Bevor am heutigen Donnerstagabend um 19 Uhr der Stadtrat beginnt, sind Interessierte eine halbe Stunde vorher zur Preisverleihung für den Kunstwettbewerb zur Übergabe des Bernsteinzimmers in Havelberg willkommen. Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein haben Entwürfe erarbeitet.

Havelberg l Als sich der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. und der russische Zar Peter I. im November 1716 in Havelberg wegen der antischwedischen Koalition trafen, erhielt der Zar als Gastgeschenk das Bernsteinzimmer. Dieses historisch bedeutende Ereignis soll künftig auf dem Domplatz künstlerisch dargestellt werden. Zusammen mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein hatte die Stadt einen Wettbewerb ausgelobt, eine Jury wählte aus den sechs Entwürfen die drei Erstplatzierten aus (wir berichteten).

In den vergangenen Wochen waren die Kunstobjekte im Kleinformat im Obergeschoss des Rathauses ausgestellt. Bis zur Bundesgartenschau soll das Siegerobjekt als Kunstwerk fertig sein.

Der erste Preis geht am heutigen Abend an Anton Schumann. Er stellt den Preußenkönig und den russischen Zar in Lebensgröße dar. Die Bronzefiguren, die rechterhand vor den Stadtwerken aufgestellt werden sollen, könnten zu ihren Füßen ein Bernsteinmosaik haben. Zudem sein weitergehender Vorschlag: Aus einem alten Automaten im Rücken ziehen sich Besucher alte Postkarten.

"Vorhanden (Was heißt verschollen?)" haben Johannes Fötsch und Elisabeth Oertel ihre Arbeit überschrieben. Sie erhalten den zweiten Preis. Am Anfang ihrer Arbeit standen Interviews in Havelberg zu dem Thema und die Idee, das historische Ereignis ins Hier und Jetzt zu setzen. Sie fragten, wie das Zimmer wohl transportiert wurde und auch, gegen was die Befragten es eintauschen würden. Verschiedene Wortfetzen wie Kiste, Stein, Holz und Schiff übersetzten sie in ihre künstlerische Sprache und schufen eine Skulptur, die Tauschhandel, Austauschbarkeit und Zerlegbarkeit darstellt. Der Betrachter könnte die Skulptur betreten, berühren und Teil der Installation werden.

Der dritte Preis geht an Julia Eichler. Sie hat das Thema Schenken künstlerisch verarbeitet und dabei auch die Langen Kerls integriert, die der Soldatenkönig vom Zaren bekam. Ihre Bronzefigur wäre 3,60 Meter hoch und erinnert durch ihre Größe und Uniformzitate an einen "Langen Kerl". Bestimmt würde sie durch schmuckvolle Struktur, Textur und Formgebung, die den Bezug zum prächtigen Bernsteinzimmer und zu den herrschaftlichen Schenkenden herstellt, heißt es in ihrem Konzept. Die Skulptur wäre in den Boden eingelassen, ihre Beine bildeten eine Art Tor, durch die der Besucher tritt.

Weiterhin haben Katja Neubert, Tobias Golde und Jana Mertens Kunstobjekte entworfen. Auch diese Entwürfe sind in der Ausstellung zu sehen.

   

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