Wegen der Flutkatastrophe im Juni 2013 nach nur einer Woche abgebrochen, möchten die Volksstimme, die Stadt Havelberg und der Verein "Blaue Herzen für Kinderfreundlichkeit" heute einen Neustart machen: mit einer Spendenaktion für die Kinder in Princess Town (Ghana).

Havelberg/PrincessTown l Insgesamt dreimal habe ich Princess Town inzwischen besucht - erst vor zweieinhalb Wochen bin ich von meiner letzten Reise zurückgekehrt. Bei meinem ersten Aufenthalt im November/Dezember 2012 hatte ich meinen neu gewonnenen Freunden dort versprochen, mit Hilfe der Menschen aus dem Altkreis Havelberg und darüber hinaus zu versuchen, ihnen einige der in vielen Gesprächen geäußerten Wünsche erfüllen zu helfen. 2013 wurde daraus nichts, die Gründe sind bekannt. Noch immer ist nicht abzusehen, wann die Folgen der Flutkatastrophe in der Elbe-Havel-Region überwunden sein werden. Doch das Leben im Altkreis normalisiert sich langsam wieder, Schritt für Schritt.

Natur sorgt für Wasser und Essen

Sonnenschein das ganze Jahr lang und eine paradiesisch anmutende Landschaft mit Urwald, Palmen sowie dem Atlantik mit einem herrlich weißen Sandstrand direkt vor der Haustür - das sind die großen Vorzüge von Princess Town in Ghana. Die Natur - Meer (Fische), Busch (Tiere, Früchte) und ein äußerst fruchtbarer Boden (eigener Anbau) - sowie die Haltung von Haustieren sorgen zudem dafür, dass für die rund 5000 Einwohner von Princess Town immer Nahrung und auch Trinkwasser (aus Brunnenanlagen) vorhanden ist. Zu hungern braucht hier niemand - in vielen anderen Ländern Afrikas ist das bekanntlich anders.

Bei all dem bleibt dem Gast aus Deutschland die große Armut der Menschen hier trotzdem nicht verborgen. Der erste Besuch war für mich ein regelrechter Kulturschock. Es kam mir vor, als hätte mich eine Zeitmaschine weit zurück in die Vergangenheit katapultiert: als hier noch die brandenburgische Flagge wehte und in Havelberg gebaute Schiffe im Auftrag des Kurfürsten Friedrich Wilhelm tausende Menschen als Sklaven verschleppten.

Das Geld reicht vorne und hinten nicht

Es ist eine völlig andere Welt. Die Menschen leben mit ihren Familien - 12 bis 14 Kinder sind keine Seltenheit - in Häusern oder besser: Behausungen aus Lehm und Holz auf engstem Raum. Seit ewigen Zeiten ist das so. "Es ist unser Zuhause", sagt Onkel James", wie er liebevoll nicht nur von den Kindern genannt wird. Für ein anderes, besseres Leben reiche das Geld einfach nicht. Selbst in Familien, in denen die Männer einer geregelten Arbeit nachgehen, sind Cedis (amtliche Währung in Ghana) mehr als knapp. Ein gut verdienender Polizist in Ghana kommt zum Beispiel auf rund 200 Cedis im Monat. Das entspricht etwa 70 Euro.

"Onkel James" ist nicht nur als "Medizinmann" in Princess Town beliebt. Er hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen Spaß und Freude zu bereiten. Vor allem nach Fußball sind die Jungen - und auch Mädchen - ganz verrückt. "Onkel James" ist somit auch zum Fußballchef von Princess Town geworden. - Sportvereine wie in Deutschland gibt es mitten im ghanaischen Dschungel nicht.

Von den ganz Kleinen bis zu den 17-Jährigen sind es weit über hundert Kinder und Jugendliche, die sich im Wechsel fast täglich auf dem einzigen Sport- und Fußballplatz des Ortes treffen, um unter Anleitung von zwei engagierten Erwachsenen Sport zu treiben. Dazu kommen die Kinder aus den Schulen in Princess Town im Rahmen ihres Unterrichts. Doch die Bedingungen für den Sport sind katastrophal.

Sportplatz hat Sanierung nötig

Von Löchern und anderen Schadstellen übersät, von Rasen ganz zu schweigen, würde das "Stadion" von Princess Town in Havelberg nicht mal mehr als Bolzplatz herhalten. In einer Sanierung oder Teilsanierung und Umzäunung - besteht ein großes Ziel der Spendenaktion der drei Partner. "Früher verschleppten in Havelberg gebaute Schiffe Menschen als Sklaven aus dem damaligen Groß Friedrichsburg, heute haben wir die Möglichkeit, den Kindern und Bewohnern von Princess Town mal ein ganzes ,Schiff` Freude zu schicken", zeigt sich der Havelberger Bürgermeister Bernd Poloski von der Aktion überaus angetan.

Ob im Rahmen der Spendenaktion ein zweiter ganz großer Traum der Kinder und Jugendlichen von Princess Town erfüllt werden kann, hängt davon ab, wieviel Geld insgesamt zusammen kommt und ob auch Sponsoren dafür gefunden werden können. "Nimm uns doch mal mit nach Havelberg", lautet dieser Wunsch. An mich herangetragen wurde er von Schülern, die auch alle Fußball spielen. Mal einen Vergleich gegen eine oder mehrere gleichaltrige Mannschaften aus Deutschland zu bestreiten, das wäre für sie das Allergrößte, wovon sie ihren Familien ein Leben lang erzählen könnten. Und natürlich auch, was sie bei diesem Besuch noch so alles erlebt und gesehen haben. Ohne entsprechende Unterstützung werden sie es aus finanzieller Not aber niemals schaffen, auch nur die Grenzen ihres Landes zu verlassen.

Es gibt also gute Gründe für Hilfe aus Havelberg und Umgebung. Die eine ist die geschichtliche Verbindung von Havelberg und Princess Town. Die andere, dass das Sporttreiben in Princess Town nur unter katastrophalen Bedingungen stattfinden kann.

Dass alle Spenden auch da angekommen, wo sie hin sollen, dafür übernehme ich die volle Garantie. Ich bringe sie persönlich nach Princess Town. Für Ende Oktober ist bereits die nächste Reise gebucht.