Havelberg l Am Freitagabend stand ein ganz Großer, auch vom Wuchs her, auf der Bühne des Saals im Havelberger ArtHotel "Kiebitzberg". Dieter Moor hatte etwa 250 Gäste hierher gelockt. Damit war der große Saal des ArtHotels bis auf den letzten Platz gefüllt. Lange war er ein Geheimtipp, der baumlange Schweizer mit kantigem Kinn, der überaus geistreich Kultursendungen wie "ttt - Titel, Thesen, Temperamente" und "Canale grande" moderiert. Aber seit Dieter Moor mit Gattin, vier Eseln, vier Enten, einer Stute, einigen Hündinnen und Katzen auf einen Bauernhof ins Brandenburger Land zog, kennt ihn die halbe Republik.

Besucher üben sich schon vor der Lesung im Lachen

Der Gegensatz von Stall und Studio, warmherziger Provinz und kalter Medienwelt ist unwiderstehlich. Seinen Erfolg verdankt Dieter Moor vor allem der gedankenhellen Selbstironie, mit der er sein Leben als Landmann schildert. Die Zuhörer, die auch zum Teil eine weite Anreise hatten und von denen viele direkt vom Frühlingsmenü aus dem Restaurant herüberkamen, lachten schon in Erwartung der Geschichten aus der "Arschlochfreien Zone".

Der "kleine Schweizer" ist immer mit dabei

Nachdem alle ihren Platz gefunden hatten, begann das Programm. Hotelchefin Renate Lewerken begrüßte Dieter (Max) Moor, den "Brandenburger mit Migrationshintergrund". Und sofort ließ er seine Figuren auf der Bühne lebendig werden. Den Großvater, Bauer Müsebeck, Schwester Alma und Helena, die Babuschka und Iwan den Schrecklichen. Immer dabei, der "kleine Schweizer" mit seinen Anmerkungen. Wir wissen jetzt, dass ein Treffen "um Mittag" in Brandenburg auch gegen 17 Uhr stattfinden kann, in der Schweiz jedoch weder um 11.59 Uhr noch um 12.01 Uhr, sondern um zwölf (12.00 Uhr).

Der Moor wird zum Tannenmörder

In feinem Humor, Selbstironie und einfach nur urkomischen Szenen ließ der stimmgewaltige Dieter Moor das Brandenburger Landleben vor dem Publikum Gestalt annehmen. Die Zuhörer lauschten gespannt, wollten keine Pointe versäumen, wenn vor ihren Augen Alma im blutigen Morgenmantel auf der Dorfstraße erschien, wenn Bauer Krüpki das Drama um den Bau seiner Terrasse erzählte oder wenn der Moor selbst zum Tannenmörder wurde.

Immer wieder brandete Beifall auf, unterbrach Gelächter den Vortrag, wenn Dieter Moor seinen Figuren gekonnt eine stimmliche Identität verlieh. Es gab keinen Zweifel darüber, ob gerade Alma oder Krüpki auf der Bühne präsent waren und wenn das sich überschlagende "Dietaaa..." ertönte, stand Sonja Moor leibhaftig im Raum.

Peter Sodann gestaltet einen Abend im Herbst

Nach der Lesung nutzten viele Besucher noch die Gelegenheit, bei einer Signierstunde mit Dieter Moor ins Gespräch zu kommen.

"Nach Dieter Hildebrand, der im Juli 2013 hier war, hatten wir mit Dieter Moor wieder einen Großen seines Faches zu Gast in Havelberg. Für den Herbst hat das ArtHotel einen Abend mit Peter Sodann organisiert. Zusammen mit der Reihe ,Kiebitzberg in Concert` entsteht damit in der Domstadt ein weiteres Kulturangebot der Extraklasse für die Region", meinte Renate Lewerken zum Abschluss.