Fotografiken des Prignitzer Fotografen Ingolf Seidel sind bis zum 16. März in der Galerie in der Langen Straße 1 zu sehen. Zur Vernissage hatten sich am Sonntag etliche Gäste eingefunden.

Havelberg l "Sisters of Mercy" - Schwestern der Barmherzigkeit - ist die Ausstellung in der Galerie des "Kulturprojektes Stadtinsel" betitelt. So heißt nicht nur eine britische Rockband, auch der Kanadier Leonhard Cohen benannte so eines seiner Lieder. "Es ist ein melancholisches Lied", erklärte der Berliner Architekt Hartmut Kroll in seiner Werkseinführung. Mitgefühl, Respekt und die Liebe zu den Menschen seien auch in den Werken des Prignitzer Künstlers Ingolf Seidel zu spüren.

Der Redner hatte den Prignitzer Fotografen vor über drei Jahren kennengelernt. Er hatte Tonaufnahmen für ein Kunstprojekt gesucht. In der Folge sollte Ingolf Seidel auch Filmsequenzen für ein Theaterprojekt erstellen.

Im Vorjahr entstand dann aus dieser Idee ein kompletter Dokumentarfilm über die Menschen in der Prignitz. Der Künstler sei von der Idee angetan gewesen, zweitrangig war ihm, ob sich damit am Ende Geld verdienen lasse, berichtete Hartmut Kroll. "Ingolf Seidel ist ein sehr intensiver, stiller und genauer Mensch", beschrieb der Redner seinen Bekannten.

Deswegen war aus den erst geplanten Sequenzen auch ein kompletter Film entstanden, das Gesamtwerk sollte ansehnlich werden. "Diese Arbeitsweise ist auch in seinen hier ausgestellten Werken zu finden", lobte der Berliner. Es seien Werke voller Fantasie, Tiefe und Genauigkeit, mit einer vielschichtigen und erlesenen Ästhetik. Durch Ingolf Seidel lernte er die Sprache der Fotografie kennen.

Zarte und dramatische Gefühle werden beim Betrachten der ineinander verschmelzenden Elemente in den Fotografiken geweckt, sie seien nicht plakativ, sondern eröffnen dem Betrachter Räume zum Selbsterschließen. "Zum Betrachten sind vor allem Stille und Zeit nötig", schloss Hartmut Kroll.

Die Fotografik ist eine relativ alte Technik. In der DDR wurden zum Erstellen solcher Werke mehrere Dias übereinandergelegt, berichtete Ingolf Seidel.

"Durch Ingolf Seidel habe ich die Sprache der Fotografie kennengelernt."

Hartmut Kroll, Berlin

Jetzt benutzt er dazu den Computer mit dem Programm Photoshop. Doch verwendet er darin nur solche Werkzeuge, die er auch im Fotolabor nehmen könnte. In Havelberg sind die Werke des Prignitzers übrigens erstmals zu sehen. Sein "Chelsea-Hotel" zeigt einen alten Gitarrenspieler, mehrere Fotografiken entstanden für den "Weidengrund". Ebenfalls aus mehreren Teilen bestehen seine "Kronprinzen der Wasserschnecke" - wo auf den ersten Blick Blumen dominieren. Aber wer genau hinschaut, erkennt auf einem Bild auch die Wasserschnecke.

Ingolf Seidel ist gebürtiger Thüringer, er erblickte 1966 in Gera das Licht der Welt. Nach dem Abi machte er über die Erwachsenenqualifizierung seinen Facharbeiter. Seit 1986 arbeitet der Vater zweier Kinder freiberuflich als Fotograf, er war bis 2001 Theaterfotograf für Regisseure wie Frank Castorf, Leander Haußmann oder Andreas Kriegenburg. 1990 gründete er die Filmproduktion iRA-Atelier und war auch als Kameramann, Autor und Regisseur tätig.

Seit 1983 beteiligte er sich an Ausstellungen, zwei Jahre später stellte er erstmals allein aus. Seit 1997 lebt er in Minnashöh bei Vehlow, einem Ortsteil der Gemeinde Gumtow. In Minnashöh wird übrigens auch Theater gespielt.

Die Ausstellung ist bis zum 16. März mittwochs bis sonnabends von 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung zu besichtigen. Kurator Klaus Schröter ist unter 0176/51628384 zu erreichen.