Garz l Nach 2000 und 2011 - hier wurden die Garzer sogar Kreissieger - ist es nunmehr die dritte Beteiligung am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Zwei Stunden haben die Bewerber Zeit, um die Jury in ihrem Sinne zu überzeugen.

Erste Station war die Kirche, die sich anders als gewohnt präsentiert: Sie ist komplett leergeräumt. Das erwies sich beim Besuch allerdings als Vorteil: So ist die Akustik besser. Denn Wilhelm Schröder als Kirchenführer und Organist sowie Sängerin Doreen Bäther trugen der Kommission und den beteiligten Garzern ein kleines Ständchen vor.

Der Zahn der Zeit hatte gewaltig an den Hölzern der 326 Jahre alten achteckigen Fachwerkkirche genagt, weshalb eine Sanierung dringend nötig ist. Auch neigt sich das Bauwerk bedrohlich gen Westen, unter den Pfeilern bröckelt das Fundament. In Kürze soll die Sanierung beginnen, viel wird über Leader finanziert, zudem hoffen die Garzer auf Hilfe von Lotto-Toto. "Beim Ausräumen halfen auch Garzer, die nicht in der Kirche sind", wies Wilhelm Schröder auf den Zusammenhalt im Ort hin. Stolz ist er auf ein Buch von 1824 mit einer Widmung des damaligen Königs Friedrich-Wilhelm III.

Selbst der Storch meidet das Storchenhaus

Ein Sorgenkind ist im ansonsten sehenswerten Garz das sogenannte "Storchenhaus", das seit Jahren verfällt. Der Besitzer aus Berlin will es für stolze 120000 Euro verkaufen, für hiesige Verhältnisse ein Unding. - Denn in etwa so viel Geld muss wohl auch in die Sanierung gesteckt werden. Sogar der Storch meidet inzwischen den Horst auf dem Dach. Interessenten für das Haus gäbe es schon.

Die nächste Station war der Hafen, wo erst kürzlich das gut besuchte Frühlingsfest stattgefunden hatte. Er wird am Herrentag, dem 29. Mai, wieder Ziel vieler Ausflügler sein. - In diesem Jahr wird ab 14 Uhr eine AC-DC-Coverband aus Magdeburg aufspielen.

Die anschließende Rundfahrt durch die Feldmark in Richtung Warnau führte auf dem nagelneuen Havelradweg entlang. Zurück in Garz bekam die Kommission auch einen Eindruck von der neu sanierten Ortsdurchfahrt. Natürlich zeigten die Garzer auch ihre beiden Wegemarken des Frau-Harke-Sagenpfades.

Etliche Vereine sind in kleiner Ortschaft tätig

Vieles verändert hat sich seit dem letzten Besuch der Kommission auch auf den Havelhöfen. Ganz neu entstanden sind der "Kulturstall", wo die Gäste informiert und bewirtet wurden, sowie eine Radlerpension. Drei Lehmöfen sorgen inzwischen für wohlige Wärme, sogar die Sitzbänke daneben sind beheizt. Die einstigen Jauchegruben in der Hofmitte dienen jetzt als Auffangbehälter fürs Regenwasser, erklärte Gastgeber Joachim Klose vom Havel-Höfe-Verein.

Musikensembles schätzen den tollen Klang der einstigen Scheunen, um in Garz zu proben. Erst am Wochenende hatte hier ein Klassentreffen stattgefunden, berichtete Havelhöfe-Kulturmanagerin Astrid Braunsdorf, zugleich Ortsbürgermeisterin und Vorsitzende des Ortsvereins.

Birnbäume für Bänke pflanzen

Neben den beiden genannten Vereinen gibt es in der Havelberger Ortschaft noch die Volkssolidarität, den Nagelclub sowie einen Rommé-Verein, der sich immer mittwochs trifft. Sogar ein Männerballett existiert, es tritt immer beim Sommerfest auf - derzeit wird dafür gerade die Tanzfläche hergerichtet.

Kommissionsvorsitzender Sebastian Stoll, der stellvertretende Landrat, zeigte sich nach dem Rundgang beeindruckt: "Es hat sich vieles verändert." Natürlich haben die Garzer wieder eine Idee, worüber Astrid Braunsdorf informierte: Es gibt zu wenig Bänke im Ort, weshalb der Ortsverein auf seiner Sitzung dazu beriet. Mitglied Ralf Wagener will Bänke stiften, unter einer Bedingung: Für jede Bank soll ein Birnbaum gepflanzt werden. "Aus den Birnen könnte dann ja auch Schnaps gebrannt werden, vielleicht werden Sie beim nächsten Besuch damit bewirtet", blickte die Ortsbürgermeisterin voraus.

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