Mit einer Party bedankten sich jetzt auch die Bürger aus Neukamern bei ihren auswärtigen Fluthelfern. Lichtbilder ließen Erinnerungen an die Katastrophe wach werden.

Neukamern l Überschwemmte Häuser, Werkstätten, Hühnerställe, Schuppen, Gärten und Straßen waren an der Zeltwand noch einmal zu sehen, ebenso ein Traktor, der vom Weg abgekommen und abgesoffen war. Die zur Party eingeladenen Gäste kannten all diese Bilder, waren sie doch von überall her dem bedrängten Kamernschen Ortsteil zu Hilfe geeilt.

Beispielsweise die 1. Hundertschaft der Bundespolizei aus dem niedersächsischen Uelzen mit ihrem damaligen Zugführer Patrick Reffo. Um die 50 Polizisten hatten über drei Tage beim Bau des Notdeiches in und um Neukamern mitgeholfen, teils hatten sie dabei bis zur Brust im strömenden Wasser gestanden. - Und das, obwohl ihr offizieller Einsatz in Neukamern eigentlich schon beendet war - sie halfen denn eben freiwillig weiter. Doch war all die Mühe fast vergebens, viele Teile des Dorfes wurden überflutet.

"Ohne eure Hilfe wären wir hier noch mehr abgesoffen."

Mitorganisator Ingo Hünemörder

"Ohne eure Hilfe wären wir hier noch mehr abgesoffen", lobte Mitorganisator Ingo Hünemörder im Festzelt das Engagement der vielen Helfer. Unter ihnen befanden sich auch die Mitglieder der Wasserwacht des DRK sowie Feuerwehrleute aus dem Nachbardorf Kuhlhausen. Auch von der anderen Havelseite - so aus den brandenburgischen Orten Kietz, Rhinow und Neustadt (Dosse) - waren Helfer nach Neukamern geeilt.

Von offizieller Seite sei der Ortsteil bei der Katastrophe im Stich gelassen worden - deshalb wolle er sich künftig selbst behelfen: Bei einem Schrotthändler hatte Ingo Hünemörder eine russische Raupe des Typs T100 aus ehemaligen NVA-Beständen erworben, diese wurde anlässlich der Party gleich in der Praxis vorgeführt. Angetrieben wird das Gefährt von zwei Motoren mit 175 Pferdestärken. Er werde damit schon mal einen Schutzwall auf seinem Grundstück anlegen, erklärte der Hufbeschlagschmied.

Die Neukamernschen hatten für die Party fleißig gekocht und gebacken, Fischer Aaron Brandt bot Fischsuppe an, Gastwirt Michael König aus Kamern verteilte ein Wildschwein. Genutzt wurde auch der Erlös des Kuchenbasars vom Tag der offenen Tür bei der Lehrschmiede von Ingo Hünemörder - auch hierfür hatten viele der Neukamernschen gebacken. Gespendet hatten auch Berliner, die in Neukamern ein Wochenendhaus besitzen: Sie wollten eigentlich im Vorjahr in dem Ortsteil feiern, mussten die Party aber wegen der Flut nach Berlin verlegen - wo dann fleißig gesammelt wurde.

Oberkommissar Patrick Reffo bedankte sich humorvoll für die Einladung: "Nach großen Einsätzen sind wir ja Einladungen gewöhnt, allerdings zu Richtern und Staatsanwälten. Deshalb kommen wir natürlich sehr gern zu einer Dankeschönfeier." Der Besuch am alten Einsatzort habe bei ihm viele Emotionen ausgelöst.

Er war nicht mit leeren Händen nach Neukamern gekommen, hatte eine japanische Zierkirsche im Gepäck. Dieser Baum solle künftig an einem Platz im Dorf an das schlimme Ereignis erinnern - und mehr Farbe in den Ort bringen, begründete der Polizist. Weiterhin hatten die Polizisten einen Sandsack mit dem Wappen der Hundertschaft mitgebracht und auch etwas Geld gesammelt.

Eventuell soll die Zierkirsche an der Buswendeschleife in der Dorfmitte eingepflanzt werden, doch muss das noch geklärt werden. - Dort würde der Baum jedenfalls flutgeschützt heranwachsen.

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