Auf ein für Havelberger Verhältnisse recht heiratsfreudiges Jahr 2010 blickt das Standesamt der Domstadt zurück. "48 Paare haben in der St.-Annen-Kapelle und im Rathaus den Ehebund besiegelt", berichtet die Standesbeamte Angela Schneider. "Außerdem ist eine deutsche Nachbeurkundung für ein Paar erfolgt, das sich im Ausland das Jawort gegeben hat."

Havelberg. Die 48 Eheschließungen 2010 in der Domstadt bedeuten einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr, in welchem das Havelberger Standesamt insgesamt 45 Eheschließungen beurkundet hatte. "Der beliebteste Ort war wieder die St.-Annen-Kapelle, die sich gleich 30 Paare für ihre Hochzeit auserkoren hatten", erzählt Angela Schneider. Hier ging es bei zwei Candle-Light-Hochzeiten auch sehr romantisch zu, bei der letzten im Dezember schmückten zum Beispiel Tüten mit Teelichtern die verschneite Hecke vor der Kapelle. Überhaupt wurde im vergangenen Jahr verhältnismäßig oft eine Ehe im Schnee geschlossen. Das erste Mal im Februar und dann gleich sieben Mal im Dezember. "Für den letzten Monat im Jahr ist das eine ungewöhnlich hohe Zahl. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in der Stadt jemals einen so heiratsfreudigen Dezember hatten", so die Standesbeamte. Nur der Wonnemonat Mai und der Juli lagen mit jeweils acht Trauungen knapp darüber, sieben Mal sagten Heiratswillige zudem im Monat Juni "Ja" zueinander. Zu den Besonderheiten des Jahres gehörte, dass erstmals auch ein gleichgeschlechtliches Paar – zwei Männer aus Havelberg und Berlin – vor die Havelberger Standesbeamte trat.

Geheiratet wurde von Montag bis Sonnabend, wobei letzterer mit 24 Eheschließungen in der Gunst am höchsten stand, gefolgt vom Freitag mit 15. Ein Paar wählte sich einen Freitag, den 13., als Termin aus, ein weiteres, des besonderen Datums wegen, den 20.10.2010. Für den 10.10.10 dagegen gab es nicht eine Anmeldung. "An diesem Sonntag hätten wir für Heiratswillige durchaus eine Ausnahme gemacht", versichert Angela Schneider. Ansonsten arbeiteten die Standesbeamten der Stadt an Sonntagen nämlich grundsätzlich nicht.

In diesem Jahr fallen der 11.11.11 auf einen Freitag und der 20.11.2011 auf einen Sonntag. Bisher gibt es im Havelberger Standesamt für diese Daten noch keine Anmeldungen. Wer solche besonderen, leicht zu merkenden Termine als seinen Hochzeitstag wählen möchte, sollte sich allerdings beeilen. Denn nach dem 12.12.12 und dem 20.12.2012 ist erst einmal für eine ziemlich lange Zeit Schluss mit solchen Zahlenspielen. Zumindest bis zum 2.2.22 müssen sich Paare dann gedulden.

Was Angela Schneider bei den Eheschließungen in 2010 besonders aufgefallen ist? "Es wurden wieder viele Stämme zersägt und Blumenblätter gestreut, vielfach stiegen Tauben als Glückssymbole auf", erzählt sie. Nicht alltäglich waren auch solche Begebenheiten: Ein Zimmermann musste mit seiner Frau mit einem Hammer Nägel in einen Stamm schlagen. Eine andere Braut wurde in einer Sackkarre über einen Parcours gefahren, eine weitere hatte ihr Können beim Schießen auf eine Torwand unter Beweis zu stellen. Ein frischgebackenes Ehepaar quälte sich damit ab, einen alten Feuerwehrschlauch mit einer Nagelschere zu zerschneiden, ein anderes trank Tee aus Babyflaschen und ein weiteres schritt durch ein Spalier von mit dem Säbel salutierenden Soldaten. Eine Braut, die in einem Verein als Keglerin aktiv ist, musste zudem auf der Straße erst einmal alle Neune schieben.

Zu den Kuriositäten gehörte zudem, dass zwei Liebende aus der Domstadt ihre Eltern und anderen Angehörigen mit ihrer Vermählung total überraschten. "Sie waren zuerst gemeinsam essen gegangen und von dort aus in die St.-Annen-Kapelle. Erst hier erfuhren die Eltern von der geplanten Eheschließung", schmunzelt Angela Schneider. Zwei andere Paare hatten ihr erzählt, dass sie sich für die St.-Annen-Kapelle entschieden, nachdem sie hier zuvor als Gäste an einer anderen Hochzeit teilgenommen hatten.