Jederitz l Drei Füchse, acht Waschbären, vier Marderhunde und zwei Nutrias liegen hinter der alten Stellmacherei in Jederitz, eingerahmt von Tannenzweigen. Die Jäger und ihre Helfer haben sich hier zur Auswertung eingefunden, auch gibt es Suppe sowie Getränke zum Aufwärmen.

"Es ist eine gute Strecke", fasste Organisator Christian Ahrens aus Havelberg zusammen. Weil das Wetter allerdings recht mild war, waren nicht alle Baue besetzt - der Waidmann sagt dazu "befahren". Dennoch kam am Ende der mehrstündigen Baujagd - die in Jederitz schon Tradition ist - allerhand Raubwild zusammen.

Zu dem Zeitpunkt waren noch nicht einmal alle Jäger wieder zurückgekehrt, im Mühlenholz in Havelberg wurde an einem Waschbärenbau noch eifrig gebuddelt. Die meisten der erlegten Tiere waren ausgegraben worden, berichteten die Waidmänner Matthias Wilms aus Jederitz und Bernd Neumann aus Kamern. Lediglich in den Revieren Kamern und Neukamern kamen zwei Füchse aus Mieten gesprungen.

Bejagt worden waren etwa 10.000 Hektar Fläche, einbezogen waren die Reviere Warnau, Garz, Kuhlhausen, Jederitz, Wulkau, Kamern, Neukamern und die beiden Havelberger Reviere. Insgesamt hatten sich 48 Schützen auf die Baujagd begeben, neben einheimischen kamen sie auch aus dem Brandenburgischen sowie aus Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Exot unter den Waidmännern war der Rathenower Oliver Peipe, der Falkner hatte einen Steinadler mitgebracht. Doch war diesmal bei ihm kein Wild geflüchtet, so dass der Greifvogel nicht in Aktion zu treten brauchte.

Hunde spüren Tiere bei Jagd auf

Ansonsten wurden die Tiere von Hunden aufgestöbert. Teckel und Deutscher Jagdterrier sind ursprünglich zur Baujagd gezüchtet worden, inzwischen sind sie aber Allrounder, können also auch Wassergeflügel apportieren oder zur Nachsuche eingesetzt werden. Begibt sich der Vierbeiner übrigens in den Bau, sagt der Waidmann "er schlieft ein".

Wo der Hund unter der Erde ist, muss der Jäger hören. Es gibt aber auch schon Detektoren. Viele Baue sind recht weitläufig und haben mehrere Ausgänge. Die Marderhunde sind bequem, sie graben ihren Bau nicht selbst, sondern übernehmen nur - oder vertreiben die Bewohner.

"Insgesamt waren 20 Hunde bei der Baujagd dabei", berichtete Christian Ahrens, der sein Revier in Havelberg hat. Neun der Vierbeiner wurden dabei besonders aufmerksam begutachtet, denn sie sollten das "Leistungszeichen Naturbau" erhalten. Dazu hatten sich sechs Prüfer eingefunden, die teils weite Anreisewege in Kauf genommen hatten.

Das Leistungszeichen wird mit und ohne den sogenannten "Härtestrich" verliehen. Dieser Härtestrich wird erteilt, wenn der Hund das Wild hart bedrängt oder packt. Weil allerdings manche Prüflinge diesmal nichts zu tun hatten, konnten sie auch nicht bewertet werden.

Das Ausgraben der Tiere - dies übernahmen die Helfer - war recht schweißtreibend, zumal im Havelberger Mühlenholz ein lehmiger Boden vorhanden ist. Bis zu zwei Meter tief kann da am Ende schon mal das Erdloch klaffen.

Währenddessen liefern sich unter der Erde Hund und Wildtier einen verbissenen Kampf - so mancher Hund trug denn am Ende auch mehr als nur eine Schramme davon. Beispielsweise wurde ein Vierbeiner beim Kampf mit einem Nutria verletzt. Für solche Fälle war eine mobile Tierärztin mit bei der Jagd dabei, sie kam von der Tierklinik in Pritzwalk. Auch die Havelberger Veterinärmedizinerin saß in Bereitschaft.

Nur Fuchs ist heimisch

"Von den erlegten Tieren hier ist eigentlich nur der Fuchs eine heimische Art", blickte Christian Ahrens auf die Strecke. Alles andere - also Waschbär, Marderhund und Nutria - seien Neozoen, eingewanderte, eingeschleppte oder - wie der Nutria - ausgesetzte Arten. Weil hier ihre natürlichen Feinde fehlen, können sich beispielsweise die Waschbären ungestört vermehren. Darunter wiederum leiden die Vogelwelt und das Niederwild - der Kleinbär mit der markanten Maske ist ein eifriger Kletterer und als Nachtaktiver schwer zu bejagen.

Die Flut hat dem Raubwild in der Region anscheinend kaum geschadet, berichteten einige der Jäger. Obwohl auch etliche Waschbären ertranken - sie sind schlechte Schwimmer. Schlimmer hat es auch im Havelwinkel die Rehe, die gerade ihren Nachwuchs aufzogen, und das Niederwild - hier vor allem die Hasen - erwischt. Diese Arten werden derzeit nicht bejagt.

Üblich ist bei der Strecke auch, dass sie verblasen wird, sogar der Nutria bekam inzwischen ein Signal zugeordnet. Nun herrscht allerdings erst einmal Jagdruhe in Wald und Feld, denn etliche Tierarten wie Fuchs und Wildschwein bekommen jetzt ihren Nachwuchs.