Rainer Mech wird auch in den nächsten sechs Jahren der Jederitzer Wehr vorstehen - er erhielt auf der Jahreshauptversammlung die Stimmen aller Aktiven. Stellvertreter ist Chris Pommerening.

Jederitz l Grob gerechnet 7200 Stunden für einen Einsatz - das gab es sicherlich noch nie in der Geschichte der Jederitzer Feuerwehr. Und doch forderte die schlimme Flutkatastrophe im Vorjahr diesen enormen Zeitaufwand, wie Rainer Mech informierte. Dabei habe er noch relativ günstig gerechnet, versicherte er.

"Ihr habt Vorbildliches geleistet, die Feuerwehr hatte hier bei der Deichverteidigung den größten Beitrag erbracht", lobte denn auch Dienstherr und Bürgermeister Bernd Poloski aus Havelberg. Die Evakuierung der Jederitzer sei gerechtfertigt gewesen, denn den Ort bedrohte nicht nur der geflutete Polder, sondern auch die aus Fischbeck heranströmenden Wassermassen.

"Unser Dorf wurde nicht weggespült", resümierte der Wehrleiter in seinem Bericht, dennoch waren alle Beteiligten arg gestresst - und nicht jeder konnte damit umgehen. Bei den ersten Beratungen war in Havelberg noch eingeschätzt worden, dass keine Sandsäcke in Jederitz nötig wären - dann jedoch brach in Fischbeck der Deich...

Am Ende musste dann doch noch allerhand Sand durch die Gegend gekarrt werden, mit Muskelkraft und Schubkarre, anders war kein Herankommen an den Polder. Nach der Evakuierung waren nur noch die Feuerwehrleute vor Ort verblieben - sowie zwei, drei Unbelehrbare. Trotz der schwierigen Zeit hatte es eine tolle Zusammenarbeit gegeben, schätzte Rainer Mech ein. Sein Dank ging an die Jederitzer, welche die Aktiven versorgten, an den Bauhof aus Havelberg und an die Stadtverwaltung. Falko Leue und Christian Ahrens drehten etliche Runden auf den Schutzwällen und sorgten mit ihrem Fachwissen dafür, dass der Deichriss dennoch beherrscht werden konnte - dafür stapelten die beiden um die 5000 Sandsäcke. Und die Dachtechnik-Firma sowie LATI aus Havelberg versorgten mit Material und Technik.

Brände, Unfall und umgestürzte Bäume

Die Flut wurde als ein Einsatz gezählt, weitere sieben kamen in 2013 hinzu. In der Lindenstraße und am Weinberg in Havelberg standen Wohnhäuser in Flammen, wobei auch ein Todesopfer zu beklagen war. Auch bei den Fahrzeugbränden in der Havelberger Kaserne waren die Jederitzer zugegen. Kurz vor Garz mussten auslaufende Flüssigkeiten nach einem Unfall aufgenommen werden - der Meldende hatte keine Ortskenntnisse gehabt, weshalb irrtümlich Jederitz alarmiert wurde. Und auf den Straßen nach Havelberg und Kuhlhausen waren umgekippte Bäume zu beseitigen. Zudem gab es eine Übung an der Havelberger Schule mit zwei "Vermissten". Insgesamt 16 Kameraden waren an den Einsätzen beteiligt, sie leisteten dabei 85 Einsatzstunden.

Ansonsten ist die Einsatzbereitschaft in der Woche nicht gegeben, viele der nunmehr 13 Aktiven arbeiten auswärts - teils die gesamte Woche über. Auf der Versammlung meldete sich ein Ehemaliger zurück: Andy Pommerening will jetzt wieder mitarbeiten. Rainer Mech kritisierte, dass mit hohem Aufwand Aktive ausgebildet werden, die mit 18 Jahren, wenn sie endlich an Einsätzen teilnehmen könnten, wegen der Arbeit wegziehen. Und die anderen werden nicht jünger.

In dem Zusammenhang verwies Rainer Mech auf den Landkreis Stendal: Vor elf Jahren gab es in den 202 Wehren noch 4603 Aktive, jetzt sind es nur noch 3939. Im Land ging die Anzahl gar um 5000 Leute zurück. Die Einsätze werden hingegen nicht weniger. Rainer Mech rief die verantwortlichen Politiker auf, das oft nicht leichte Ehrenamt der Feuerwehrleute mit ordentlicher Technik und Ausstattung zu fördern - ansonsten wird die negative Personaltendenz kaum zu stoppen sein.

Vielleicht meint er damit auch das eigene Löschfahrzeug - es wurde noch zu DDR-Zeiten im Jahre 1989 gebaut. Bei der Hauptuntersuchung wurden Mängel festgestellt, die aber sofort beseitigt wurden. Der W50 verfügt über ein analoges und ein digitales Funkgerät, zudem besitzen die Jederitzer vier analoge Funkgeräte. Der Fußboden im Gerätehaus blieb im letzten Winter zum Glück unauffällig - nachdem in den Jahren zuvor bereits die anderen drei Quadranten nach und nach saniert werden mussten. Im Gebäude fehlt noch immer eine Absauganlage für die giftigen Abgase des Fahrzeuges, die Unfallkasse drängt schon seit Jahren auf deren Einbau und wird wohl bald wieder prüfen.

Digitalfunkgeräte und Scheinwerfer beantragt

Gut ausgestattet sind die Jederitzer mit Einsatzuniformen, auch dank der guten Zusammenarbeit mit Silke Lisges vom Ordnungsamt.

Für dieses Jahr wurden Schutzhandschuhe für die technische Hilfe, drei digitale Funkgeräte und zwei Handscheinwerfer beantragt. Für die zehn kompletten Dienstbekleidungen, die ebenfalls beantragt wurden, sollen zudem die Geldspenden von Hans Tipp und Reinhart Richter in Höhe von 550 Euro verwandt werden.

Spenden gab es nach der Flut auch von anderen Jederitzern - und zwar insgesamt 520 Euro. Dazu verlas der Wehrleiter drei Dankschreiben. Von dem Geld wird unter anderem die Jahresverhauptsammlung bezahlt.

Turnusmäßig stand die Wahl der Wehrleitung auf dem Plan. Als neuer Stellvertreter wurde Chris Pommerening vorgeschlagen, er muss sich nun noch qualifizieren. Er und Ortswehrleiter Rainer Mech erhielten die Stimmen aller anwesenden Aktiven für die sechsjährige Amtszeit.

Ins dörfliche Leben bringen sich die Aktiven ebenfalls regelmäßig mit ein. So wurden das Osterfeuer abgesichert und der Maibaum aufgestellt - dieser stand im Vorjahr wegen der Flutwirren etwas länger als geplant im Dorf. Rainer Mech kritisierte, dass die Wehr vom Kulturfonds zwar 150 Euro abbekommen habe, aber noch immer auf den vom Ortsverein versprochenen Werkzeugkoffer warte.

Große Reserven sieht er bei der Aus- und Weiterbildung. Zwar wurden insgesamt zehn Lehrgänge besucht - allerdings nur von drei Aktiven.