Märchenhaft hinreißend und sagenhaft gut präsentierte sich der Kamernsche Karnevalsklub KKK in seiner am Sonnabend beendeten Saison.

Kamern l So mancher der Gäste wird wohl am Sonntag einen anständigen Kater gehabt haben. - Nein, nicht (nur) vom Alkohol, sondern vom Lachen. Denn das Programm des KKK hatte es in sich: Rotkäppchen und der lüsterne Wolf, besenschwingende Hexen, Aschenputtel mit eingebildetem Prinzen und die tanzenden sieben Zwerge gaben sich ein Stelldichein im Gemeindesaal.

Schon beim Einmarsch des Elferrates ging es dem Motto gemäß märchenhaft zu: "Hand in Hand ins Märchenland" wollte der KKK die Jecken entführen. Hexe, Jäger, gestiefelter Kater oder Rotkäppchen waren vertreten. Neu war das Prinzenpaar Daniela I. und Norbert I., wobei der Prinz sogar sein Debüt als Büttenredner hinlegte. Er spann den Faden vom Märchenerzähler Wilhelm Busch hin zum US-Präsidenten George Bush, welcher das Märchen von den Atomwaffen im Irak erfand. Oder erwähnte Ex-Minister Norbert Blüm, dessen Rente sicher sein sollte.

Die ganz in Grün gekleidete Garde und gleich zwei Tanzmariechen eröffneten nach der Proklamation ("wer glaubt, es sei nun an der Zeit, der küsse seinen Wowereit") das abwechslungsreiche Programm. Als Moderatoren fungierten Arno Brandt und Guido Krull.

Erster Büttenredner war René Strawinski, er lobte den Mann als Krone der Schöpfung und bedauerte dessen Niedergang in der heutigen emanzipierten Zeit. Nun absolviere er einen Haushaltskurs mit Rentnern und Schwulen.

Hans Rduch als Sänger

Verkleidet als Andreas Gabalier kam Hans Rduch als Solosänger mit rauchiger Stimme daher. Die "goldene Stimme von der Sandbergkurve" musste sogar eine Zugabe abliefern. Natürlich war auch Michelle Gortat wieder als Sängerin dabei, unter anderem mit dem Deutsche-Welle-Hit vom Knutschfleck. Und die Schunkelrunden bestritt "Sängerin" Klaus Wabbel.

Ein weiteres Debüt gab Antje Klose, sie las als Märchenoma vor. Weil ihr Enkel die alten Wörter wie "holde Maid" nicht verstand, wollte sie eine moderne Märchensprache erfinden. Doch fehlen dann Gefühl und Spannung.

Sogar an das Thema "Flutkatastrophe" wagten sich die KKK-Jecken - mit der Bitte, das Gesagte nicht zu ernst zu nehmen. Jürgen Brandt und Guido Krull betraten zum Lied "Jetzt fahr`n wir über`n See" als Flutopfer den Saal. Er habe mit dem Schiff mal schnell den Pegel am Kiosk abgelesen, sagte Guido Krull. Sonst laufe ja immer alles an Kamern vorbei - nur diesmal nicht, hieß es zum Lied "Wann kommt die Flut?" Der Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck wollte Kamern evakuieren, dabei bekomme er nicht mal seinen Flughafen fertig. Und die Hedemicke sei als Anleger für das Kreuzfahrtschiff "Queen Marie" im Gespräch.

Die Kanzlerin habe sich den Hintern aufgerissen, lästerten sie weiter ab - allerdings beim Skilaufen, nicht nach der Flut. Diese betrat dann zusammen mit dem Bürgermeister das Parkett. - In die Rolle des letzteren war Arno Brandt geschlüpft, natürlich gab es gleich Kommentare wegen einer möglichen Amtsnachfolge.

"Neues aus dem Märchenland" berichtete Lügenbaron Münchhausen, in dessen Gewand Dietrich Staats steckte: Weil die Schweiz keine Ausländer mehr reinlasse, befürchtet Klaus-Peter Liermann, nicht mehr an sein Geld zu kommen. Kamern wird zentraler Schulstandort und Dr. Anton Schreiber Dopingsachverständiger bei Olympia. Hubert Aselmeyer wird leider kein Agrarminister, weil er nach der Polderflutung weiterhin auf eine komplette Entschädigung beharrt. Und die Nachfolge des Jederitzer Ortschaftsrates sei gesichert, jedes Mitglied bekommt im Monat 2000 Euro...

Märchenhaft waren die Tänze der Frauen - sie kamen besenschwingend als Hexen daher - sowie der Männer, die als Zwerge mit mehreren Schneewittchen tanzten.

Urkomische Sketche

Die beiden letzten Sketche hatten es in sich: Hinter einer Leinwand wurde das Stück vom Aschenputtel und dem eitlen Prinzen (Hans Rduch) urkomisch aufgeführt. Den Höhepunkt lieferte allerdings Familie Albrecht aus Kuhlhausen ab, welche dem Märchen vom Rotkäppchen und dem Wolf eine moderne Fassung gab: Die Szenen wurden untermalt von deutschen Hits. Der Saal tobte, es blieb denn am Ende wohl kein Auge trocken.

   

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