Havelberg l Malerei, Zeichnung und Skulptur wird in der neuen Ausstellung des Kulturprojektes Stadtinsel Havelberg ab Sonntag, 23. März, präsentiert. Anna Koszinowski ist die junge Künstlerin, die ihre Werke erstmals in Havelberg zur Schau stellt. Interessenten sind zu 14 Uhr in der Galerie Lange Straße 1 willkommen.

Konzentration auf die Arbeit

Anna Koszinowski hat die Hansestadt zunächst für ein Jahr als ihre neue Heimatstadt gewählt. Seit November vergangenen Jahres arbeitet sie auf dem Künstlerhof des Kulturprojektes in der Langen Straße 10 und hat auch eine Wohnung auf der Stadtinsel. Nach ihrem Studium in Berlin und der Zeit als Meisterschülerin von Pia Fries wollte die gebürtige Thüringerin eine Auszeit von der Großstadt. Mit dem Angebot für junge Künstler, in Havelberg zu leben und zu arbeiten, fand sie genau das Richtige.

"Ich erlebe hier eine andere Art von Freiheit, ich kann mich ausprobieren und vielleicht auch wichtige Entscheidungen dazu treffen, wohin die Entwicklung gehen soll", sagt die 31-Jährige. Für die ersten Bilder, die sie hier im Atelier anfertigt, entschied sie sich für Tiermotive. Eulen, Fuchs, Hirsch und Wolf hat sie auf Leinwand gebannt. "Durch die Entscheidung für ein Motiv fiel es mir einfacher, mich wieder der Malerei anzunähern. Das Motiv begreife ich als Mittel zum Zweck, ein tiefer greifendes Interesse steckt nicht hinter der Wahl des Motivs. Mittlerweile arbeite ich wieder freier, hier liegt auch mein malerisches Interesse", erklärt sie. "Ich kann mich hier im Atelier voll auf meine Arbeit konzentrieren, das ist das, was ich wollte. Ich habe keine Ablenkung. Und wenn ich wieder draußen bin, genieße ich die herrliche Natur. Havelberg ist eine wunderschöne Stadt. Ich kenne die Gegend schon seit meiner Kindheit, mein Opa ist in Wulkau zu Hause", berichtet Anna Koszinowski.

Nach der Schulzeit in Thüringen ist sie nach Bielefeld gegangen, wo sie ihre Ausbildung zur Diätassistentin absolvierte und die Hochschulreife erlangte. Kurze Zeit verbrachte sie in Australien, bevor sie sich ihren Wunsch erfüllte, zum Studium nach Berlin zu gehen. Zunächst wählte sie das Lehramt für Kunst und Geschichte. Durch Bekannte, die ihre Bilder in ihrer Wohnung gesehen hatten, wurde sie ermuntert, sich für ein künstlerisches Studium einzuschreiben. Sie studierte an der Universität der Künste (UdK) Bildende Kunst in der Fachklasse Malerei bei Prof. Pia Fries. "Das schöne an der Uni war, dass man Freiraum hatte und sich ausprobieren konnte", berichtet die junge Frau von abstrakter Malerei, bildhauerischen Arbeiten und einem Video als Abschlussarbeit.

Unterstützung bekommt sie vom Galeristen des Kulturprojektes Klaus Schröter. Er weiß um die Schwierigkeiten von Künstlern. "Ateliers sind selten und teurer geworden. Die Künstler werden nach draußen verdammt. Hier in Havelberg haben sie aber trotzdem eine relative Nähe zur Großstadt", sagt er. Die Vorteile sehen offensichtlich auch andere Künstler. "Wir haben viele Anfragen zur Arbeit auf unserem Künstlerhof", berichtet Vereinsvorsitzende Karin Laurenz.

Anna Koszinowski empfindet es als Privileg, sich als freischaffende Künstlerin ganz ihrem Beruf widmen zu können. Das sieht Klaus Schröter als sehr wichtig an. "90 Prozent der Künstler können nicht ausschließlich von ihrer Kunst leben, sie sind auf andere Verdienstmöglichkeiten angewiesen. Dabei ist ihre Motivation hoch und es ist wichtig, dass sie ihre Identität behalten."

Künstler werden unterstützt

Das Kulturprojekt hat sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Deshalb bietet es mit dem Künstlerhof gute Voraussetzungen. Und unterstützt auch bei der Möglichkeit, die Werke auszustellen. Seit 2010 hat sich Anna Koszinowski an mehreren Ausstellungen beteiligt, unter anderem im Schloss Bellevue und im vorigen Jahr an der Meisterschülerausstellung der UdK in Berlin. An diesem Sonntag freut sie sich auf ihre eigene Ausstellung in der Galerie Lange Straße 1 und auf viele interessierte Besucher.