Bis zum 9. Juni 2013 hatten die Aktiven der Scharlibber Feuerwehr eine "ruhige Kugel" geschoben, denn Einsätze hatte es bis dahin seit Jahresbeginn keine gegeben. Dann aber kam es dicke, wie Ortswehrleiter Armin Glimm in seinem Rückblick auf der Jahreshauptversammlung am Wochenende informierte.

Von Ingo Freihorst

Scharlibbe l Früh um 4 Uhr war die Nacht des 9. Juni 2013 zu Ende, die Hochwassersituation hatte sich dramatisch zugespitzt - in Klietz mussten Sandsäcke gefüllt werden. Danach ging es nach Fischbeck, wo der Deich von 16 Scharlibbern bis 16 Uhr verteidigt wurde. Nach dem Deichbruch half die Wehr zwei Tage lang beim Bau eines provisorischen Ringwalles aus Strohballen, Sandsäcken und Folie um die örtliche Läuferaufzuchtanlage.

Kurz nach Mitternacht des 12. Juni ging erneut die Sirene, Einsatzort war der Klietzer Badestrand, wo ebenfalls hastig ein Deich errichtet wurde. Diese Einsatzstelle musste allerdings aufgegeben werden, ebenso später der Trafo, wo auch ein Wall errichtet worden war.

Erfolgreich war hingegen die Verteidigung der vom Wasser eingeschlossenen Läuferanlage, hierhin transportierte die Wehr Material und Pumpen. Andere Aktive halfen am Klietzer Hotel beim Wallbau.

Ohne Helfer im Ort wären alle Schweine tot

Der W50-Tanker der Scharlibber bewährte sich in den Folgetagen als "Wasser-Taxi", transportierte durch die Fluten hindurch Trinkwasser für die Tiere sowie den Tierarzt. Die Aktiven betreuten Notstromaggregate und Pumpen. "Zum Glück für die Läuferanlage blieben die meisten Scharlibber trotz der Aufforderung zur Evakuierung im Ort", konstatierte Armin Glimm. Ansonsten wären die 8000 Schweine unrettbar verloren gewesen.

Insgesamt 14 Aktive füllten am 14. Juni erneut Sandsäcke, ein Wall an der Bundesstraße sollte die Scharlibber Bahnhofstraße vor der Flut schützen. In den Folgetagen erreichte die Flut ihren höchsten Stand. Die Futtersilos der Läuferanlage waren leer, der dringend benötigte Nachschub wurde auf Hängern herangeschafft und per Hand umgeladen. Acht Aktive halfen den Kollegen dabei.

Ausgelaufenes Altöl musste am 19. Juni in der Werkstatt aufgefangen werden. Weil die Ölwehr aus Tangermünde nicht kommen konnte, mussten im Ort zum Abschöpfen sämtliche Bratpfannen eingesammelt werden. Ab dem 20. Juni wurde langsam mit dem Rückbau begonnen, die Wälle verschwanden wieder und Sandsäcke wurden geleert.

"Oft hatten die Kameraden bis zu ihrer Belastungsgrenze gearbeitet, es gab aber auch eine unbeschreibliche Welle der Solidarität", resümierte Armin Glimm rückblickend.

Das katastrophale Jahr 2013 ging turbulent weiter, es folgten weitere neun Einsätze. Ein Haus am Trübengraben, das erst im Wasser gestanden hatte, brannte am 22. Juli ab. In Klietz brannte es am 28. September in einer Werkstatt am Kreisel, am 5. Oktober wurden am Klietzer See Mikroorganismen zur Bodenverbesserung ausgebracht.

Zum Glück rasch eingedämmt werden konnte ein Entstehungsbrand in der Klietzer Friedenssiedlung am 21. Oktober. Ein Orkantief wütete in der Nacht des 5. Dezember, zwei Bäume lagen auf der Bundesstraße. Und am 16. Dezember qualmte es aus einem Schaltschrank der Läuferanlage. "Zusammen mit dem Hochwassereinsatz kamen wir auf insgesamt knapp 2000 Einsatzstunden", informierte der Wehrleiter.

Trotz allem gab es auch gesellige "Einsätze": Ein Ball mit Neuermark-Lübars fand im März in Mahlitz statt. Am 30. April wurde der Maibaum aufgestellt und es gab Ehrungen - so wurde Arthur Zimmermann für seine 60-jährige Mitarbeit ausgezeichnet. Zusammen mit dem Klietzer Förderverein fuhren die Scharlibber im September nach Berlin und im Dezember ging es zum Weihnachtskegeln in Groß Wudicke.

Wegen des hohen Grundwasserstandes waren die Brunnen im Ort alle ohne Befund. Allerdings ließ die Teilnahme an der Winterfestmachung zu wünschen übrig, kritisierte Armin Glimm. Auf der Wunschliste stehen ein stärkeres Notstromaggregat sowie Lampen.

Und vor allem natürlich ein neues Einsatzfahrzeug. Der W50-Tanker musste nach Klietz abgegeben werden, nun steht nur noch ein über 50 Jahre alter Unimog in Scharlibbe - beim letzten Einsatz wollte das Auto minutenlang nicht anspringen. Stimmt der Verbandsrat zu, werden spätestens 2016 ein Tanklöschfahrzeug 8/18 sowie ein Mannschaftstransporter angeschafft, informierte Jenny Wolf vom Ordnungsamt. Zuvor muss aber noch das zu kleine Gerätehaus umgebaut werden.

Erst muss Gerätehaus umgebaut werden

Mit 25 Aktiven gehört Scharlibbe zu den größeren Wehren in der Verbandsgemeinde. Bei einigen der insgesamt 16 Wehren besteht laut Brandschutzanalyse enormer Nachholebedarf - die zwei Millionen Euro dafür kann die Verbandsgemeinde aber auch nicht auf die Schnelle aufbringen.