Dr. Anton Schreiber behandelte gestern zum letzten Mal Patienten in seiner Schollener Praxis. Mit 77 Jahren geht er nun in den Ruhestand.

Schollene l "Ach, ein bisschen könnte ich noch! Ich fühle mich gut und die Arbeit macht mir genauso viel Spaß wie am ersten Tag!" Frohgelaunt wie immer sitzt Dr. Anton Schreiber gestern zum letzten Mal an seinem Schreibtisch in der Praxis im Schloss. Das Wartezimmer ist voll - nicht nur mit Patienten, sondern auch mit vielen, die sich verabschieden möchten. Er ist gerührt, ein klein wenig wehmütig, aber auch froh, nun endlich viel Zeit mit seiner Frau Margrit zu verbringen. "21 Jahre Wochenendehe - das ist nicht empfehlenswert, war aber nicht anders zu lösen." Dr. Schreiber verkauft nun sein Haus in Schollene und zieht nun zu seiner Frau nach Lychen in der Uckermark. "Das Haus steht auch ganz idyllisch am See, aber ich werde die Havel mit seinem Flach- und Hochwasser schon sehr vermissen." Auch seine Patienten. Durchschnittlich 80 behandelte er am Tag - oder auch in der Nacht. Egal, wann seine Hilfe gebraucht wurde, Dr. Schreiber schaute niemals auf die Uhr.

"Erst jetzt kann ich beruhigt gehen"

Zweimal schon hatte er seinen Abschied angekündigt und wieder verschoben. Denn es hätte ihm "Unbehagen bereitet, gehen zu müssen ohne einen Nachfolger". Er freut sich, dass der "freundliche und fachlich gut ausgebildete" Ben Güldenpfennig am 17. März seine erste eigene Praxis in Schollene eröffnet, "nun kann ich beruhigt gehen".

In Böhmen als sechstes von sieben Kindern einer Kleinbauernfamilie geboren, endete der Weg der Vertreibung aus der Heimat in Calvörde. In Barby ging er zur Oberschule und entschied sich für ein Physik-Studium. Doch schon bald merkte er, dass er lieber mit Menschen zu tun haben will und begann noch einmal ein sechsjähriges Medizin-Studium. Vier Jahre Arbeit als wissenschaftlicher Assistent an der Uni in Halle schlossen sich an, "abends habe ich noch Sprechstunden gehalten, weil die Ärzte schon damals knapp waren". 1970 lässt sich Anton Schreiber als Allgemeinmediziner im Saalkreis nieder, bevor er im Dezember 1973 mit seiner Familie nach Kamern kommt. Als Dr. Lose 1991 Schollene verlässt, übernimmt Dr. Schreiber die Praxis. Zwei seiner drei Kinder sind ebenfalls Arzt.

Die vielen Geschenke werden ihn an Schollene erinnern. Sicher schaut er auch mal gern vorbei. Ganz lassen kann er auch mit 77 nicht von seinem Beruf,der Berufung ist: "Wenn mal eine Vertretung gebraucht wird..."