Havel-Land reichen und auch die Förderschule in Klietz Bestand hat.

Volksstimme: Die Zahl der Einschüler soll künftig bei mindestens 13 Kindern liegen?

Jürgen Masch: Völlig unverständlich! Da müssen wir noch mehr als bisher um unsere kleinen Schulen bangen. Manche Politiker kann man nur in die Wüste schicken. Was sind den Politikern unsere Kinder überhaupt noch wert? Für die Fledermäuse an der A14 werden 70 Millionen Euro ausgegeben und bei den Kindern wird immer wieder der Rotstift angesetzt, was soll das? Die Kinder haben durch die langen Wege zur Schule oft einen längeren Arbeitstag als Erwachsene.

Volksstimme: Mehrfach haben Sie in Briefen an verschiedene Stellen der Landes- und auch der Bundesregierung Ihren Unmut zu verschiedenen Dingen geäußert. Welche Reaktionen gab es?

Jürgen Masch: Es gab Antworten, die aber nicht zufriedenstellend waren. Ich habe beispielsweise zur Deichrückverlegung, zum Scharlibber Deich, zur Förderung der Schullandheime und zur allgemeinen Situation meine Meinung bekundet und unter anderem an das Umwelt-, Kultus-, Innen-, Arbeits- und Familienministerium beim Land und beim Bund geschrieben, weitere Briefe sind in Arbeit. Eigentlich sollten die Politiker immer ein Ohr am Volk haben, was längst nicht mehr der Fall ist. Jüngstes Beispiel ist auf lokaler Ebene die Entscheidung des Stendaler Kreistages, der sich über den Beschluss des Havelberger Stadtrates zum Schuleinzugsbereich hinweggesetzt hat, um die Sandauer Schule zu erhalten. Ich hoffe, dass das Land dem nicht zustimmt. Sonst brauchen wir hier an der Basis gar nichts mehr zu entscheiden.

Volksstimme: Das alte Ärztehaus wurde zu Ihrer Freude unlängst verkauft. Die neuen Besitzer wollen eine Fahrradpension eröffnen. Welche Chancen geben Sie dem Tourismus im Elbe-Havel-Land?

Jürgen Masch: Der Tourismus sollte nicht allzu hoch eingeschätzt werden, aber er ist für uns ein wichtiger Wirtschaftsraum. Deshalb unterstützen wir solche Initiativen auf jeden Fall, zumal die Zahl der Radtouristen ja zunimmt. Klietz selbst hat mit dem See und dem Naturlehrpfad, der Mühle, dem Heimatmuseum und etlicher anderer Dinge auch jede Menge für Besucher zu bieten und liegt so zentral, dass man von hier aus Ausflüge starten kann.

Volksstimme: Im Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. Was wünschen Sie sich von dem Gremium?

Jürgen Masch: Dass Vertreter aus Klietz, Scharlibbe und Neuermark-Lübars vertreten sind. Leider hört man inzwischen auch von der Verwaltung immer wieder, dass es in keinem anderen Rat so viele Streitereien wie bei uns gibt - schön sind die Stänkereien nicht! Ich wünsche mir, dass die Querelen endlich ein Ende haben. Es geht doch um die Sache und das Wohl der Gemeinde.

Volksstimme: Sind die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die die Gemeinde mit einem Ratsmitglied führt, inzwischen aus der Welt geschafft?

Jürgen Masch: Wir haben alle fünf Prozesse gewonnen. Aber finanziell belastet das schon unseren Haushalt.

Volksstimme: Kann man nach vier Jahren "Ehe" von einem wie mit Scharlibbe gelungenen Zusammenwachsen mit Neuermark-Lübars reden?

Jürgen Masch: Alles braucht seine Zeit. Scharlibbe ist ja schon in den 50-er Jahren zu Klietz gekommen. Hervorzuheben ist die sehr gute Zusammenarbeit mit der Agrargenossenschaft, die ein zuverlässiger Partner der Schule und des Heimatvereins ist. Zu den meisten Bürgern in Neuermark-Lübars habe ich ein gutes Verhältnis und ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit und gegenseitige Akzeptanz im Gemeinderat weiter wächst.

Volksstimme: Bis 2015 sind Sie noch Bürgermeister. Was wollen Sie bis dahin schaffen?

Jürgen Masch: Der Radweg nach Neuermark, an dem wir nun schon so lange planen, soll bis dahin komplett fertig sein. Schön wäre auch, wenn das Heizhaus modern und zukunftsträchtig ist. Und ich wünsche mir, dass der Schuldenberg ein großes Stück abgetragen ist.