Etliche Gratulanten strömten gestern ins Havelberger Krankenhaus. Der leitende Chefarzt Dr. Peter Hoffmann, seit 34 Jahren im Haus tätig und damit der dienstälteste Arzt, feierte seinen 60. Geburtstag.

Havelberg l 34 Jahre an ein und demselben Krankenhaus tätig zu sein, ist in der heutigen Zeit eher untypisch. Dr. Peter Hoffmann kann auf diese Dienstjahre verweisen. 1980 begann für den einstigen Magdeburger die offizielle Dienstzeit in Havelberg. Seine Pflichtassistenzzeit hatte er dort bereits absolviert. Für die Facharztausbildung in der Anästhesiologie ging er nach Magdeburg, für Weiterbildungen auch an andere Kliniken. Die Betriebszugehörigkeit blieb aber über all die Jahre erhalten. Kein Wunder also, dass er das Havelberger Klinikum und viele Mitarbeiter gut kennt. Er hat Hochs und Tiefs miterlebt. Am Erhalt des kleinen Hauses war er nach der Wende maßgeblich beteiligt.

Präzise und zielstrebig in kritischen Situationen

Dass er den Arztberuf wählte, daran könnte seine Schwester Anteil haben, antwortet der 60-Jährige auf die entsprechende Frage. "Meine Eltern kamen als Vertriebene nach Deutschland, ich stamme aus einfachen Verhältnissen", sagt er. Seine Schwester wurde Krankenschwester. "Das könnte ein klein bisschen für mich der Grund gewesen sein, Medizin zu studieren." Anästhesist wollte er allerdings nicht werden. Da hatte er die gleichen Vorurteile wie andere auch. "Nur" Patienten zu narkotisieren, lag nicht in seinem Sinn. Doch Anästhesisten wurden gesucht. Peter Hoffmann fand schnell rein in dieses Fachgebiet und hatte in seinem Ausbilder jemand, der ihn für dieses Fachgebiet begeisterte.

Kritische Situationen in der Intensiv- und Notfallmedizin beherrschen zu können, liegt ihm. Dabei hat er mehr als andere Ärzte mit sterbenden Menschen zu tun. "Aber wenn es gelingt, bei zehn extrem lebensbedrohlichen Situationen nur zwei oder drei zum Positiven zu wenden, ist das eine besonders schöne Erfahrung", sagt Peter Hoffmann. Diese Erlebnisse helfen ihm dann auch damit umzugehen, wenn es nicht gelingt, Leben zu retten. Geschehenes nicht zu nah an sich heranzulassen, ist nicht immer möglich. Etwa, wenn ein Kind stirbt oder ein Patient, zu dem man eine emotionale Bindung hatte.

Präzise und zielstrebig zupacken zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für seinen Beruf, den er als sehr interessant und vielseitig beschreibt. "Das trainiert man in der Ausbildung", sagt Peter Hoffmann, der schon einige Anästhesisten auf ihrem Weg begleitet hat. Seit 1987 ist er Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin, später wurde er leitender Chefarzt. Für den Bereich Havelberg ist er zudem als ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes verantwortlich für die Notfallmedizin. Rund zehn Ärzte, vor allem aus dem Krankenhaus und niedergelassene Ärzte, sichern den Rettungsdienst im Auftrag des Landkreises ab. Peter Hoffmann fährt auch selbst mit raus.

Dienste zu haben und damit für eine bestimmte Zeit immer und überall erreichbar zu sein, ist für ihn selbstverständlich. In solch einer kleinen Klinik sind es mehr Dienste als an größeren, die pro Arzt anfallen. "Klar ist man eingeschränkt und es ist eine andere Art der Dienstbelastung, die man akzeptieren muss. Aber das ist kein Problem für mich", sagt er. Dafür ist die Zahl der Intensivfälle auch geringer als in einer Großstadt. Dennoch muss man auf alles vorbereitet sein und die Technik vorhalten.

Stark gemacht für den Erhalt des Klinikums

"Wir haben das gleiche Spektrum an Notfällen wie andernorts, nur nicht so oft." In seiner Abteilung arbeitet er seit vielen Jahren mit der Ärztin Kati Gennermann zusammen, zudem unterstützt seit längerem ein externer Arzt.

In Havelberg fühlt er sich mit seiner Frau Karola seit vielen Jahren heimisch. Er bezeichnet sich als bodenständig. Er erkundet gern ferne Länder, doch ist er auch sehr gern zu Hause. "Wir haben hier eine saubere Umwelt, man ist in wenigen Minuten an Elbe und Havel oder im Wald", weiß er die Natur zu schätzen. Zur Arbeit fährt er das ganze Jahr über möglichst mit dem Fahrrad. Sich mit seiner Frau, die als OP-Schwester im Krankenhaus arbeitet, auch nach Feierabend über Berufliches austauschen zu können, ist für ihn wichtig. Bei einem Tages- oder Kurzausflug an die Ostsee finden beide Entspannung. Mit Freunden fährt Peter Hoffmann zum Meeresangeln. Er liest gern und viel und nutzt seine große Filmesammlung. Etwa dann, wenn er aufgrund des Bereitschaftsdienstes ans Haus gebunden ist. Lässt es die Zeit zu, geht er zur Jagd.

"In erster Linie wegen des Naturerlebnisses. Das Wildbret verarbeite ich dann in der Küche, die mein Reich ist", berichtet er von seiner Leidenschaft des Kochens, die übrigens vom Einkauf übers Zubereiten der Speisen bis zum Abwasch reicht. Gern probiert er was aus, nutzt seine vielen Kochbücher als Ideengeber. Seine Lieblingsspeise sind Spaghetti mit einer Soße, die schön scharf ist und viel Gemüse enthält. Ebenso wichtig wie seine Familie - zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder gehören dazu - ist ihm sein Freundeskreis. "Diese Menschen sind wie eine zweite Familie und sie haben entscheidenden Anteil daran, dass ich mich in Havelberg sehr wohl fühle."

So, wie er die Konstanz in seinem Umfeld schätzt, steht Peter Hoffmann für Konstanz am Krankenhaus. Bürgermeister, Landrat und ehemaliger Landrat würdigten gestern beim Empfang sein Engagement für den Erhalt des Klinikums. Gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer des zum Landkreis gehörenden Hauses, Wolfgang Lemke, hat er sich stark gemacht für einen neuen Träger. Die Entscheidung für die KMG hat er mit vorangetrieben und sieht sie noch heute als richtig an. "Wir passen in das regionale Klinikkonzept gut rein."

Im Namen des Vorstandes und aller Mitarbeiter gratulierte der Chefarzt der Chirurgie der Kliniken Kyritz und Havelberg, Dr. Fred Gätcke, dem Jubilar. Ein ständiger Wechsel von Ärzten sei schlecht für die Konstanz in einer Region. "Niedergelassene Ärzte und Patienten wollen feste Ansprechpartner", sagte er und dankte Peter Hoffmann für seine geleistete Arbeit.