Havelberg l Wie die Jugendarbeit im Landkreis Stendal läuft, hat Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) kürzlich bei einem Besuch im Havelberger Jugendzentrum, im Klietzer Jugendklub und im Jugendraum in Bittkau erfahren. Die beim Kreis-Kinder- und Jugendring angesiedelte Arbeitsgruppe "5 vor 12" des Landkreises hatte ihn eingeladen. Grund sind die Kürzungen im Landeshaushalt für die Jugendarbeit.

Weitere Kürzungen sollten nicht vorgenommen werden

Die Arbeitsgruppe ist seit einem Jahr, seit sich die Landeskürzungen anbahnten, tätig, berichtet der Leiter des Havelberger Jugendzentrums Rolf Müller. Er gehört dem Vorstand des Kreis-Kinder- und Jugendringes an. Die Warnauerin Heidrun Maas, für mobile Jugendarbeit zuständig, ist Mitglied der Arbeitsgruppe. Sie hatte Ende des Jahres an einer Jugendhilfe-Ausschusssitzung im Land teilgenommen und den Minister in einem Pausengespräch zu einem Besuch eingeladen, um sich über die Formen der Jugendarbeit im Kreis zu informieren. Norbert Bischoff nahm die Einladung an und kam zu einem Arbeitsgespräch. Vertreter der Einrichtungen und Bürgermeister sowie Kinder und Jugendliche berichteten dem Minister über ihre Erfahrungen. "Er hat sich viel Zeit genommen und interessierte sich sehr, wie das Geld für die Jugendarbeit, das wirklich knapp bemessen ist, eingesetzt wird", berichtet Rolf Müller im Gespräch mit der Volksstimme.

"Ich habe den Eindruck, dass wir ihn durch viele praktische Beispiele davon überzeugen konnten, dass keine weiteren Kürzungen vorgenommen werden dürfen." Die Landesgelder würden im Kreis effektiv eingesetzt. "Die Arbeit, die wir hier praktizieren, ist nur möglich, weil uns die Kommunen überdurchschnittlich unterstützen", macht Rolf Müller deutlich. 70 Prozent der Kosten übernehmen die Kommunen. In den 30 Prozent des Landkreises sind die vom Land gezahlten Mittel enthalten.

Der Minister wolle weg vom Gießkannensystem und erreichen, dass die Gelder effektiver eingesetzt werden. Wer attraktive Angebote macht und eine gute Auslastung der Jugendeinrichtungen vorweisen könne, könne auch mit einer stärkeren Förderung rechnen.

"Alle Beteiligten sind der Meinung, dass dieser Besuch sehr gelungen war. Der Minister hat sich insgesamt vier Stunden Zeit genommen, um sich vor Ort ein Bild zu machen von der Struktur der Jugendarbeit", sagt Rolf Müller.

Die in diesem Jahr durch die Landeskürzungen entstehende Finanzlücke werde der Landkreis auffangen. "Somit können wir erstmal so weiterarbeiten wie bisher." Das Problem sei aber nach wie vor, dass, auch wenn der politische Wille in der Stadt Havelberg, in den Dörfern und dem Landkreis da ist, Kommunalaufsicht und Landesverwaltungsamt die Kommunen zum Sparen anhalten. "Da stecken wir in der Zwickmühle. Dabei ist Jugendarbeit beileibe keine freiwillige Aufgabe der Kommunen, sie sind verpflichtet, ihren Anteil zu leisten."

Jugendklubs arbeiten eng mit Kommunen zusammen

Im Bereich des Jugendzentrums gibt es neun Jugendklubs und -räume. Allein das Jugendzentrum in Havelberg hat durchschnittlich 48 Mitglieder - Querbeet von Kindern bis Jugendlichen, von Förderschülern bis Abiturienten. Das Prinzip der Jugendarbeit ist: "Alle unter einem Hut". In den Jugendklubs sind es im Schnitt 20 bis 30 Besucher, an Wochenenden gehen die Zahlen in Klietz und Schollene auch mal auf die 40 hoch. "Mit über 40 regionalen Veranstaltungen bieten wir eine breite Vielfalt und sind oft der Motor bei Festen", nennt Rolf Müller zum Beispiel das Oster-, Kinder- und Drachenfest in Havelberg. Bei Festen auf den Dörfern sind die Klubs immer mit dabei. "Wir suchen stets die enge Zusammenarbeit mit den Dörfern und Vereinen." Allesamt Dinge, die den Sozialminister von der guten Jugendarbeit in der Elb-Havel-Region überzeugt hätten. "Wir wünschen uns häufiger einen solchen aktiven Gedankenaustausch", sagt Rolf Müller.