Jederitz l Die Jederitzer sind über den Zustand ihres von der Flut geschädigten Polderdeiches besorgt. Viele befürchten, dass der Wall beim nächsten Hochwasser nicht standhalten wird, berichteten sie auf der Einwohnerversammlung am Freitag. Um die 30 Einheimische waren der Einladung in den Versammlungsraum der Feuerwehr gefolgt.

Der Deich hier sei nicht im besten Zustand, bestätigte Flussbereichsingenieur Arno Mahlke von der Havelberger Außenstelle des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW). Er lud die Jederitzer deshalb ein, Vertreter zur Deichschau am 24. April zu entsenden, welche dann die Aufnahme der baldigen Sanierung ins Protokoll veranlassen sollen. Dann könnte man kurzfristig mit einem Planer die Unterlagen erstellen.

Der Havelberger gab aber zu bedenken, dass nach der Flut zuallererst die Deiche an der Elbe wieder hergerichtet werden mussten, es folgten jene an der Havel - und erst danach die Polderdeiche. Deshalb sei wegen der vielen Baustellen bislang noch unklar, wann der Jederitzer Deich an die Reihe kommt, eventuell auch erst 2015. - Und wenn, wird nur das Nötigste erledigt.

Das geschieht auch mit Blick auf die hier anlaufende Deichrückverlegung. Bereits im Juni soll damit begonnen werden, erklärte LHW-Bauleiter Matthias Müller aus Osterburg. Vorher erfolgen noch weitere archäologische Grabungen, denn es hatte einige Funde gegeben. Bauende soll Ende November sein - so denn die Witterung mitspielt. Der neue Deich rückt näher an Jederitz heran und ist dadurch nur noch knapp zwei Kilometer lang - der jetzige Wall hat eine Länge von 5,6 Kilometern. Ein weiterer Effekt: Bei Extremfluten steht dem Wasser mehr Polderfläche zur Verfügung.

Kein Herankommen an Flächen

Bürgermeister Bernd Poloski nannte noch einen Grund, warum bislang weitere Folgen der Flut nicht beseitigt werden konnten: Die Havel ist noch im Winterstau, an viele Flächen darum kein Herankommen. Das betreffe auch die Hinterlassenschaften der Straßenschlitzungen, die in den kommenden Wochen beseitigt werden. Über 60 Maßnahmen sind in der Einheitsgemeinde aufgelistet worden.

Und hätten sich einige Jederitzer nicht gegen die geplante Rückverlegung gewehrt, hätten alle beim Hochwasser wahrscheinlich schon hinter einem neuen Deich und damit weit sicherer gewohnt. Denn wegen der Widerstände hatte sich ein langwieriges Planfeststellungsverfahren erforderlich gemacht - was den Deichbau verzögerte.

Warum während der Flut am Schöpfwerk Pierengraben zwei große Pumpen aufgestellt worden waren, wollte Volker Kunz von Arno Mahlke wissen. Diese Pumpen hatte eine Firma dem Katastrophenstab angeboten, am Schöpfwerk wurden sie vorsorglich aufgestellt - denn auch diesem wurde der Strom abgeschaltet. Doch floss das Wasser dann so rasch aus dem Polder ab, dass die Pumpen nicht zum Einsatz kommen brauchten.

Barbara Kuntzsch gab Arno Mahlke einen Hinweis zum Trübengraben mit auf den Weg: Mit Blick auf die Bundesgartenschau im nächsten Jahr sollte dieser so hergerichtet werden, dass dann auch Wassertouristen von der Havel aus nach Jederitz fahren können. Eventuell muss eine Grundräumung erfolgen. - Das sei nur mit sehr viel Aufwand möglich, entgegnete dieser, denn ein Naturschutzgebiet grenzt dort an. Arbeiten könnten nur zwischen November und Februar erfolgen, dann sei aber Winterstau und man komme nur mit einem Boot heran. Möglich sei es jedoch schon jetzt, Hindernisse zu beseitigen, die den Abfluss gefährden.

Hindernisse beseitigen

Peter Hirth warf ein, dass die Havel ohne Schifffahrt immer mehr verschlamme. Die Initiative zur Einstellung der Schifffahrt sei damals von den Binnenschiffern selbst gekommen, erklärte Bernd Poloski. Diese wollen lieber auf Kanälen fahren, wo eine ganzjährige Befahrung gesichert ist - was bei der Havel nicht der Fall ist. Die Schifffahrt hier sei zuletzt nur noch wegen der Versorgung von Westberlin mit Öl erforderlich gewesen. Der Vorteil der geplanten Renaturierung sei auch eine höhere Fließgeschwindigkeit, derzeit stehe die Havel im Sommer oftmals - und verschlammt dadurch.

Der Forderung von Eckart Kuntzsch, den Hochwasserschutz beim Bund anzusiedeln, schloss sich der Bürgermeister voll an. Denn mit der Polderflutung in Sachsen-Anhalt werden vor allem andere Bundesländer entlastet.