Auf das einsatzreichste Jahr in der 120-jährigen Geschichte der Schönhauser Feuerwehr blickten die Mitglieder am Sonnabend auf der Jahreshauptversammlung zurück. Zu den üblichen Einsätzen bei Bränden und Unfällen kommen die unzähligen Stunden während der Flut dazu.

Schönhausen l Stundenlang hätte Karl-Heinz Pick berichten können über die Tage im Juni, als die Kameraden in der oberen Etage des gefluteten Gerätehauses ausharrten, anfangs noch versuchten, die Deiche zu sichern und dann mit dem Boot der Wasserwehr zu Versorgungs- und Kontrollfahrten unterwegs waren. Der Fluteinsatz dauerte insgesamt 27 Tage. In seinem Jahresbericht beschränkte sich der Wehrleiter auf nur wenige Fluterinnerungen - zu lange hätte es gedauert. Denn auch alles andere, was die Schönhauser im zurückliegenden Jahr leisteten, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Immerhin zu 25 Einsätzen wurden die Männer und Frauen alarmiert. Das Jahr begann am 12. Februar mit einem voll Wasser gelaufenen Keller in der Trübenstraße, kurz darauf gefolgt mit dem Großbrand des Wohnhauses in der Fischbecker Hauptstraße. Am 1. März brannte es auf dem Hohengöhrener Julienhof und am 23. März in einem Container im Hook. Bis zum 7. Juni war es dann ruhig. Mehrere Male schickte die Einsatzleitstelle die Schönhauser Wehr zur Deichsicherung. Bei der Bergung des in der zerstörten Grabenbrücke am Schönhauser Damm gestürzten Autos half die Wehr mit. Bis zum Jahresende waren noch umgestürzte Bäume zu beseitigen und eine Garage in Hohengöhren zu löschen.

43 Brunnen mussten überprüft werden

An 43 Abenden fanden Dienste und Schulungen statt. Bei den Weiterbildungen ging es auch um Gefahren der Wasserförderung an der Einsatzstelle, technische Hilfeleistung, tragbare Leitern und Einsatz an Photovoltaikanlagen. Bei der praktischen Ausbildung ging es um Gerätetraining, Stiche und Bunde, Wasserentnahme am offenen Gewässer und Sichern einer Einsatzstelle. Auch an der Ausbildung im Brandcontainer in Fischbeck nahmen Schönhauser teil. "Die alljährliche Überprüfung der Flachspiegelbrunnen hat auch in diesem Jahr wieder einen großen Teil der Dienstabende in Anspruch genommen", resümierte Karl-Heinz Pick. 43 Brunnen im Gemeindegebiet waren zu überprüfen.

Daumendrücken für Löschangriff in Kamern

Auch das Training der Männer für den Löschangriff hatte ein paar Dienstabende in Anspruch genommen. Leider mussten die Wettkämpfe, die für den 8. Juni in Schönhausen anlässlich des 120. Feuerwehr-Jubiläums abgesagt werden. Für den Wettbewerb 2014 in Kamern drückt Karl-Heinz Pick dem Team schon mal die Daumen.

Es gab auch zahlreiche Veranstaltungen mit Grund zur Freude im Jubiläumsjahr. Die geplanten Aktionen fanden zwar nicht statt, aber am 16. August, dem Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Schönhausen, wurde der 120. Geburtstag im Bürgerzentrum gefeiert. Es fanden zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen statt. Innenminister Stahlknecht hatte ein Fass Schwarzbier spendiert. Zu den außerdienstlichen Veranstaltungen zählen weiterhin beispielsweise am 1. April die Unterstützung von "Kunst für Demokratie" im Bismarck-Park, das Pfingstfeuer, eine Schrottsammlung und der erfolgreiche Tag der offenen Tür am 1. Mai. Bei der Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag am 17. November waren die Feuerwehrleute dabei und auch der Transport von älteren Bürgern zur Bundestagswahl und zur Seniorenweihnachtsfeier wurde von der Wehr sichergestellt. Und beim Nikolausmarkt sorgten die Kameraden mit Gegrillten für die Verpflegung der Besucher.

Bei den anschließenden Grußworten gab es viel Lob für die Kameraden, die vor allem während der Flut Übermenschliches leisteten. "Ohne Euch wäre das Leben hier auf der Insel eine Katastrophe gewesen, Ihr habt dem Dorf viel Leid erspart", erklärte Bürgermeister Alfons Dobkowicz. Er spendierte nicht nur zehn Kisten Freibier (statt eines Fasses), sondern auch für die Jugendwehr 100 Euro. Denn die Mädchen und Jungen waren enttäuscht, dass die Versteigerung ihres Lebkuchen-Feuerwehrautos auf dem Nikolausmarkt nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erfahren hatte.

Lobende Grußworte der Gäste

Verbandsbürgermeister Bernd Witt sagte für die Zukunft eine noch größere Unterstützung zu, "die Flut und die zahlreichen Einsätze haben gezeigt, wie wichtig eine gut ausgestattete Feuerwehr ist". Die am gefluteten Gerätehaus entstandenen Schäden werden ab diesem Jahr beseitigt. In den Schönhauser Brandschutz investierte die Verwaltung im vergangenen Jahr 21000 Euro, hieß es im Jahresbericht. Pfarrer Ralf Euker überbrachte die Grüße der Kirchengemeinde, die mit der Feuerwehr etliche Berührungspunkte hat und sich über die gewachsene gute Nachbarschaft freut. Danke sagte er für die unkomplizierte Hilfeleistung auch während der Flut. Auch Kreisbrandmeister Ringhard Friedrich zollte den Schönhausern höchste Anerkennung.

Eine Abordnung der Partnerwehr Weizmühlen überbrachte Grüße und die Wehr der Thälmannsiedlung der Gemeinde Ziltendorf im Oderbruch, denen die Schönhauser 1997 geholfen hatten, eine Spende.

Verstärkung für den Nachwuchs gewünscht

Henry Wiggert und Janine Pultermann berichteten, was die Kinder- und die Jugendwehr im vergangenen Jahr gelernt und erlebt haben und was sie für dieses Jahr planen (dazu demnächst mehr). Für beide Gruppen ist Nachwuchs erwünscht.

Der Versammlung schloss sich ein Kameradschaftsabend an, an dem auch die Gäste und die Mitglieder der Altersabteilung ihre Freude hatten.

Bilder