Im Mai kehren neben vielen anderen Vogelarten auch die Trauerseeschwalben aus ihren Winterquartieren zurück. In Havelberg können sie mit der Brut gleich loslegen, wofür auch Klietzer Schüler sorgten.

Klietz/Havelberg l 26 der quadratischen Nisthilfen aus Holz und Styropor entstanden in der Klietzer Grundschule - und zwar in der Arbeitsgemeinschaft Holz, welche von Schulsozialarbeiterin Jaqueline Ladwig geleitet wird. Finanzielle Unterstützung kam dabei von der "Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz". In der AG, in der auch Förderschüler mitarbeiten, waren zwölf Schüler mit dem Bau befasst - sogar in den Winterferien, denn die Nester mussten rechtzeitig fertig werden.

Manfred Kuhnert gibt Bauanleitung

Die Baupläne hatten die jungen Tischler vom Wulkauer Ornithologen Manfred Kuhnert bekommen, welcher die Nisthilfen kürzlich zusammen mit Matthias Glück vom Biosphärenreservat in der Havelberger Aderlanke ausbrachte. In dessen Arbeitsstelle in Ferchels waren die älteren Nisthilfen im Winter von Marianne Limp "generalüberholt" worden. Denn Holz quillt im Wasser auf und wird brüchig.

"Zwischen Jederitz und Havelberg wurden im Vorjahr 170 dieser Nistflöße ausgebracht, immerhin 130 davon waren besetzt", erklärte Manfred Kuhnert. Doch spielte die Extremflut den Nisthilfen übel mit: Zwar hatte er kurz zuvor noch die Schnüre für die Anker verlängert, an denen die an einer langen Schnur aufgereihten Nester an deren Enden befestigt sind. Doch hatte er nicht mit dem Treibgut gerechnet - die Platten wurden dadurch abgerissen und blieben zum Glück zumeist in den Büschen der Umgebung hängen. Dadurch überlebten auch die Jungen, sie schwammen mit und kletterten dann wieder in ihre Nester. Dort, wo die Jungvögel nicht überlebten, erfolgte eine zweite Brut - was eigentlich unüblich ist.

Mink oder Waschbär werden den Vögeln in der Aderlanke kaum gefährlich, die Seerosen schützen die Kolonie. Feinde aus der Luft werden schwarmweise verjagt.

130 Paare in Havelberger Region ansässig

Ende April, Anfang Mai kehren die Vögel von ihrer langen Reise zurück, denn das Winterquartier ist im Süden von Afrika in einer fischreichen Gegend. Meist werden drei Eier gelegt, nach 20 bis 22 Tagen schlüpfen die Nachkommen. In Deutschland steht die Art auf der Roten Liste, ist also im Bestand bedroht. Darum startete die Naturschutzbehörde des Landkreises 1995 ein Artenhilfsprojekt mit den Nisthilfen. Erfolge stellten sich alsbald ein: Brüteten damals nur noch 30 Paare im Bundesland, sind es nunmehr allein in der Havelregion 130 Paare. Dass die Brut ohne menschliches Zutun nicht mehr gelingt, bewiesen Versuche in den Jahren 2003 und 2004, als keine Nisthilfen ausgebracht wurden: 2003 kamen in der unteren Havel lediglich fünf Bruten zustande, im Gülper See wurde jedoch erfolgreich auf angeschwemmten Schilfpflanzen gebrütet. Im Jahr darauf gab es in der Havel zwar 29 Brutpaare, die meisten blieben allerdings erfolglos. 2006 wurden deshalb weitere Kunstinseln angeschafft und andere Standorte mit einbezogen. 2007 kamen weitere Arten hinzu, die hier nun ebenfalls erfolgreich brüten - die Weißbart- und die Weißflügelseeschwalbe.

Im Stremel brütet zudem die Flussseeschwalbe - auch auf dem Klietzer See soll die Art nun angesiedelt werden. Hierbei können die Schüler allerdings nicht helfen, denn die Art bevorzugt wiederum Inseln - ein ausgedientes Ponton der Bundeswehr bietet seit wenigen Wochen dafür beste Bedingungen.

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