Es sieht aus wie neu. Das Prignitz-Museum hat am Donnerstag ein schickes Promenadenkleid zurück erhalten. In einer Restaurationswerkstatt in Halle wurde das vom Zahn der Zeit beschädigte Kleidungsstück wieder sorgfältig hergerichtet.

Havelberg l In seiner Weihnachtsspendenaktion 2011 hatte der Verein der Freunde und Förderer des Havelberger Prignitz-Museums um Spenden für die Restauration des zweiteiliges Promenadenkleides aus der Zeit um 1900 gebeten, um es für die Nachwelt erhalten zu können. Es kam 1983 aus dem Nachlass der Havelbergerin Olga Oelke in den Textilfundus des Museums. Seide, Satin, feine Wolle, Tüll und Spitzen machen es zu einem äußerst repräsentativen Kleid.

Beim Spaziergang vervollständigen Hut, Spitzenhandschuhe, Fächer und Sonnenschirm den mondänen Auftritt seiner Trägerin. Die Schleppe wurde beim Gehen nach vorne gerafft und mittels einer am Saum angenähten Schlaufe gehalten.

Viele Fehlstellen

Das Kleid entspricht der damaligen Mode der Sans-Ventre-Linie - graue Seide mit einem schwarzen Kleinmuster in Jaquardbindung -, von der sich die Damen der Gesellschaft mittels eingearbeiteter Korsagen und enggeschnürter Hüftgürtel eine schlanke, figurbetonte Silhouette "ohne Bauch" versprachen. Die vom Korsett abhängige Mode galt lange als chic und bekam nur allmählich Konkurrenz durch das locker hängende, untaillierte Reformkleid.

Wie bereits erwähnt, passte dieses Promenadenkleid aufgrund seines Zustandes nicht mehr so recht in die Ausstellungsräume des Prignitz-Museums. Zerschlissene Partien in der Seide (Ätzstellen von Flecken) und Mottenlöcher in der Wolle zählten zu den Gründen dafür. Die markantesten Fehlstellen befanden sich im linken Schulterbereich und im Schoßbereich des Rockes: fast kreisrund und mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern. Um es zu erhalten und erstmals im Museum öffentlich ausstellen zu können, bedurfte es dringend der Aufarbeitung. Dank vieler kleinerer und größerer Spenden, wofür der Verein der Freunde und Förderer des Havelberger Prignitz-Museums an dieser Stelle herzlichen Dank sagen möchte, ist dies nun mit größtmöglicher Sorgfalt geschehen.

Gute Arbeit geleistet

Und zwar in der Werkstatt der Diplom-Restauratorin Andrea Knüpfer aus Halle an der Saale. "Wir sind mit ihrer Arbeit wirklich sehr zufrieden", freute sich Museologin Antje Reichel nach der Begutachtung des restaurierten Kleides. Um auch den Museumsbesuchern die Gelegenheit zu geben, das alte - und jetzt wieder neue - Kleidungsstück zu bestaunen, "werden wir es etwa einen Monat lang in der Ausstellung belassen", kündigte Antje Reichel an. Anschließend soll das Promenadenkleid dann zu seinem Schutz gut und sicher verpackt aufbewahrt und nur noch zu bestimmten Anlässen gezeigt werden.