Alle Hände voll zu tun hatte am Donnerstag das Team im Klietzer Jugendklub: Um die 100 Deichwächter waren zur Dankeschönveranstaltung der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land erschienen.

Klietz. All jenen, die uneigennützig und freiwillig zusagten, unentgeltlich rund um die Uhr auf den bedrängten Elbdeichen Streife zu laufen, wollte Verbandsgemeindebürgermeister Bernd Witt mit dem Treff im Klietzer Klub ein kleines Dankeschön sagen.

Zu Beginn blickte der Gastgeber auf das Ereignis zurück: Um die 40 Kilometer Elbdeiche befinden sich im Gebiet des Elb-Havel-Landes, 207 Bürger haben sich für die insgesamt 14 Abschnitte freiwillig als Deichwache gemeldet.

Oft wurde der Dienst getauscht, so dass der Einzelne nicht zu arg strapaziert wurde. Einige hatten sich zusätzlich bereit erklärt, brauchten aber nicht mehr eingesetzt zu werden.

"Mit 7,25 Metern am 21. Januar wurde der dritthöchste Pegel in Tangermünde gemessen", erinnerte Bernd Witt. Das war schon besorgniserregend. Vor allem in den unsanierten Abschnitten mussten die Deichwachen aktiv werden, doch gab es nur kleinere Probleme – wie zum Beispiel Sickerstellen in den Bereichen Fischbeck, Schönhausen und Neuermark-Lübars. Aufmerksame Wachen meldeten die Problembereiche und kontrollierten diese verstärkt. Positiv zu Buche schlugen diesmal die vielen sanierten Abschnitte, wo es 2002 teils gravierende Probleme gegeben hatte.

Bernd Witt erinnerte auch daran, dass es nicht weit weg weit erheblichere Probleme gab: Im Bereich um Seehausen mussten gar Notdeiche errichtet werden, riesige Flächen sind dort überflutet.

Noch sind die Folgen des Hochwassers nicht ausgestanden, mahnte der Bürgermeister. Jetzt nahe eine Grundwasserflut, die sich womöglich auf Monate bemerkbar machen wird. Die Ursachen seien vielfältig: Teils vernachlässigte Grabensysteme, höhere Niederschläge, die Bebauung und weniger Entnahme von Grundwasser. Das Problem müsse mit Fachleuten diskutiert und gemildert werden.

Auch bei den Wachen von den Haveldeichen, die derzeit im Schollener Bereich noch bis Freitagabend streifen müssen, will sich Bernd Witt noch bedanken. Hier gehören etwa zwei Kilometer Deich zum Bereich der Verbandsgemeinde.

Als Dankeschön durften die Gäste im Klub gratis Bratwürste essen und Bier trinken. Auch gab es Gelegenheit, um Fragen an Bernd Witt zu stellen.

So wollte der Fischbecker Hans-Peter Janitza wissen, warum es keine Toiletten für die Wachen gab. Vor allem die Frauen hätten Probleme damit gehabt. Er war mit seiner Frau im Wechsel Streife gelaufen, denn zu Hause war das Kind zu betreuen. Sein Hund "Bootsmann" hatte bei der Wache immerhin acht Ratten gefangen und sie am Wachhäuschen abgelegt, berichtete er weiter.

Bernd Witt hat das Problem notiert. Auch kündigte er an, dass es bei künftigen Ereignissen Westen mit der Aufschrift "Deichwache" geben wird. So könne man die Wächter von den Schaulustigen unterscheiden, denn letztere haben auf den Deichen nichts zu suchen.

Wie laut das Wasser in der Stille der Nacht rauscht, das hatte Olaf Schmidt aus Sandau bei seinen Rundgängen erfahren. Er war im Nordbereich unterwegs und hörte das Rauschen im Grabensystem landeinwärts: "Es hörte sich an wie ein reißender Bach."