Schritt für Schritt gehen die Arbeiten in der Havelberger Stadtkirche St. Laurentius voran. Das historische Gotteshaus ist für die Bauarbeiter eine echte Herausforderung, denn der Zahn der Zeit hat hier deutliche Spuren hinterlassen.

Havelberg l Die erste Kirche an dem jetzigen Standort entstand vermutlich im 12. Jahrhundert. Urkundlich erwähnt wird sie zuerst 1345. Schiff, Chor und Turm stammen im Kern vermutlich aus verschiedenen Bauphasen des 13. und 14. Jahrhunderts. 1648 wurde die Kirche durch Brand zerstört und anschließend in teilweise veränderten Formen wieder aufgebaut.

Schalung besteht aus Schilfrohr

1854 wurde unter der Bauleitung von Carl Schüler eine umfassende Sanierung vorgenommen. Unter anderem ist damals ein hölzernes Kreuzrippengewölbe eingesetzt worden. Und daran arbeiten seit einigen Wochen die Mitarbeiter der Havelberger Hoch-, Tief- und Ingenieurbau-Firma (die Volksstimme berichtete bereits). Zimmermann Karsten Pattschull und sein Kollege Ronald Lukas wechselten bereits die maroden Hölzer des Kreuzgewölbes aus und brachten die Schalung für den Putzträger, der aus Schilfrohr besteht, auf. "Die Schalbretter müssen alle einzeln angepasst und zugesägt werden, bevor sie fixiert und dann angeschossen werden. Wir haben hier in den Kreuzgewölben schon sehr viel Holz verbaut und marode Konstruktionen ausgewechselt", erzählt Karsten Pattschull.

Saubere Kanten, gut abgerundete Bögen und exakt gehobelte Abschlüsse sind hoch oben unter dem Kirchendach zu sehen. "Wir haben, wenn wir heute zum Feierabend das letzte Schalbrett anschießen, etwa 175 Quadratmeter Gewölbeschalung neu errichtet", ergänzt Ronald Lukas.

Nur wenige Meter von den Zimmerleuten entfernt sind die Kollegen Frank Schulze und Udo Biedermann schon dabei, das Schilfrohr auf die Schalung zu bringen. "Eine nicht alltägliche Arbeit, die wir aber trotzdem schon des Öfteren gemacht haben. Wichtig ist hierbei nur, dass das Schilfrohrgewebe fest auf der Schalung sitzt, um so den folgenden Putzaufbau zu tragen", erläutert Frank Schulze.

Schutzkappen aus Bauholz

Der einzige Mitarbeiter in der Stadtkirche, der festen Boden unter den Füßen hat, ist Manfred Stamer. Er baut in der ausgeräumten Kirche - die Bänke wurden wegen der Baumaßnahme ausgebaut und eingelagert - Schutzkappen aus Bauholz für die Brüstungen an den Emporen. Sie sollen die denkmalgeschützte Innenausstattung des Gotteshauses bei den weiteren Arbeiten vor Beschädigungen schützen.

Die bleiverglasten Fenster der Kirche werden ebenfalls mit Bautafeln zugebaut.

Zur Bundesgartenschau 2015 Havelregion ist in der Havelberger Stadtkirche St. Laurentius die Blumenhallenschau geplant.

 

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