Kirchenbaugeschichte, der Heilige Norbert von Xanten und die Gründung des Prämonstratenser Ordens standen im Mittelpunkt der dritten Weiterbildung für Havelberger Stadtführer. Zu Gast war Pater Andreas aus Magdeburg.

Havelberg l Aufgrund des großen Interesses von Stadtführern und weiteren Interessenten begrüßte Ludgar Nagel, Geschäftsführer der Katholischen Erwachsenenbildung, die 30 Teilnehmer dieses Mal im Prignitz-Museum. Gemeinsam mit der evangelischen Erwachsenbildung werden die Seminare angeboten. Kompetenter Gesprächspartner war Andreas Ludwig Struck, Dechant des Dekanates Magdeburg, Pfarrer in Solidum an St. Augustinus/Magdeburg und an der Studentengemeinde St. Augustinus, Pfarrmoderator und Religionslehrer am Nobertus-Gymnasium.

Tradition in Magdeburg

Pater Andreas führte die Teilnehmer durch den Havelberger Dom, wofür er seinen Habit, die weiße Ordenstracht der Prämonstratenser, anzog. Zunächst berichtete er jedoch über seinen Werdegang. 1946 in Duisburg-Hamborn geboren, trat er nach dem Abitur dem Orden bei. 1973 wurde er Kaplan und war für die Jugendarbeit im Prämonstratenserkloster Hamborn tätig. 1984 wurde er Propst und 1996 erhielt er den Auftrag, eine Niederlassung in Magdeburg zu gründen. Der Wechsel von einer großen katholischen Einrichtung mit vielen Glaubensbrüdern und mehreren Millionen Mark, die zu verwalten waren, in eine kleine Pfarrgemeinde, die damals ein Vermögen von 3154 Mark hatte, war eine große Umstellung. Doch er wurde herzlich begrüßt und fühlt sich wohl in seinem Zuhause.

Die Prämonstratenser Chorherren haben in Magdeburg eine alte Tradition. Der Heilige Norbert von Xanten, Gründer des Ordens, war von 1126 bis zu seinem Tod 1134 Erzbischof in Magdeburg und hat im Kloster "Unser Lieben Frauen" eine Prämonstratenserabtei gegründet. Diese hatte rund 450 Jahre Bestand. Von ihr sind im Mittelalter viele Neugründungen ausgegangen. Im Zuge der Umstrukturierungen im Bistum Magdeburg bildet sie mit der "St. Petri"-Gemeinde in der Innenstadt, der "Heilig-Kreuz"-Gemeinde im Vorort Biederitz und der katholischen Studentengemeinde die Pfarrei "St. Augustinus" Magdeburg. Die Prämonstratenser betreuen heute die Pfarrei St. Augustinus und die Studentengemeinde. Sie möchten wieder dauerhaft in Magdeburg Fuß fassen und neben der "St. Petri"-Kirche ein neues Kloster bauen, so dass die alte Tradition der Prämonstratenser in Magdeburg wieder zu neuem Leben erwacht, berichtete Pater Andreas.

Den ersten Teil seines Vortrages widmete er den wichtigsten Baustilen der christlichen Kirchen und ihren geistlich/geistigen Hintergründen. Im Vordergrund stand dabei die Basilika. Eine der ersten christlichen Basiliken und eine der schönsten ist die von 352 bis 366 in Rom entstandene Basilika Santa Maria Maggiore. Ebenfalls noch im 4. Jahrhundert entstand in Rom die fünfschiffige Basilika St. Peter und St. Paul, bis heute die zweitgrößte Kirche Roms und eine der größten und eindrucksvollsten Kirchen der Welt. Der Pater erläuterte auch anhand von Bildern die Geschichte des Kirchenbaus und berichtete zu Romanik sowie Dom und Stift Havelberg.

Interessantes zum Dom

Ihr bisheriges Wissen über den Dom und seine Ausstattung ergänzten die Teilnehmer um viele weitere Fakten bei der Domführung mit Pater Andreas. Zum Abschluss des Rundgangs sang er einige Zeilen aus dem Hymnus des Jahres. Bei seinen Ausführungen zum Heiligen Norbert und zur Zeit der Prämonstratenser in Havelberg verstand es Pater Andreas, die geschichtliche Darstellung mit gegenwärtigen Ereignissen sehr lebensnah und verständlich zu vermitteln. 1144 gründete Bischof Anselm in Jerichow ein erstes Prämonstratenser-Domstift für sein Bistum. 1147 holte er nach dem Wendenkreuzzug seine Ordensbrüder nach Havelberg, um mit ihnen den Dom und die Klostergebäude zu errichten.

Der vierte und vorerst letzte Seminartag für die Stadtführer findet am 22. Februar statt zu "Gartenträume Sachsen-Anhalt und Gartentourismus im Norden Sachsen-Anhalt". Für November ist ein Tagesseminar zur "Reformationsgeschichte in Havelberg" vorgesehen, informierte Ludgar Nagel, der sich freut, dass die Weiterbildungsangebote so gut angenommen werden.