Die Havelortschaft Garz ist seit Sonnabend um eine weitere Attraktion reicher: Auf den Havelhöfen eröffnete der gleichnamige Verein seinen "Kulturstall".

Garz l Wo vor Jahren 15 Kühe mit ihrem Nachwuchs untergebracht waren, ertönten am Sonnabend sphärische Klänge: Der holländische Percussionist Marcel van Cleef entlockte diese Töne einem Instrument, das wie ein rundes mittelalterliches Schild aussah. Entwickelt wurde das Hang im Jahr 2000 in der Schweiz, doch erst in jüngster Zeit erfreut es sich einer regeren Nachfrage.

Viele Kulturfreunde waren der Einladung in die Havelortschaft gefolgt. In Anlehnung an ihren Vorgänger wurde die frisch sanierte Immobilie vom Havelhöfe-Verein "Kulturstall" benannt, erklärte der Vorsitzende Joachim Klose. Er ist zugleich Besitzer der Havelhöfe und hat den Kulturstall für einen Euro im Jahr an den Verein verpachtet, wie "Havelspinner" Rainer Wittenburg berichtete. In dem 1897 errichteten Gebäude befinden sich ein großer und ein kleiner Saal sowie eine Küche samt Speiseraum. Letztere wurde mit Kaffeetafel und Kuchenbuffet eingeweiht.

Berliner Bach-Chor ist bereits im März zu Gast

In der oberen Etage entstehen sieben Ferienzimmer, im März haben sich die ersten Gäste angemeldet: der Bach-Chor aus Berlin. Die Bauarbeiten sind etwas in Verzug, dafür sorgten erst das Hochwasser und dann dessen Folgen - die Handwerker hatten Wichtigeres zu erledigen. Diese Räume wurden am Sonnabend teils für Kursangebote genutzt: Es wurde gemeinsam getrommelt, Natascha K. Cronacher verkaufte Filzwaren, Rainer Wittenburg setzte sich ans Spinnrad und die Malerin Barbara Winkelmann stellte ihre Werke vor.

Diese Experten bilden nur einen kleinen Teil der vielfältigen Angebote, mit denen der Kulturstall künftig Gäste zu Kursen und Workshops in den Quappenwinkel ziehen will. Weitere Anregungen sind übrigens immer willkommen.

Beim über das europäische Leader-Programm geförderten Ausbau des einstigen Stalles hatten nicht nur Handwerker mächtig Hand angelegt, sondern vor allem auch Barbara Winkelmann und Rainer Wittenburg - sie malerten noch bis vor kurzem die Säle, den Flur und die Zimmer. Und das alles ehrenamtlich, ohne Entgelt.

"Die Förderung zu verwalten, war nicht ganz einfach", erklärte Joachim Klose den Gästen. Denn für das Erdgeschoss mussten Mittel aus der Dorfentwicklung beantragt werden, für die obere Etage hingegen aus dem Tourismustopf. "Das war nicht immer einfach zu trennen, aber wir haben es hinbekommen", zeigte sich Joachim Klose erleichtert. Der Bau wurde so wie er war übernommen und lediglich behutsam saniert. Der Hauptträger im großen Saal blieb darum zum Beispiel so schief wie er war. Dennoch könne sich das Werk sehen lassen, fand er.

Großes Ziel des Vereins ist es, das von Auszehrung bedrohte Garz am Leben zu erhalten. Seit Joachim Klose vor 20 Jahren an die Havel kam, sei die Bevölkerung um ein Viertel geschrumpft. Hoffen lässt, dass es in jüngster Zeit wieder verstärkt Nachfragen nach Wohnraum gebe. "Dieses Dorf muss Zukunft haben und es hat Zukunft", betonte der Bauherr.

Das Kulturprogramm zur Einweihung bereicherten zudem Doreen Bäther und ihre Tochter Lilly, Susanne Schröder und Karl-Heinz Gorges. Im Saal auf dem anderen Havelhof traten im Anschluss die Linedancer aus Rhinow auf. Also allerhand Kulturangebote für das kleine Garz.

 

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