Schönfeld/Kamern l "Ich möchte Sie davon in Kenntnis setzen, dass die elektrotechnische Anlage, die als temporäre Lösung für die Beseitigung der gröbsten Hochwasserschäden durch elektrische Geräte gedacht war, am 19. Mai 2014 wieder außer Betrieb genommen wird", heißt es in dem Schreiben des Kamernschen Bürgermeisters Klaus Beck. Die rigide Maßnahme machte sich erforderlich, weil Gefahr im Verzug ist.

Denn Elektroplaner Detlef Schulz aus Osterburg und die Fachfirma Elektro-Wolff aus Havelberg hatten der Gemeinde als Betreiber des Platzes am Schönfelder See dringend geraten, die Anlage wieder vom Netz zu nehmen: Die Korrosion der einst überfluteten Anlage schreitet voran, wodurch sich der elektrische Widerstand erhöht. Bei Belastung könnten sich die Verbindungen so stark erhitzen, dass die Verteiler ausbrennen - mit weiteren schlimmen Folgen. Zudem werden die Isolationswerte der durchfeuchteten Kabel immer schlechter, der Berührungsschutz konnte nur provisorisch, nicht aber dauerhaft hergestellt werden. - Alles in allem kann die Sicherheit der Anlage nicht mehr gewährleistet werden.

"Das ist ein drastischer Schritt, aber wir als Kommune können hier nicht in Vorleistung gehen", erklärte Klaus Beck auf der Ratssitzung in Kamern. Betroffen von den Flutfolgen sind auch die anderen Versorgungsmedien wie Wasser und Abwasser.

In dem Schreiben an die Nutzer weist Klaus Beck auch eindringlich darauf hin, die Abwasseranlage nicht zu nutzen. Denn das Pumpwerk musste nach der Flut außer Betrieb genommen werden, das Kanalnetz war voller Dreck und Sand. Zwei Stichstränge wurden bislang erst gesäubert, der Rest fehlt noch. Am 20. Mai ist eine Kamerabefahrung geplant. Dann wird man wohl auch sehen, wo die neuerliche Verstopfung herrührt - einige Camper hielten sich augenscheinlich nicht an das Nutzungsverbot.

Gebühr für Camper für 2014 komplett erlassen

Ratsmitglied Dr. Christoph von Katte zeigte sich enttäuscht, dass ein so hochtechnisiertes Land wie Deutschland fast ein Jahr nach der Flut nicht in der Lage sei, die Schäden rasch zu beheben. Die von der Kanzlerin versprochene schnelle und unbürokratische Hilfe sei ausgeblieben.

Als kleine Entschädigung für alle Dauercamper beschloss der Gemeinderat, auf Gebühren für dieses Jahr zu verzichten. Denn in den Entgelten ist die Bereitstellung von Einrichtungen inbegriffen, was derzeit aber nicht möglich ist. Das Angebot gilt allerdings nur für den Campingbereich, nicht aber für die Bungalowbesitzer - diese sind an die abgeschlossenen Erbpachtverträge gebunden.

Die Gemeinde machte es sich nicht leicht mit diesem Beschluss, denn wie Platzwart Detlef Rieck und Ratsmitglied Udo Liermann anmerkten, fallen trotzdem Kosten für die Abfallentsorgung oder die gepachteten Flächen an - allein an die Kirche müssen pro Jahr 1800 Euro gezahlt werden. Doch sollen die Camper zum Bleiben motiviert werden, denn der Platz bringt der Gemeinde auch Einnahmen und sichert Arbeitsplätze. Einige Platznutzer haben nach der Flut auch schon aufgegeben: Von einst 100 Stellplätzen sind noch 60 übrig geblieben.

Neue Wasserleitung ist Lichtblick für die Camper

Ein kleiner Lichtblick für die Camper ist der Bau der Trinkwasserleitung, der derzeit läuft. Sie wird von Kamern aus durch den See verlegt. "Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um den Leuten dort zu helfen", erklärte denn auch Bauamtsleiter Ulf Wabbel. Als nächstes Projekt werde das Abwasserproblem beseitigt.

Auf dem Platz entstand ein Schaden von über drei Millionen Euro, wie dem Maßnahmeplan der Gemeinde zu entnehmen ist. Größter Brocken ist dabei die Wiederherstellung der Infrastruktur, die mit 2,8 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Das Vorhaben der Gemeinde sorgt bei den Campern für erheblichen Ärger, was aber vorauszusehen war. Der Havelberger Manfred Lohs verfasste sogar einen Aufruf: "Der Campingplatz, der sich wieder etwas zu erholen scheint, wird in eine möglicherweise monatelange Dunkelheit versetzt." Der Platz werde dadurch "eine unbewohnbare dunkle Einöde" und dem Vandalismus preisgegeben, befürchtet der Domstädter. Und will darum die Gemeinde für etwaige Schäden in Haftung nehmen.

Die Interessen der Platzbewohner vertritt der Verein der Bungalowsiedlung, Vorsitzender ist Dirk Franke. Er versteht die Frustration der Camper, weist aber die persönlichen Anfeindungen an den Bürgermeister in dem Aufruf von Manfred Lohs weit von sich: "So etwas gehört sich nicht!"

Dennoch wird sich der Vereinsvorstand womöglich noch am Sonnabend zusammensetzen, um eine einheitliche Meinung zu finden.

"Wir müssen mit der Verwaltung reden, denn so geht es nicht", ist seine persönliche Meinung. Ohne Strom könne ein Wiederaufbau nicht erfolgen, vielleicht gibt es aber auch Alternativen.