Es ist schon beeindruckend, mit welchem Elan der Verein "denkMal und Leben" an die Arbeit geht – und welch gewaltige Summen dabei "verarbeitet" werden. Dem Verein ist es zu verdanken, dass die einstige Havelberger Domkurie saniert und wieder einer Nutzung zugeführt werden kann.

Havelberg. Wenn alles wie vom Verein geplant verläuft, wird das alte Fachwerkgebäude gegenüber dem Krankenhaus am 3. Oktober seiner neuen Bestimmung übergeben. Aus diesem Anlass hat der Verein beantragt, die zentrale Veranstaltung des Landes zum "Tag der Regionen" in Havelberg stattfinden zu lassen. Bis zum Erreichen dieses großen Zieles müssen über eine Million Euro in die Hand genommen werden, ein Großteil davon sind Fördergelder.

Viel wurde 2010 bereits erreicht, wie Norbert Kühnel, der stellvertretende Vorsitzende, auf der Jahresversammlung am Freitag im Prignitz-Museum informierte. Gern hätte diesen Part die Vorsitzende Ute Schröter übernommen, doch ist sie wegen eines Beinbruchs krankgeschrieben.

"2010 war ein sehr arbeitsreiches Jahr", resümierte Norbert Kühnel. Im März wurde der Bauantrag genehmigt, allerdings mit vielen Auflagen. Es gab viele Diskussionen, Kompromisse wurden gefunden und Nachanträge gestellt. Im Mai begann dann endlich die umfassende Sanierung. Nicht ohne Anlaufprobleme – ein großes Baugerüst war nur sehr schwer aufzutreiben.

Einen Großteil der Arbeiten leisteten 15 Ein-Euro-Jobber, die derzeit beim Verein unter Vertrag sind. Jede Woche gab es eine Bauberatung, oft mit seitenlangen Protokollen.

Zuerst wurden die Dachziegel sowie die Gefache entfernt, ebenso die Fußböden. Das war nötig, um die Dachkonstruktion zu entlasten und um Schäden an den Hölzern zu entdecken. Die Zimmerleute hatten im Anschluss reichlich Arbeit, worüber Chronist Henrik Hempelmann beim Lichtbildvortrag informierte.

So musste die Rückseite fast komplett ausgetauscht werden, die Ostseite erhielt im Erdgeschoss neue Hölzer. Zur Stabilisierung wurden auf dem Dachboden und im Erdgeschoss einige Stahlträger eingezogen, denn einige Mauern standen seitlich auf dem Tonnengewölbe des Kellers.

Viel Handarbeit war vonnöten, um Materialkosten zu sparen. Alle Mauersteine aus den Gefachen wurden geputzt und erneut verwandt, auch die Dachziegel wurden zurückgelegt. Neu gedeckt wurde das Dach ab Oktober mit gebrauchten handgestrichenen Ziegeln aus Klietz sowie aus Grieben, diese sind etwas leichter als die alten Biberschwänze. Diese Arbeiten wurden im Vorjahr abgeschlossen.

Nicht ganz zu Ende gebracht werden konnten die Arbeiten an der Fassade, da kam der frühzeitige Frosteinbruch dazwischen. Denn statt Zement wird Kalk zum Mauern verwandt, und dieser ist sehr frostempfindlich.

Arbeitsaufwändig war auch der Lehmbau, wobei zum Teil der Lehm aus dem Gebäude wiederverwandt wurde. Das Material wurde gesiebt und eingesumpft. Die produzierten Lehmziegel werden zur Dämmung der Außenwände verwandt, an die Decken hingegen kommen Lehmwickel.

Rege diskutiert wurde im Verein die vom Landeskonservator vorgegebene Farbgestaltung: Die Gefache werden nun mit Sumpfkalk weiß gestrichen, das Holz soll ein helles Olivgrün erhalten, die Fensterrahmen werden gelb.

Neben der Bautätigkeit, woran sich die Vereinsmitglieder an einem Wochenende im Monat beteiligten, gab es auch flankierende Projekte. Da musste zuallererst die Finanzierung nach einer anfänglichen Zitterpartie auf eine solide Basis gestellt werden, wobei Jan Böhm mit einer Bürgschaft half. Spenden wurden eingeworben, unter anderem diverse Dachziegel sowie Geld für Türen und Fenster. Bei zwei Schülerprojekten stellten die Gäste Stroh-Lehmziegel her oder informierten sich zum Mittelalter. Ute Schröter stellte bei einem Bundestreffen in Staßfurt das Projekt vor. Und am 10. September war Richtfest in der wiedererstandenen Domkurie.

Kassenwart Henrik Hempelmann informierte zudem über die Pläne für dieses Jahr: Vom 22. bis 25. April ist das Frühlingsfest geplant, am 25. Juni ist der Verein beim Domfest dabei, am 11. September ist der "Tag des offenen Denkmals" und am 3. Oktober soll die Einweihungsfeier stattfinden. Ab März ist wieder jeden dritten Samstag Arbeitseinsatz. Zudem sollen sich die Mitglieder Gedanken zur künftigen Nutzung machen. Fest steht, dass die Bibliothek aus dem Gymnasium hier unterkommen wird.

Mit der Stadt wird derzeit verhandelt, das Gelände hinterm Garten der Domkurie zu erwerben. Auf dem Areal befinden sich die verwahrloste Konsum-Baracke – sie soll abgerissen werden – und die einstige Sero-Scheune. Mit letzterer hat der Verein noch Pläne, von hier hat man zudem einen tollen Blick auf das Denkmal.

Nach zwei Jahren stand eine Vorstandswahl an. Einstimmig wurde dieser im Amt bestätigt, ihm gehören neben Ute Schröter, Norbert Kühnel und Henrik Hempelmann zudem Jan Böhm und Antje Reichel als Beisitzer an.

Am 8. August 2008 war der Verein "denkMal und Leben" mit acht Heimatfreunden gegründet worden, seit der Versammlung hat er 23 Mitglieder – zwei Interessenten gesellten sich noch hinzu.