Deichsanierungen und Neubauten im Wert von 25 Millionen Euro laufen in diesem Jahr an. Das und vieles mehr erfuhren die Teilnehmer einer Versammlung der Bürgerinitiative für Hochwasserschutz (BI) im Schullandheim Klietz.

Klietz l Beim Hochwasserschutz müsse man strategisch vorgehen, er funktioniere nur im Gesamtgebiet eines Flusses - also von der Quelle bis zur Mündung, erklärte Burkhard Henning, der Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft LHW. Deshalb müssen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene Maßnahmen ergriffen werden. So müssen Retentionsräume in den Entstehungsgebieten des Hochwassers gesucht werden, um bereits dort Rückhaltemöglichkeiten zu schaffen. Auch die Talsperrenbewirtschaftung zählt dazu.

Der LHW-Direktor berichtete von einer Region, wo es große Widerstände gegen den geplanten Bau eines Flutpolders gegeben hatte - nach der Flut hatte sich dies zum Glück geändert. Wichtig sei auch die Information der Bürger. Allerdings stellte er klar: "Einen absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht."

Im Bundesland gibt es 1300 Kilometer Deiche, allein mit Fachberatern des LHW können diese im Extremfall nicht abgesichert werden. Deshalb wird der LHW künftig externe Fachleute über Rahmenverträge mit ins Boot holen. Diese werden auch an Deichschauen oder Schulungen teilnehmen.

Bei künftigen Deichbauten werden die Lehren aus 2013 mit einfließen, erklärte Reinhard Kürschner, der zuständige Flussbereichsleiter des LHW. Das bedeutet, dass sie noch etwas höher und breiter errichtet werden. Bislang hatte als Bezugspegel der Hochwasserstand von 2002 in Tangermünde gedient: 7,68 Meter. Hinzu kam noch ein Meter Freibord als Sicherheit - im Vorjahr blieben da nur noch 30 Zentimeter übrig. An manchen Deichen wie in Hohengöhren blieb sogar nichts mehr frei - für diesen enormen Druck waren die Wälle nicht ausgelegt. Nun beträgt die Vorgabe acht Meter.

Größtes Vorhaben in der Elbe-Havel-Region ist der Neubau des Deiches von Fischbeck nach Jerichow auf über sieben Kilometern Länge. Baugrund- und Standsicherheitsuntersuchungen waren bereits nach 2002 erfolgt, Auffälligkeiten hatte es an der Bruchstelle dabei keine gegeben.

Saniert wurde dort, wo der Bedarf am dringendsten war. An den Deichen auf der anderen Elbseite stimmten die Höhen nicht, deshalb wurde dort durchsaniert. Derzeit befasst sich ein angehender Ingenieur mit dem Thema Deichhöhen.

Neue Höhenvorgaben

Dieses Jahr wird mit dem Bau in Fischbeck begonnen, der Abschnitt Schönhausen IV war stark gefährdet, er ist nun in der Planung, der dritte Abschnitt ist fertig. In Hohengöhren wird ab Juni komplett saniert, hier hatte es 2013 mehrere Abrutschungen gegeben. Reinhard Kürschner zeigte eine Karte zum Deichzustand - grün war ohne Handlungsbedarf, rot mit. Zwischen Schönhausen und Neuermark-Lübars war die Linie komplett rot, vor allem stimmen die Höhen nicht. Diese stimmen nun auch um Sandau nicht mehr, wo eigentlich schon alles fertig war.

Die Deichrückverlegung in Sandau-Nord könnte im Oktober beginnen, das Material vom Altdeich soll nach dessen Schlitzung für die Rückverlegung im Südbereich verwandt werden. Laut Plan soll diese 2018 beginnen, vielleicht auch früher. Eine Studie soll zudem prüfen, ob auch in Neuermark-Lübars eine Deichrückverlegung sinnvoll ist.

Eine sehr teure Baumaßnahme wird auch das Wehr Neuwerben, hier soll dieses Jahr vorerst eine Brücke saniert werden. Saniert werden soll in diesem Jahr auch ein drei Kilometer langer komplizierter Abschnitt zwischen Havelberg und Nitzow und bei Quitzöbel stehen 1,7 Kilometer in der Planung.

Ob die fertigen Deichbauten bei Schönhausen noch eine Berme erhalten, wurde gefragt.Nach 2002 hatte man dies nicht für nötig befunden, antwortete Reinhard Kürschner. Jetzt werden Neubauten generell mit Berme errichtet, in Schönhausen wird dies nachgeholt.

Gefragt wurde auch, warum nicht alle neun Durchlässe der ICE-Strecke mit Dammbalken verschlossen werden können - früher war dies üblich. Das liege in Verantwortung der Bahn, sagte Reinhard Kürschner. Überhaupt hatte es bei der Flut heiße Diskussionen darüber gegeben, ob sie als "zweite Verteidigungslinie" verschlossen werden sollten.

Ein Vorschlag kam, dass man die Elbe für einen besseren Abfluss der Flut ausbaggern müsse. Das sei fürs Hochwasser nicht relevant, kam die Antwort von Burkhard Henning. Der Strom grabe sich ohnehin in sein Bett, das Wasser- und Schifffahrtsamt gibt dagegen sogar Sedimente zu.

Alle Polder geflutet

Alfred Henschke hatte erfahren, dass im Land Brandenburg nicht alle Havelpolder geflutet worden waren. Das war jedoch nicht korrekt, alle sechs Polder wurden 2013 geflutet.

Es fehlen beim Hochwasserschutz in der Region begleitende Maßnahmen, kritisierte BI-Vorsitzender Arno Brandt. So müssten seiner Meinung nach die Orte durch Ringdeiche geschützt werden. Der LHW sei nur für die erste Verteidigungslinie zuständig, eine zweite nicht möglich - und auch nicht geplant, antwortete Burkhard Henning. Eventuell müssten hierbei die Kommunen selbst die Initiative ergreifen - so wie in Merseburg. Er kündigte an, dass zusammen mit zwei Hochschulen Bruchszenarien für die Region erstellt werden. Dann wisse man, wann wo wieviel Wasser ankommen wird. - Solch Modell wäre im Vorjahr hilfreich gewesen.

In der Bürgerinitiative haben sich vier Arbeitsgruppen gebildet. Sie befassen sich mit zukunftsorientiertem Hochwasserschutz, dem Katastrophen-Management - hierzu wird im Mai oder Juni die nächste Veranstaltung stattfinden, mit Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz sowie mit Politik und Öffentlichkeitsarbeit.

In Kürze soll auch eine Homepage ins Netz gestellt werden, doch kostet das einige hundert Euro - wofür die Gruppe um Spenden bittet.