Havelberg (as). Zugunsten des Kulturprojektes Stadtinsel wird am Sonntag, 23. Januar, eine Verkaufsausstellung in der Langen Straße 1 eröffnet. Reinhart Richter, Initiator des Kulturprojektes für Havelbergs Altstadt, stellt aus seiner Grafiksammlung Lithographien des bekannten Künstlers A. Paul Weber aus. Der Erlös der Ausstellung kommt dem Heimatverein Havelberg, zu dem das Kulturprojekt gehört, als Spende für das Projekt zugute.

A. Paul Weber (1893 bis 1980) zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Geboren im thüringischen Arnstadt, besuchte er dort die Realschule und anschließend die Kunstgewerbeschule in Erfurt, berichtet Reinhart Richter aus der Vita des Künstlers. Weber war als Gebrauchsgraphiker tätig. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Eisenbahnpionier eingesetzt und später als Zeichner und Karikaturist bei der Zeitschrift der 10. Armee.

1920 heiratete er Toni Klander, mit der er 1925 die "Clan-Presse" gründete. In diese Zeit fielen seine ersten Erfolge als Buchillustrator. Entstanden sind Arbeiten etwa zu Hans Sachs, Till Eulenspiegel und Reineke Fuchs. 1936 zog er nach Schretstaken (Kreis Herzogtum Lauenburg). Im Juli 1937 wurde er wegen seiner Kontakte zum Widerstandskreis und seiner Arbeit gegen die Nazis verhaftet. Seine Haft verbüßte er in Hamburg-Fuhlsbüttel, Berlin und Nürnberg. In Nürnberg wurde ihm das Zeichnen unpolitischer Blätter gestattet, er schuf erste Arbeiten zu den Motiven "Schachspieler" und "Wald". Von 1939 bis 1941 arbeitete A. Paul Weber an dem Bilderzyklus "Britische Bilder". Nach dem Krieg fertigte er erneut kritische Lithographien zu aktuellen Themen an, aber auch lustige Tierbilder, heitere und bissige Blätter zu Kunst und Kunstbetrieb, die Schachpartien zwischen historischen und literarischen Personen und die Eulenspiegelmotive.

Für seine Arbeiten erhielt der Künstler 1955 den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein, 1963 die Hans-Thoma-Medaille. 1971 wurde er zum Professor ernannt und mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das Schaffen Webers stieß in Ausstellungen etwa in Reykjavik, Bonn und Münster auf große Aufmerksamkeit. 1974 wurde ihm die ungewöhnliche Ehre zuteil, dass noch zu seinen Lebzeiten eine A.-Paul-Weber-Gesellschaft gegründet wurde, so Reinhart Richter.

Der Osnabrücker freut sich auf viele interessierte Gäste, die er am 23. Januar zur Ausstellungseröffnung um 18 Uhr in seiner Galerie in der Langen Straße 1 begrüßen möchte. Zu sehen sein werden die Lithographien bis Freitag, 11. März.