Die einen sammeln Ansichtskarten, die anderen leere Bierdosen. Evelin Kawczynski aus Havelberg hat die Wände in ihrem Wohnungsflur mit Flaschenöffnern "tapeziert".

Havelberg l "Eine Sammelleidenschaft, die ich erst vor etwas über 20 Jahren entdeckt habe", erzählt die 82-Jährige. Da nämlich hatte sie einen recht monströsen Flaschenöffner, in den auch ein Korkenzieher integriert ist - auf dem Foto oben hält sie ihn in der rechten Hand - geschenkt bekommen. "An dem großen, schweren Teil kann ich mich auch heute noch immer wieder erfreuen - es ist eben ein ganz besonderes Stück in meiner Sammlung", sagt Evelin Kawczynski. "Manchmal spreche ich auch mit all den vielen Dingen in meiner Wohnung. Dem ungewöhnlichen roten Flaschenöffner habe ich damals versprochen: Du bleibst nicht allein in diesem Haus."

Tolle Idee ihres Mannes

Als Handwerker nach der Wende die Wohnung auffrischten, "hatten sie meistens auch immer einen Flaschenöffner in der Tasche, den sie natürlich mir überlassen mussten", erinnert sich die Seniorin lächelnd an den Beginn ihrer Sammeltätigkeit. "Und da die Arbeiter meist aus einem großen Umkreis kamen, sorgten sie bereits für eine gewisse Vielfalt an Flaschenöffnern." Zu dieser trug auch ihr Ehemann Günter bei: Eines Tages überraschte er sie mit einem selbst angefertigen Öffner in Form eines Krokodils - auf dem Foto oben hält Evelin Kawczynski diesen in ihrer linken Hand. "Das war eine ganz tolle Idee von ihm", findet sie noch heute. Denn diesen Flaschenöffner gibt es so nur einmal auf der Welt.

In den Jahren sind viele weitere dieser Sammelobjekte dazu gekommen. "Von Reisen, die wir unternommen haben, von den Kindern, von Freunden und Bekannten. Alle, die von diesem Hobby wussten und jetzt wissen, sorgten und sorgen immer noch dafür, dass etwas Neues hinzu kommt." Weit über 200 verschiedene Öffner sind so bisher zusammengekommen, darunter so manche Kuriositäten: Schlösser, Mützen, Marienkäfer, eine Polizeikelle und viele andere Formen.

Ein leidenschaftlicher Sammler ist übrigens auch Günter Kawczynski - er befand sich in dieser Woche zu einer stationären Behandlung im Krankenhaus - über viele Jahre gewesen. Allerdings spielte er dabei nicht mit Flaschenöffnern, sondern mit Feuer. Seine Frau zeigt, worum es sich dabei gehandelt hat: unbenutzte Streichholzschachteln in allen Formen und Größen. Viele davon noch aus DDR-Zeiten. Eine Menge Raritäten darunter. Die Schachteln füllen einen ganzen großen Koffer. "Diese Sammlung werden mal unsere Kinder kriegen", blickt Evelin Kawczynski in die Zukunft.

Die rüstige Seniorin erfreut sich aber nicht nur an ihren Flaschenöffnern. "Mein Günter, meine Kinder und meine Enkel sind mein Ein und Alles", macht sie deutlich. Und außerdem das Stricken und Häkeln, das Lesen, Rätseln, Eulen-Figuren und natürlich die Wohnung. In der alle Wände bunt gestaltet sind: mit tollen Blumenbildern und mit zahlreichen Fotos aus der vergangenen und jüngeren Familiengeschichte. "Wer rastet, der rostet", sagt sie. Und dazu will sie noch lange nicht gehören.

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