Schönhausen. Dass die beiden Parkanlagen des ehemaligen Bismarckschen Gutes I (heute Museum) und des Gutes II (alte Schule) einst als Gesamtkomplex geplant und angelegt worden sind, erfuhren die Besucher des Neujahrsempfanges der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen am Freitagabend. Jenny Freier, die an der Uni in Leipzig Kunstgeschichte studiert und ihre Magisterarbeitet zur Architektur der Schönhauser Herrenhäusern geschrieben hat, untermauerte die Ergebnisse ihrer Nachforschungen mit Fotos und Karten. Auf einer aus dem Jahr 1882 ist deutlich zu sehen, dass nur die in dieser Zeit gebaute Straße vom Dorf zum Bahnhof den Park trennte. Und doch unterschieden sich die Anlagen in ihrer Form. Der Park am Herrenhaus I ist versehen mit ausgeprägtem Wassersystem, es gibt Teichanlagen und barocke Skulpturen, Alleen und Hecken nach französischen Vorbild und auch einen englischen Landschaftsgartenbereich mit einem 1740 gebauten Teehäuschen. Brunnen oder Teich fehlen im Park hinter dem Herrenhaus II, auf einem Großteil des Geländes haben vermutlich Obstbäume gestanden und es war von einem Wassergraben umrandet.

Den Grundstein für die Ära der Bismarcks war 1562 in Schönhausen gelegt worden. Das Gut I, in dem der berühmte Otto von Bismarck 1815 das Licht der Welt erblickte und das 1958 bis auf den Seitenflügel gesprengt worden ist, war zwischen 1695 und 1700 gebaut worden. Schon in der Eingangshalle war die Leidenschaft der Familie für die Jagd unübersehbar. Der linke Bereich mit Küche und kleinen Zimmern diente den Angestellten. Rechts konnten man einen Rundgang durch Gartenzimmer (Rokoko-Salon) und zwei Esszimmer – allesamt aufwändig dekoriert und mit Schmucktapeten versehen – unternehmen, es gab einen Zugang zur Terrasse. Über das Treppenhaus gelangte man ins mittlere Geschoss, das ebenfalls repräsentativen Zwecken diente. Der Esssaal mit Eckkamin war reich mit Stuck verziert. Ein Gesellschaftszimmer war im japanischen Stil angelegt, es gab ein Wohnzimmer der Gräfin und von ihrem Schlafzimmer führte eine Tapetentür zu einem vermutlich später eingebauten Badezimmer. Auf dieser Etage gab es außerdem eine Bibliothek. Das zweite Obergeschoss, über das weniger bekannt ist, diente wohl nur privaten Zwecken, denn die Räume waren dezent gestaltet und enthielten einfache Möbel.

Das Gut II, gebaut 1734, ist ein zweigeschossiger Putzbau, sparsam ornamentiert. 1891 wurde im Obergeschoss ein Museum eingerichtet. Es handelte sich um eine Privatsammlung, die "Kunst und Kitsch", Merkwürdiges und Kostbares, enthielt. Der Fürstensaal bildete den Ausstellungs-Mittelpunkt des Obergeschosses. Seit dem Umbau des Hauses zur Schule 1948 und später bei einer Modernisierung ist von den alten, prunkvollen Zimmern nicht mehr viel zu sehen. Lediglich der Raum in der Mitte des Erdgeschosses ist noch reich mit Stuck verziert. Er soll nach dem Umbau in diesem Jahr zum Bürgerzentrum als Standesamt dienen.

Gut informiert über die beiden Herrenhäuser und die Parks genossen die Besucher das Beisammensein bei Sekt und Schnittchen. Für die Vorbereitung des Empfanges dankte die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, Dr. Andrea Hopp, ihren Mitarbeitern Christiane Schramm, Renate Käseberg, Sabrina Haak und Sebastian Prausnitz. Sie nutzte den Empfang außerdem, um auch Landrat Jörg Hellmuth zu danken, "er nimmt sich mit viel Engagement des Museums an". Es sei nicht selbstverständlich, "heute Abend wieder vor Ihnen zu stehen", wandte sich Dr. Andrea Hopp an die Gäste. Denn der Kooperationsvertrag zwischen Stiftung, Land, Landkreis und Gemeinde sei im letzten Herbst ausgelaufen. Aber alle Partner waren sich einig, das Museum auch in den nächsten fünf Jahren zu finanzieren und verlängerten den Vertrag. So kann auch 2011 ein buntes Programm an Veranstaltungen angeboten werden.

Mit der Wechselausstellung "Schönhauser Exponate neu gesehen" hätten die Besucher im vergangenen Jahr einen Vorgeschmack darauf bekommen, "was wir in den nächsten Jahren vorhaben". Denn bis zu Bismarcks 200. Geburtstag 2015 soll die Ausstellung komplett umgebaut werden.

<6>Das besondere Anliegen der Stiftung, mit der Ausstellung junge Menschen anzusprechen, sei auch im vergangenen Jahr wieder umgesetzt worden. Neben Schulklassen aus dem Ort und der Region fanden drei studentische Seminare statt. Und auch die Magisterarbeit von Jenny Freier ist ein Resultat eines Besuches in Schönhausen. Denn die Studentin hatte 2008 am Sommerschulprojekt "Auf den Spuren adligen Lebens in der Altmark" teilgenommen; ihr Interesse an den Herrenhäusern war geweckt. Und in Schönhausen verbirgt sich sicher noch so manch interessante Geschichte, die es zu erkunden gibt ...<7><8><9>

   

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