Schönhausen l Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, konnte man dies am Sonntag beim traditionellen Hähnekrähen des Schönhauser Kleintierzüchtervereins erleben. Denn als Sieger ging hier ein Hahn aus Fischbeck hervor, dem man diesen Triumph von Herzen gönnte: Egon, ein Deutscher Zwerg, riss seinen Schnabel während der einstündigen Wertungszeit immerhin 103 Male auf, um lauthals "Kikeriki!" zu rufen.

Normalerweise veranstalten die Züchter das Hähnekrähen immer im Monat Mai, weil die männlichen Hühnervögel anschließend in den Kochtopf wandern - für die Betroffenen ist der Mai also alles andere als ein Wonnemonat.

Anders verhält es sich bei Egon, der besitzt nun ein lebenslanges Wohnrecht bei den Rühes in Fischbeck. Denn Egon hatte nach dem Deichbruch vier Tage lang auf seiner Stange im Hühnerstall ausgeharrt, Wasser hatte er ja genug zu trinken.

15 Hähne waren beteiligt

Dann endlich erlöste ihn der Nachbar und sperrte den Vogel in einen sicheren Taubenschlag. Dieses Zusammenleben war für den Hahn allerdings ebenfalls wieder recht stressig, denn Tauben sind nicht gerade beliebt bei den flugunfähigen Hühnern - alles was über ihnen fliegt, bedeutet Gefahr. Um so mehr freute sich der Vogel, als er endlich die bekannte Stimme von Marlies Rühe hörte - er hörte gar nicht mehr auf zu krähen. "Ich rede jeden Tag mit Egon", berichtete die Fischbeckerin. Nach der Flut stand für sie fest: Egon soll bei der Familie alt werden. Ob er sich jetzt mit seinem Sieg bei ihr und ihrem Mann Ernst Rühe bedankt hat? Wer weiß?

Teilgenommen hatten an dem Wettkampf hinter der Schönhauser Reithalle 15 Hähne. Immerhin drei von ihnen - darunter beide Seidenhühner - blieben die gesamte Wertungszeit über stumm. Den zweiten Platz belegte mit 78 Anschlägen der Hahn von Detlef Wesemann, dritter wurde der Vogel von Ronald Horst aus Hämerten, welcher 67 Male sein Kikeriki ertönen ließ.