Weihnachten auf dem Rhein. Nicht auf einem Hotelschiff, sondern auf einem Schubboot war der Nitzower Christian Kirchhoff auf dem Fluss Richtung Rotterdam unterwegs. Alltag für den 26-Jährigen, der sich freute, Silvester zu Hause sein zu können.

Nitzow. Ein Beruf, der mit dem Wasser zu tun hat, war schon lange der Wunsch von Christian Kirchhoff. "Mit meinen Eltern habe ich früher oft auf der Spülinsel in Havelberg gezeltet, ich bin auf dem Wasser groß geworden", erzählt er. Er beobachtete die Schiffe, fuhr selbst mit dem Boot, angelte gern. Doch bevor er sich auch beruflich aufs Wasser begab, lernte er zunächst beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Havelberg den Beruf des Wasserbauers. "Da ist man mehr an Land unterwegs, sorgt dafür, dass die Schiffe fahren können." Nach der dreijährigen Lehre wurde er für ein Jahr übernommen, es herrschte Einstellungsstopp. Danach begann er seine zweite Ausbildung. Auf einem Schulschiff in Duisburg ließ er sich weitere drei Jahre zum Matrosen ausbilden und blieb beruflich in der Stadt am Rhein.

Die Imperial Reederei Duisburg ist sein Arbeitgeber, eingestellt ist er über Luxemburg. Alle 14 Tage geht er an Bord des Schubbootes "Herkules XVI" und transportiert gemeinsam mit seinen Kollegen Kohle oder Eisenerz auf Leichtern zwischen Duisburg und Rotterdam. So war es auch zu Weihnachten. Zwei Tage vor Heiligabend begann sein Dienst. Dieses Mal aber auf "Herkules VI". "Unser Schiff hatte in Düsseldorf Neuss im Hafen festgelegen", erzählt Christian Kirchhoff. Die Eisenbahnbrücke dort ging wegen des Hochwassers nicht mehr hoch, die Schiffe kamen nicht aus dem Hafen raus.

Von Duisburg aus, wo sich die Schiffsbesatzung alle zwei Wochen trifft und von dort mit dem Mietwagen zum Schiff fährt, ging es dieses Mal ins niederländische Vlissingen, um das Schubboot zu übernehmen. Sieben Leute gehören zur Schiffsbesatzung, ein Steuermann, ein Maschinist, zwei Schiffsführer und drei Matrosen. Alle acht Stunden wechselt das Zweischichtsystem. Gefahren wird immer, bei Tag und bei Nacht. Die Fahrt mit leeren Leichtern von Duisburg nach Rotterdam dauert 14 Stunden, zurück mit der Ladung auf den sechs Leichtern benötigt das Schubboot 28 Stunden für die rund 250 Kilometer lange Strecke.

Auch zu Weihnachten war der Dienst ganz normal. "Dieses Mal hat sogar der Tannenbaum gefehlt", erzählt der Nitzower. Aber den großen Präsentkorb von der Reederei gab’s auch in diesem Jahr. Darin befinden sich dann Geschenke für jedes Besatzungsmitglied und feine Sachen zum Essen. Am zweiten Weihnachtstag ließen sich die Männer zwei Gänse schmecken.

Viermal hat der 26-Jährige bereits Weihnachten auf dem Wasser verbracht, ansonsten hatte er Silvester Dienst. Die Schiffsbesatzungen wechseln sich nach einer Woche ab, so dass eine zu Weihnachten und die andere zu Silvester arbeitet. Auch zum Jahreswechsel ist der Dienst normal wie jeder andere, außer, dass um Mitternacht ein kleines Feuerwerk abgebrannt wird und man auf das neue Jahr anstößt. "Ich bin lieber Silvester zu Hause", sagt Christian Kirchhoff. Klar, seine Familie hätte ihn gern auch zu Weihnachten daheim, aber da wird dann eben telefoniert. Dieses Jahr hatte er seine Freunde in seine neue Wohnung in Nitzow, in die er kurz vor dem Weihnachtsdienst noch eingezogen war, zur Silvesterparty eingeladen.

Die Arbeit als Bootsmann gefällt ihm. "Ich bin gern auf dem Wasser." Für sein Ziel, Steuermann zu werden, hat er die erforderliche Fahrzeit, die innerhalb von zwei Jahren auf einem Flussabschnitt zu leisten ist, bereits absolviert. Um das Patent zu erhalten, muss er noch drei Wochen Schule machen und dann eine Prüfung ablegen. Bis das so weit ist, will er aber erst noch weiter fahren. "Ich will die Strecke noch besser kennen lernen", erklärt er und berichtet von strengen Prüfungsfragen.

Sein erster Dienst im neuen Jahr beginnt am 12. Januar. Dann fährt er von Stendal aus dreieinhalb Stunden mit dem Zug nach Duisburg und trifft sich am Bahnhof mit seiner Mannschaft. Wohin sie mit dem Mietwagen fahren, erfahren sie dann. Auf ihr Schiff steigen sie meist während der Fahrt. Entweder bringt sie ein Boot der Wasserschutzpolizei oder Feuerwehr an Bord oder ein Bunkerboot, das die größeren Schiffe mit Diesel, Wasser und Materialien versorgt. Ist keine dieser Varianten möglich, kommt das kleine Beiboot von "Herkules XVI" zum Einsatz.

Auch in seiner Freizeit ist Christian Kirchhoff oft am oder auf dem Wasser. Er angelt gern. Vorgenommen hat er sich, selbst ein Boot zu bauen. Die 14 Tage zu Hause nutzt er, um Familie und Freunde zu besuchen. Schnell vergeht die Zeit, bis dann der nächste zweiwöchige Dienst beginnt. Sorge, dass angesichts des strengen Winters, die Schiffe wegen Schnee und Eis nicht fahren können, hat er nicht. Vielleicht friert mal ein Kanal in den Niederlanden zu oder der Hafen, aber das hat er noch nicht erlebt. Durch die Strömung und die vielen Schiffe passiert es so schnell nicht, dass der Rhein zufriert.