Zum zweiten Stammtisch Kultur hatten sich Interessenten am Freitagabend in der Buchstation des Kulturprojektes Stadtinsel getroffen. Den Beginn machte ein Film über die Künstlerstadt Gmünd in Österreich.

Havelberg l Eine Autobahn, die die Stadt abgeschnitten hatte, war der Beginn dafür, dass die Stadt in den Kärntener Bergen zu veröden drohte: Leerstehende Häuser, Einwohner, die zu ihren Arbeitsorten pendelten und kaum noch zu Hause waren, abwandernde junge Leute. Resignieren wollten die Gmünder nicht. Kunst und Kultur sollten ihre Stadt künftig bestimmen. Der Film des ORF, der am Freitagabend auf der Leinwand in der Buchstation lief, zeigte auf, wie sich Kunst und Kultur in der Stadt in 20 Jahren fest etabliert haben, berichtete über Schwierigkeiten und Erfolge.

Durchhalten, Dranbleiben

Eine Kulturinitiative mit zunächst acht bis zehn Mitgliedern machte 1991 den Anfang. Inzwischen haben 15 Häuser ein künstlerisches Programm. Bilder, Zeichnungen, Antiquitäten, Objekte, Skulpturen, die das Ortsbild prägen, wechselnde Hausgalerien, bildende Kunst, Burgtheater, Garten des Staunens und anderes mehr gehören zu Gmünd. Künstler haben dort ihren Arbeits- und Wohnort gefunden. Eine Erfolgsgeschichte, die am Anfang nicht unbedingt zu erwarten war in der ländlich geprägten Region. Mittlerweile sind die Künstler und ihre Werke akzeptiert, Berührungsängste abgebaut, berichten Künstler in dem Film. Gmünd präsentiert sich als pulsierende Stadt mit Tausenden Besuchern täglich. Langes Durchhalten und Dranbleiben hat sich dort gelohnt. Dass Kunst und Kultur zu nachhaltiger Stadtentwicklung beitragen können, ist das Fazit des Films.

Parallelen zu Havelberg gibt es einige, auch wenn die Menschen hier noch auf eine Autobahnanbindung warten und so viele Besucher wie in der beliebten Urlaubsregion Kärnten wohl maximal zur Buga erreicht werden können. Doch auf dem Weg zur "kleinsten Kulturhauptstadt Europas" hat sich in und um Havelberg schon einiges entwickelt in den vergangenen Jahren. "Wir sind auf einem guten Weg", schätzte die Vorsitzende des Kulturprojektes Karin Laurenz denn auch ein. Und der Initiator Reinhart Richter sah sich darin bestätigt, dass langfristiges Dranbleiben an Kunst und Kultur gute Chancen zur Entwicklung einer Stadt bietet.

Um die Kräfte zu bündeln und gemeinsam an einer positiven Entwicklung zu arbeiten, war nach einem Kulturworkshop im vergangenen Jahr der Stammtisch Kultur ins Leben gerufen worden. Auf diesem ging es am Freitag unter anderem um das E-Mail-Portal, das aufgebaut werden soll, um alle Interessenten zu verknüpfen und den Informationsfluss so schnell wie möglich zu realisieren. Zudem war ein Monatsplakat für Termine in Havelberg und Umgebung Thema. Reinhart Richter nannte Finanzierungsmöglichkeiten. Für die Sammlung der Veranstaltungsinformationen schlug er die Touristinformation der Stadt vor. Grundsätzlich sei das machbar, sagte Bürgermeister Bernd Poloski. Dort sollen ohnehin alle Termine zusammenlaufen und seit Jahren werden sie für eine Jahresübersicht dort auch zusammengestellt. Doch gibt es bereits dabei das Problem des Nachtelefonierens, weil nicht jeder mitmacht. Hier war sich die Runde allerdings einig, dass sich Begehrlichkeiten von selbst entwickeln, wenn man auf dem Monatsplakat mit seiner Veranstaltung nicht erscheint. Waldtraut Henschel warnte in diesem Zusammenhang vor einer Plakatflut. Es sollten vorrangig die Orte für Informationen genutzt werden, die bereits vorhanden sind.

Gespräch mit Gastwirten

Christine Foege berichtete von der guten Entwicklung des Vereins "Kunst im Rathaus". Kurator Klaus Schröter vom Kulturprojekt Stadtinsel informierte über die Galerietätigkeit in der Langen Straße. Er gab einen Ausblick aufs Buga-Jahr. Künstler, die in Havelberg arbeiten und wohnen, gab und gibt es bereits. Malerpleinairs könnten wieder aufleben. Das Ehepaar Weber aus Berlin schlug geführte Wandertouren vor. Der nächste Stammtisch Kultur soll sich mit Blick auf die Bundesgartenschau 2015 mit diesem Thema befassen. Ein Treffen ist zudem mit der Dehoga geplant, um Interessen des Kulturbereiches mit touristischen Dienstleistern abstimmen zu können.

Zum Vormerken: Der nächste Stammtisch findet am Mittwoch, 16. April, ab 18 Uhr in der Buchstation statt.