Erstmals ostelbisch tagte der kreisliche Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus. In Schönhausen ging es am Mittwochabend hauptsächlich um den Hochwasserschutz.

Schönhausen l Mit Informationen über die 80 Millionen Euro Flutschäden im Elbe-Havel-Land wurde die Sitzung eröffnet. Dazu erteilte der Ausschussvorsitzende Norbert Tanne dem Verbandsgemeindebürgermeister Bernd Witt das Wort. Der berichtete, dass gerade mal die Hälfte aller privaten Anträge auf Wiederaufbauhilfe von der Investitionsbank genehmigt worden sind und dass die seelsorgerische Arbeit auch durch die Wohlfahrtsverbände DRK und ASB immer wichtiger wird.

Um vor künftigen Extremhochwassern wie im Sommer 2013 sicher zu sein, wird an den Deichen gebaut. Darüber berichtete Reinhard Kürschner, Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW). Die wesentlichen Schwachstellen seien behoben, "für die Sicherheit der Fischbecker Deichbruchstelle lege ich meine Hand ins Feuer". Für den 7,2 Kilometer langen neuen Fischbecker Deichabschnitt bis Jerichow läuft der Landerwerb. Noch dieses Jahr soll mit dem Bau ab der B188-Brücke bis zur Fährstraße begonnen werden. "Wir werden sehen, wie weit wir kommen."

In Schönhausen ist die Baustelle hochwassersicher geschlossen worden, im Mai geht es weiter. Schwachstellen in Hohengöhren seien verbaut, im Juni soll die Sanierung eines zwei Kilometer langen Abschnittes beginnen. Bürgermeister Alfons Dobkowicz ist das zu spät, er macht sich große Sorgen um die Standsicherheit bei einem möglichen Frühjahrshochwasser.

Alle neuen Deiche hoch genug und mit Berme

Auch in Neuermark-Lübars ist die Erneuerung eines 1,7 Kilometer langes Abschnittes vorgesehen, hier wird auch eine mögliche Deichrückverlegung untersucht. Für Sandau Süd gibt es am 20. Februar weitere Gespräche. Im nördlichen Bereich soll im Oktober mit vorbereitenden Arbeiten wie Baumfällen und Munitionssuche begonnen und 2015/16 ein neuer Deich angelegt werden.

Alle neuen Deiche sind entsprechend der neu festgelegten Norm ausreichend hoch und verfügen über eine Berme (landseitige Aufschüttung), die gleichzeitig als Deichverteidigungsweg dient. Auf die kritische Anmerkung von Schönhausern, dass die ostelbischen Deiche nicht überall so hoch wie westelbisch sind, erklärte Reinhard Kürschner, dass das mit den neuen Deichen ausgeglichen wird und bis 2020 - so hat es der Minister versprochen - alle Deiche komplett saniert sind.

Auch Arno Brandt und Werner Grabolle von der Hochwasserschutz-Initiative Elb-Havel-Winkel meldeten sich zu Wort. Ihnen ist nicht nur der Deichbau wichtig, sondern auch der vernünftige Abfluss des Wassers über den Trübengraben, der ebenfalls in Obhut des LHW liegt, dürfe nicht vergessen werden. Im März gibt es die nächste von der Initiative organisierte Gesprächsrunde mit dem LHW zum Hochwasserschutz in Klietz.

Ärgerlich sei, so beklagten Gäste der Sitzung, dass den Landbesitzern für den Verkauf der Flächen für die neuen Deiche so wenig Geld angeboten wird. Und wer nicht auf das Angebot eingeht, dem droht die Enteignung. Die Bodenverwertungs- und -verwaltung GmbH als Dienstler des Bundes dagegen verlangt Höchstpreise, wenn man von ihr Land kauft.