Über sieben Brücken" heißt ein großer Hit der Gruppe "Karat" aus dem Jahr 1979. In Havelberg kann man, nach einer Gesamtbauzeit von 17 Jahren, inzwischen auch über sieben neue Brücken gehen. In loser Folge erinnert die Volksstimme an die Brückenbaustellen in und um Havelberg.

Havelberg l Beim Spaziergang entlang der Uferstraße fällt dem Betrachter das geschwungene Brückenbauwerk der Havelstegbrücke ins Auge. Sie wurde 1999 als zusätzliche Zuwegung zur Spülinsel gebaut.

Im Frühjahr 1933 war in Havelberg mit dem Bau des Haveldurchstiches in Richtung Elbe begonnen worden. Denn 1895 und davor führten Deichbrüche an der Elbe zu schweren Hochwasserkatastrophen. Sie richteten große Flurschäden an und auch das Stadtgebiet nahm Schaden.

Entladen der Schiffe am Bahnhofsgelände

Große Schleppzüge mit Lastkähnen am Tau und viele Dampfer fuhren vor dem Schleusenbau parallel zur heutigen Ufer- und Bahnhofstraße entlang. Ein abgeschlossener Hafen existierte damals noch nicht. Die Frachtkähne wurden an der heutigen Anlegestelle der Passagierschiffe an der Uferstraße auf Höhe der Touristinformation und an den Verladeeinrichtungen in der Nähe des Bahnhofsgeländes be- und entladen. Heute befindet sich dort das Yachthafengelände und das Hotel "Am Hafen". Bei dem Verladestückgut handelte es sich überwiegend um Kohlen, Kies, Zuckerrüben, Zellholz und vor allem die Havelberger Ziegelsteine. Die Bahnhofstraße war zu diesem Zeitpunkt nur einseitig bebaut.

Die im Jahr 1936 fertiggestellte Elbe-Havel-Schleuse und die Havelregulierung sollten die Gefahren des Hochwassers bannen.

Mit dem Bau des Schleusenkanals wurde der Verlauf der Havel in Havelberg geändert und die Campinginsel künstlich aufgespült. Große Bagger, ein riesiger Spül- und Eimerkettenbagger, Schienen, Lokomotiven und Feldbahnloren kamen auf dieser Großbaustelle zum Einsatz. Durch den Schleusenbau sind Hunderte Familien nach Havelberg gezogen und wurden hier sesshaft. Dazu gehörte auch eine große Anzahl von Wasserbaubeamten. Mit dem Bau der Schleuse vergrößerten sich Handel und Wandel in der Havelstadt.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges verschlug es die Schifferfamilie und Eheleute Gertrud und Otto Pohland auf die noch unbewohnte Spülinsel. Gertrud Pohland ließ über die Jahre einen Campingplatz entstehen, der heute als beliebter und hochmoderner Campingplatz existiert. Gäste aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland finden hier Erholung und Entspannung. Wassersportverein, Ruderriege und Wasserwacht sind ebenfalls auf dem Eiland angesiedelt.

Mit dem Bau der Havelstegbrücke wollte die Stadt im Zuge der Entstehung des Wassertourismuszentrums einen Rundweg von der Stadtinsel über die Spülinsel schaffen. Die Idee hatte der Geschäftsführer der Stadtwerke, Günter Hasstedt. Der Stadtrat stimmte dem zu. Wie die Brücke konstruiert werden könnte, wurde europaweit und für Hochschulen ausgeschrieben. Viele Planer und Studenten beteiligten sich. Zu den Ideen gehörte sogar eine Hubbrücke. Der Bauausschuss hatte nur im geringen Maß ein Mitbestimmungsrecht bei der Planung. Wichtig war, dass die Camper einen kurzen Weg in die Stadt haben und die Brücke die Altstadtinsel belebt.

In Absprache mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt entschied man sich für die nun vorhandene Variante. Die Bauweise ermöglicht ein problemloses Durchfahren aller Schiffe.

1,5 Millionen Euro werden investiert

Der Bau war nicht so einfach. Von einem Arbeitsboot aus wurden neun große Stahlrohrdalben, die die Brückenkonstruktion tragen, in den Flussgrund getrieben und anschließend mit Spezialbeton verfüllt. Nach der Fertigstellung der Widerlager erfolgte per Kran die Montage des Stahlrohrfachwerkes. Fußgänger oder Radfahrer können das Wasser auf einer 2,50 Meter breiten Brücke, die rund 1,5 Millionen Mark gekostet hat, überqueren.

Einmal im Jahr, zum Bootskorso, ist die Brücke wegen des von hier abgeschossenen Feuerwerkes gesperrt. Sie ist zu einer beliebten Verbindung zwischen Altstadtinsel und Spülinsel geworden.

   

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