Kunst, Krempel oder gar Kitsch? Diese Frage haben sich über 70 Besucher der Ausstellungseröffnung im Prignitz-Museum selbst beantwortet. Museologin Sabine Ball hat aus Tausenden im Depot schlummernden Exponaten eine interessante Auswahl getroffen, die unter dem Titel "Drei Schweine auf einem grünen Sofa" bis zum 1. Juni zu sehen ist.

Havelberg l Was zum Teil seit Jahrzehnten in Kisten der Museumssammlung gut aufbewahrt ist, hat Sabine Ball nun ans Tageslicht befördert und es im östlichen Kreuzgang zur Schau gestellt. Dass die "Drei Schweine auf einem grünen Sofa" mit in diese Sonderausstellung kommen, war ihr von Anfang an klar.

Zeitungen seit 1864

Diese kleine Vase aus der Zeit um 1900 zählte zur langen Reihe der Nippes-Figuren, welche im Speicher des Museums aufbewahrt sind. Die Bezeichnung ist ein Zitat aus einem Hilfs-Inventarbuch des Museums. Seit der Gründung des Havelberger Prignitz-Museums vor 110 Jahren haben sich viele Stücke angesammelt, die zum Teil Geschenke der Einwohner der Stadt und der Region sind. Sabine Ball berichtet von rund 10000 Exponaten, 5000 Büchern sowie Havelberger Zeitungen von 1864 an. Die Ausstellung zeigt Querbeet ein Sammelsurium an Kunst und Krempel. Manches ist so verschlissen, dass es normalerweise nicht vorzeigenswert ist. So wie die Recamiere, ein Sofa nach antikem Vorbild. Sabine Ball hat es mit in die Ausstellung genommen und fragt ebenso wie zu einem laienhaften Gemälde, das den Havelberger Arzt Cothenius zeigt, ob man viel Geld für die Restaurierung ausgeben sollte. Die Besucher der Ausstellung können dazu ihre Meinung abgeben.

Überhaupt sind die Besucher gefragt. Etwa bei der Gestaltung des hinteren Raumes, der noch recht leer ist. Edeltraud Weland, Waldtraut Henschel, Max Tietze und Jan Kienapfel stellten bereits Lieblingsstücke dafür zur Verfügung. So ist es auch gedacht: Einwohner der Region können ihre Sammlerstücke für die Zeit der Sonderausstellung am besten mittwochs ins Museum bringen und die Geschichte dazu auf ein DIN-A-4-Blatt aufschreiben.

Gesucht sind auch Sprüche aus Poesiealben, bat Sabine Ball um Mithilfe bei der Gestaltung einer lebendigen Ausstellung. Möglicherweise wird sie auch noch durchs Museum um das eine oder andere Stück ergänzt. Denn wegen des zum Hochwasser notwendigen Ausräumens des Depots wurde noch nicht alles gefunden, was mit in die Ausstellung sollte.

Süße Erinnerung

Havelbergs singender Goldschmied Lars Kripke zeigte zur Eröffnung wieder einmal sein musikalisches Können. Inspiriert von Ausstellungsstücken sang er etwa "Mein Papagei frisst keine Eier" und "Ich hab das Fräulein Helen baden sehn". Und was passt besser zum Ausstellungstitel als "Kein Schwein ruft mich an"? Sabine Ball dankte ihm sowie ihren Mitarbeitern, die bei der Vorbereitung der Ausstellung mitgeholfen haben. Zugleich schickte sie beste Genesungswünsche an ihre erkrankten Kollegen, zu denen auch Museumsleiter Frank Hoche gehört, der die Gäste begrüßen wollte.

Drei kleine rosa Schweinchen gab es auch zum Mitnehmen. Wer für das zu restaurierende Bild des Fräuleins Schmok vom Havelberger Schmokenberg spendete, erhielt sie als süße Erinnerung.

   

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