Klietz l Kriminalrat a.D. Lothar Schirmer, ein gebürtiger Klietzer, begann 1970 seinen Polizeidienst. Er war 20 Jahre bei der Volkspolizei der DDR und ebensolange im wiedervereinten Deutschland tätig. "Eine tolle Lebenserfahrung, auch was die Entwicklung der Kriminalität betrifft", blickte er zurück.

Seit 1991 befasste er sich mit der Öffentlichkeitsarbeit. Mit Erreichen des 60. Lebensjahres musste er 2010 in Rente gehen, eigentlich wollte er weiterarbeiten. Mit elf weiteren Ex-Kollegen ist er nun als Sicherheitsberater für Senioren auf Reisen. Und weiterhin in Rundfunk und Fernsehen im MDR präsent - am 23. April ist er um 19 Uhr bei "Sachsen-Anhalt heute" zu sehen.

"Sie hier leben eigentlich in einer ruhigen Region", erklärte er zu Beginn seines Vortrages im Klietzer Jugendklub. Nach der Wende war die Kriminalitätsrate in Sachsen-Anhalt rasant angestiegen: Gab es zu DDR-Zeiten zwischen 6000 und 8000 Delikte, waren es auf dem Höhepunkt im Jahre 1995 immerhin 62000 Straftaten. Im Vorjahr waren es 30000, darunter 15 Morde, 1243 Raubdelikte, 1558 Autos wurden entwendet. Ein großes Problem für viele der Betroffenen sind Einbrüche, mancher zog danach sogar aus. Davon gab es im Vorjahr immerhin 2588. Die Polizei berät auch dazu und erstellt vor Ort eine kostenlose Schwachstellenanalyse.

Vor Betrugsdelikten - dem Thema seines Vortrages - sei niemand gefeit, erklärte Lothar Schirmer. Bevorzugte Opfer der Ganoven seien allerdings Senioren - sie sind oftmals allein, vertrauensvoll, nicht energisch genug und können Preise schlecht einschätzen. "Wichtig ist es dann, auf sein Bauchgefühl zu hören", gab der Ex-Polizist einen Tipp.

Am Wichtigsten sei jedoch, keinen Fremden in seine Wohnung zu lassen - unter welchem Vorwand auch immer. Solche gibt es sehr viele: Man benötige einen Zettel oder einen Stift, ein Glas Wasser, müsse dringend auf die Toilette oder will Milch fürs Baby aufwärmen. Andere Ganoven präsentieren in der Wohnung eine große Decke zum Verkauf - dahinter schlüpft der Komplize ins Zimmer. Am besten ist es deshalb, die Wohnungstür mit einem Spion und einer Vorhängekette zu sichern.

Viele Varianten gibt es auch beim "Enkeltrick": Am Telefon wird eine finanzielle Notlage des Enkels vorgetäuscht, jemand anders soll dann das Geld abholen. Deshalb darf man am Telefon keine privaten Details verraten und sollte mit dem echten Enkel Rücksprache halten - und auf gar keinen Fall Geld an Fremde herausgeben. Ähnlich läuft die Masche mit dem "Bekanntentrick": "Wir kennen uns doch von früher", heißt es beispielsweise zur Kontaktanbahnung.

Auch sollte man sich nie an der Haustür von Verkäufern unter Druck setzen lassen, meist sind die Preise überhöht und/oder es ist minderwertige Ware. Ausweise sind sorgfältig zu prüfen, zudem soll man die Fahrerlaubnis verlangen. Und im Fall der Fälle sollte man dann die "110" wählen.