Iris Walther ist die "Havelbergerin des Jahres 2013". Gestern Abend erhielt die Warnauerin bei der großen Gala der Volksstimme und der Kreissparkasse im "Schwarzen Adler" in Stendal diese Auszeichnung vor Hunderten Gästen. Ebenso wie die weiteren fünf Geehrten aus den beiden Altmarkkreisen.

Stendal/Warnau l 941 Leserinnen und Leser der Volksstimme haben sich per Stimmzettel, Facebook oder Internetabstimmung an der Wahl zum "Havelberger des Jahres" beteiligt. Rekord! Großen Anteil daran haben die Warnauer, die ihre Kandidatin ganz vorn sehen wollten. Sie haben es geschafft. Redaktionsleiterin Andrea Schröder sagte gestern Abend in ihrer Laudatio:

"In Zeiten von Olympia sind Rekorde an der Tagesordnung. Ich denke da an die Skispringerin Carina Vogt, die als Frau das erste olympische Gold in dieser Sportart geholt hat. Oder an die erst 15-jährige Shorttrackerin Anne Seidel, die über 1500 Meter einen deutschen Rekord in Sotschi aufstellte.

An Sport, Rekorde und Frauenpower denke ich aber auch, wenn es um die Havelbergerin des Jahres 2013 geht: Iris Walther. Sie gehört dem Vorstand des SSV Havelwinkel Warnau seit bald zehn Jahren an, ist Schriftführerin, Fanbeauftragte und Übungsleiterin der Frauensportgruppe. Und vom Fußball infiziert. Das hat sie zwar mit vielen Warnauern gemeinsam. Doch hat sie eine besondere Verbindung zu den Jungs und dem Verein. Seit im Haveldorf im August 2007 die erste Männermannschaft in den Spielbetrieb einstieg und Jahr für Jahr aufstieg - heute sind sie fest in der Landesklasse etabliert -, leben die Havelwinkler im Fußballrausch.

Dass das ganze Dorf und auch viele aus den Orten ringsum hinter den Fußballern stehen, ist ein Verdienst auch von Iris Walther. Sohn Sascha gehörte zu denen, die die Gründung einer Männermannschaft vorantrieben, Sohn Eric spielt ebenfalls aktiv. Für das erste Spiel backte die heute 50-Jährige zur Stärkung der Spieler einen Kuchen, und das Fußballfieber stieg und stieg.

Dorf im Fußballrausch

Als Fanbeauftragte kümmert sie sich um Busfahrten zu den Auswärtsspielen, damit immer genug Fans hinter den Jungs stehen. Bei Heimspielen dreht sie eine Runde um den Platz, um das Eintrittsgeld von den Zuschauern zu kassieren. Ihr Bienenstich - nach dem Rezept ihrer Mutter gebacken - schmeckt wie die Kuchen der anderen Bäckerinnen immer wieder gut. Geht´s nach Training und Spielen ums Saubermachen der Sanitärräume, sind die Sportfrauen zur Stelle.

Für den Verein versucht Iris Walther ihr Glück auch bei Ausschreibungen und Wettbewerben. Etwa als der - auch mit Hilfe der ebenfalls schon ausgezeichneten Rentnerbrigade - neu geschaffene Fußballplatz dringend Sanitärräume benötigte. Der Gewinn der Sanitäranlage klappte zwar nicht, doch sprang immerhin ein kompletter Trikotsatz dabei heraus.

Rekorde wissen die Warnauer nicht nur aufzustellen, wenn es darum geht, ihren Favoriten auf dem Siegerplatz zu sehen - dieses Mal brachten sie es auf immerhin 349 Stimmen und somit 37 Prozent. Zum Beispiel halten sie mit durchschnittlich 130 Zuschauern pro Spiel in der Kreisoberliga die einsame Spitze. Und, was auf Fußballplätzen nicht unbedingt üblich ist: Die Gäste fühlen sich wohl, Zuschauer werden gar mit Stullen versorgt.

Das alles schafft natürlich keiner allein. Mit der Sportvereinsvorsitzenden Carmen Thiel an der Spitze, einem aktiven Vorstand, regen Mitgliedern und Helfern, Sponsoren und Unterstützern haben die Warnauer es seit der Gründung des Vereins im Jahr 2000 und dem sich später entwickelnden Fußballfieber geschafft, eine Dorfgemeinschaft zu bilden, die nachahmenswert ist. Dabei werden alle in dem 233 Einwohner zählenden Dorf mitgenommen und mit Volkssolidarität und Feuerwehr gibt es eine enge Zusammenarbeit.

Mit Leib und Seele Oma

,Nur grün!` ist übrigens der Schlachtruf der Warnauer beim Fußball. Ein Fingerzeig für die Buga? Diese starke Dorfgemeinschaft, die mit Einwohnern, Verwandten und Freunden so viele Leute aus ganz Deutschland zur Stimmabgabe mobilisiert hat, hat bestimmt auch dafür Potenziale und bringt das Dorf zum Blühen.

Bis dahin gilt es für die Warnauer Kicker, noch etliche Spiele zu bestreiten, und für die Fans, ihre beiden Mannschaften anzufeuern und die Daumen zu drücken. Und auch mal zu trösten und wieder aufzubauen.

Dafür ist Iris Walther prädestiniert, wie Vereinsvorsitzende Carmen Thiel sagt. ,Sie ist die Mutter unserer Fußballer. Als Lehrerin hat sie ihre ganz bestimmte Art, auf die Jungs zuzugehen.` Übrigens ist Iris Walther auch mit Leib und Seele Oma. Mit dem zweijährigen Theodor ist langfristig für Nachwuchs beim SSV Havelwinkel gesorgt."

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