In welchem Zustand sich der Deich im SchaubezirkI zwischen Fischbeck und Neuermark-Lübars befindet, begutachteten Experten und Bürger gestern bei der Deichschau. Heute geht es weiter Richtung Norden.

Fischbeck/Neuermark-Lübars l "Es wird viel passieren!" Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) informierte gestern zum Auftakt der Deichschau die Behördenvertreter, Schaubeauftragten und auch interessierten Bürger in der Schönhauser "Alten Linde" über die Maßnahmen zur Sicherung der Deiche. Zunächst sprach er von einer derzeit ungewöhnlichen Situation: "Seit Juni 2013 hatten wir kein Hochwasser mehr, auch nicht im Frühjahr oder jetzt im April, wenn eigentlich Schneeschmelze in den Bergen ist und wir immer mit Hochwasser zu tun haben. Stattdessen herrscht sogar Niedrigwasser, der Pegelstand der Elbe beträgt derzeit 1,94 Meter, also rund ein Meter unter normal."

Für die Deichbauarbeiten ist das ideal, kann doch uneingeschränkt gebaut werden. Derzeit gibt es Baustellen bei Schönhausen und Hohengöhren, "seit der Katastrophe im vergangenen Jahr sind zehn Maßnahmen zur Sicherung abgearbeitet worden oder wir bauen noch daran", so Reinhard Kürschner. Ab Juni werden dann auch die 40 zusätzlichen Arbeitsplätze beim LHW besetzt, so dass die weiteren Maßnahmen, für die das Geld bereitliegt, auch umgesetzt werden können. Auch wenn die Anwesenden den Versprechungen des Ministers - bis 2020 seien alle Deiche normgerecht - kaum Glauben schenken, so sind doch viele Stellen in Planung. Als Beispiel nannte der Flussbereichsleiter für den gestrigen Schaubereich den 6,7 Kilometer langen Abschnitt von Fischbeck nach Jerichow, mehrere Stellen bei Hohengöhren sowie die Untersuchung einer Deichrückverlegung bei Neuermark-Lübars. Hier wird es parallel zur Untersuchung die Sicherung einer schadhaften Stelle geben. Alle neuen Deiche werden nicht nur einheitlich hoch und auf der Krone befestigt sein, sondern auch über eine Bärme verfügen. Das ist ein landseitig an den Deich angebauter Stützkörper mit befestigtem Weg als Deichverteidigung.

Gras steht schon hoch, aber die Schafe kommen erst im Mai

Größere Schäden kamen bei der gestrigen Schau nicht zum Vorschein. Bei Neuermark-Lübars sind zwei neue Stellen, an denen die Böschung leicht abgesackt ist, festgestellt worden. "Sie sind nicht schwerwiegend", versicherte der Flussbereichsleiter. "Sie werden im Zuge der ab September geplanten Bauarbeiten behoben." Geärgert haben sich die Fachleute wieder über Fahrspuren in den Deichschutzstreifen, "eine unbeschädigte Grasnarbe ist für den Hochwasserschutz unerlässlich. Noch spärlich wächst das Gras auf dem neuen Deich, der an der Fischbecker Bruchstelle angelegt wurde. Wenn es ergiebig regnet, sollte das Gras wachsen. Das tut es an allen anderen Stellen bestens. Kritisiert wurde, dass noch keine Schafe unterwegs sind, um das Grün kurz zu halten. Laut Vertrag dürfen die Schäfer erst ab Mai auf den Wall, weil im April noch mit Hochwasser zu rechnen ist. "Da werden wir mit den Schäfern in Verhandlung treten, dass in solchen Situationen wie jetzt auch schon eher mit der Behutung begonnen werden kann", erklärte Reinhard Kürschner.

In Fischbeck ist Burghard Henning, Geschäftsführer des LHW, zur Schaugruppe dazugestoßen. Er sprach mit den Vertretern der beiden Landkreise darüber, wie man den für November dieses Jahres geplanten Baubeginn für den neuen Abschnitt zwischen Fischbeck und Jerichow beschleunigen kann. Ergebnisse sollen am 10. Juni, wenn der Landkreis zur Gedenkveranstaltung einlädt, präsentiert werden.

Über die geplanten Bauarbeiten am Deich bei Schönhausen und Neuermark-Lübars informiert das LHW am morgigen Donnerstag ab 18 Uhr die herzlich eingeladenen Bürger im Schönhauser Bürgerzentrum.